Dinslaken: Früher war mehr Lametta

Dinslaken : Früher war mehr Lametta

"Früher war mehr Lametta..." Loriots Opa Hoppenstedt schwelgt beim Anblick des Weihnachtsbaums alle Jahre wieder in Erinnerungen. Und Recht hat er: Ein Blick in alte Fotoalben genügt. Damals gab's auch mehr Silberschmuck, mehr Wachskerzen und mehr Engelshaar. Eine ganze Reihe von Lesern sind unserem Aufruf gefolgt und haben ihre alten Weihnachtsbilder hervorgeholt. An alle knüpfen sich Erinnerungen. Eine Auswahl der Fotos zeigen wir hier und danken allen, die sich mit Geschichten und Fotos beteiligt habe.

Dieses Foto hat uns Birgit Felix zugeschickt. Es wurde 1968 in Voerde aufgenommen und zeigt sie mit ihrer Schwester (vorn). "Leider ist meine Schwester schon 2003 verstorben, wir denken aber immer an sie, besonders an Weihnachten", schreibt Birgit Felix und wünscht: "Gesegnete Weihnachten". Foto: birgit felix
"An unserem Weihnachtsbaum hing immer sehr viel Lametta", schreibt Markus König, der hier auf dem Arm seiner Mutter Emma die "echten Kerzen" bewundert. Das Foto entstand 1958 in Dinslaken. Foto: Mbk
Dieses Foto von 1959 schickte uns Ursula Stolte. "Vor Fichte, Lametta und Wachskerzen sitze ich, 4 Jahre alt, mit meiner neuen Schildkröt-Puppe, auf dem Schoß meiner Cousine, 19 Jahre alt.". Foto: Ursula Stolte

Hinter dem Weihnachtsfoto aus dem Jahre 1953, das uns Hans-Joachim Kaufmann aus Voerde zuschickte, verbirgt sich eine besondere Geschichte. Das Bild zeigt den damals 25-Jährigen am Akkordeon, wie er in der Wohnung der Familie in Oberhausen-Stekrade mit seinen fünf Geschwistern für Mutter Hanna Kaufmann ein Lied spielt. Das Besondere an diesem Bild: Es ist das Ergebnis einer Familienzusammenführung, die Hans-Joachim Kaufmann nach dem Zweiten Weltkrieg wieder mit seiner Mutter und seinen Geschwistern vereinte, nachdem seine Familie aus der früheren Heimat in Schlesien vertrieben worden war. Hans-Joachim Kaufmann hatte die Heimat schon früher in Richtung Hamburg verlassen, hatte dort eine Lehre zum Netzmacher absolviert. Nach Kriegsende hatte er eine neue Stelle beim Bergbau angefangen, war später Steiger auf der Zeche Franz Haniel. Als seine Familie aus Schlesien vertrieben wurde, kam seine Mutter mit den Geschwistern zuerst nach Elsfleth an der Weser. "Im Rahmen einer Familienzusammenführung kamen wir dann in Oberhausen wieder zusammen", erzählt Kaufmann. Sein Vater wurde zu diesem Zeitpunkt bereits vermisst. "Wir haben erst vor einigen Jahren herausgefunden, dass er im Krieg gefallen ist", sagt Kaufmann. Noch heute spielt die Musik zu Weihnachten bei ihm eine wichtige Rolle. "Ich spiele an Weihnachten Klavier und meine Frau singt dazu", erzählt der 89-Jährige. "Und am ersten Weihnachtstag kommt noch mein Sohn zu Besuch, der neben seinem Beruf als Organist tätig ist." Das Musizieren zu Weihnachten ist somit auch 64 Jahre nach der Entstehung des Fotos fester Bestandteil der Weihnacht bei Familie Kaufmann.

(RP)
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