Friedensdorf hat Initiative ins Leben gerufen

Mit „terre des hommes“ und der Projekthilfe Gambia : Friedensdorf: Rassismus bekämpfen

Thomas Jacobs appelliert an die Zivilgesellschaft, an einem Strang zu ziehen und Vielfalt als Chance zu sehen.

Thomas Jacobs ist besorgt. Die derzeitigen Entwicklung innerhalb Deutschlands – rechtsextreme Proteste und Ausschreitungen, Bürgerbewegungen wie „Pro Chemnitz“ oder Pegida, die tausende Menschen mobilisieren – stimmen den Leiter des Friedensdorfes nachdenklich. „Überall gibt es derzeit deutliche Hinweise darauf, dass sich bei uns in der Gesellschaft etwas verändert“, sagt er. „Und ich bin erschrocken, wie wenig die Zivilgesellschaft dagegen angeht.“

Deshalb hat die humanitäre Hilfsorganisation nun gemeinsam mit „terre des hommes“ und der Projekthilfe Gambia eine Initiative ins Leben gerufen. Deren Aufruf: Stellt euch gegen Rassismus und Rechtspopulismus! Oder, wie Jacobs es formuliert: „Es ist jetzt an der Zeit, dass nicht nur meine Generation, sondern auch die jüngere Generation, dass die gesamte Zivilgesellschaft also gegen die derzeitigen Entwicklungen aufbegehrt.“

Wichtig sei, sich der Situation positiv zuzuwenden und sich nicht weiter abzuschotten, findet Jacobs. „Und deshalb treten wir mit unserem Appell nun an die Öffentlichkeit und beziehen klar Stellung.“

Denn auch die Mitarbeiter des Friedensdorfes bekämen die Veränderungen in der Gesellschaft mit. Die Arbeit im Friedensdorf selbst werde bislang zwar nur unterschwellig kritisiert, das Bildungswerk der Hilfseinrichtung jedoch mittlerweile vermehrt und auch offen. Rebecca Wenzel vom Bildungswerk erinnert sich da beispielsweise an eine Schülerin, deren Eltern ihr den Besuch des Friedensdorfs verwehren wollten, aus Angst, sie käme islamisiert zurück. „Und solche Fälle sind leider keine Einzelfälle mehr“, erzählt sie. Da gab es auch noch eine Viertklässlerin, die vor einem Besuch des Dorfes auf die Bitte, nicht bauchfrei gekleidet zu kommen, mit den Worten „Wieso sollen wir uns an die anpassen, die müssen sich doch an uns anpassen“ reagierte. „Das sind wahrscheinlich Floskeln, die sie zu Hause aufgeschnappt hat und weitergibt“, sagt Wenzel.

Beim Friedensdorf versuchen sie, den Entwicklungen beispielsweise mit interkulturellen Trainings entgegenzuwirken. „Wenn diejenigen sehen und verstehen, dass auch wir kulturelle Muster haben, die anderen wiederum fremd vorkommen können, denken sie oft noch mal darüber nach“, sagt Wenzel. Auch bei Demonstrationen und anderen Aktionen seien Vertreter des Friedensdorfes immer wieder dabei, um klar Stellung gegen Rassismus zu beziehen, erzählt Jacobs. „Wir sind eine überparteiliche und überkonfessionelle Organisation und wenden uns dennoch gegen eine Partei wie die AfD“, die nationalistische Gedanken in die Mitte der Gesellschaft zu tragen versuche. Die Vielfalt müsse mehr als eine Chance, anstatt als Herausforderung, angesehen werden, finden die Friedensdorf-Mitarbeiter. „Sie zeigt uns einmal mehr, wie vielfältig die Menschen sind, und welch Potenzial die Auseinandersetzung mit der Diversität in sich trägt. Sie weckt das Interesse am Unbekannten und kann so dazu beitragen, sich dem Frieden in diesem Land, auf diesem Kontinent und der ganzen Welt anzunähern“, schreiben sie in ihrem Aufruf.

Das Friedensdorf bietet jeden Monat einen Rundgang an, um die Einrichtung und die Dorfbewohner kennenzulernen und neue Einsichten gewinnen zu können. Der nächste Termin an der Rua Hiroshima in Oberhausen findet statt am Sonntag, 4. November, von 13 bis 14.30 Uhr. Um Voranmeldung unter Telefon 02064 4974 0 oder per E-Mail an offen@friedensdorf.de wird gebeten.

(akw)
Mehr von RP ONLINE