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Dinslaken: Friedensdorf freut sich über treue Spender

Dinslaken : Friedensdorf freut sich über treue Spender

Mitgliederversammlung in der Dinslakener Zentralstelle: Wirtschaftlich bewertet die Hilfsorganisation im Rückblick auf das Jahr ihres 50-jährigen Bestehens das Bilanzergebnis für 2017 als gut.

Der Rückblick auf ein ereignisreiches und herausforderndes Jahr und Wahlen zum Vorstand prägten die Mitgliederversammlung der Aktion Friedensdorf in der Dinslakener Zentralstelle der Hilfsorganisation. Nach den Wahlen mit der Bestätigung langjähriger Vorstandsmitglieder sind Annegret Hübbers-Brechtmann, Ralf Peppmüller und Stefan Hennig weiter für das Friedensdorf im Vorstand aktiv. Wirtschaftlich bewertet das Friedensdorf im Rückblick auf das Gedenkjahr "50 Jahre Friedensdorf" das Bilanzergebnis 2017 als gut. "Wir freuen uns", betonte Susanne Grünewald, die erste Vorsitzende der Aktion Friedensdorf, "dass wir trotz schwankender Spendeneinnahmen in den vergangenen Jahren auch die finanzielle Gesamtsituation als insgesamt gut bewerten können."

Ein dennoch hoher Verlust von 960.000 Euro in der Bilanz 2017 resultiere aus beschlossenen Rücklagen. Davon alleine entfielen 1,5 Millionen Euro auf den geplanten Neubau eines Operations- und Rehabilitationszentrums im Friedensdorf, mit dessen Bau voraussichtlich schon 2018 begonnen werden kann.

Positiv bewertete der Vorstand die Berichterstattung der Medien 2017 über die Arbeit des Friedensdorfes zugunsten der kleinen Patienten aus aller Welt. "Es verging kaum eine Woche", so der Vorstand im Rechenschaftsbericht, "ohne dass Medienvertreter das Friedensdorf besuchten, um ausführlich über die Arbeitsinhalte zu berichten." Das wirkte sich fast bei allen Einnahmepositionen positiv auf das Spendenergebnis aus. Mit 28.340 Einzahlungen gab es 1200 Zahlungen sowie rund 280.000 Euro mehr Einnahmen als in 2016. Das Friedensdorf freut sich, dass die humanitäre Hilfsorganisation nach wie vor "auf eine treue Spender- und Fördergemeinschaft zählen kann".

Zur Arbeit des Friedensdorfes gehören weiter drei Säulen: die Einzelfallhilfe für Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten, die Projektarbeit vor Ort inklusive der Hilfsgütersendungen in aller Welt sowie die immer mehr an Bedeutung zunehmende friedenspädagogische Arbeit des Friedensdorf-Bildungswerkes. In der Einzelfallhilfe allerdings war 2017 nach dem Anschlag auf das Diplomatenviertel in Kabul und der damit verbundenen Schließung der Visastelle der deutschen Botschaft ein schwieriges Jahr. Wegen fehlender Visa konnten im August 2017 keine kranken und verletzten Kinder aus der Krisenregion Afghanistan nach Deutschland kommen. Erleichtert konnten die Friedensdorf-Verantwortlichen nach langwierigen Verhandlungen mit dem Auswärtigen Amt dann im Februar 2018 vorerst aufatmen. Beinahe hundert afghanische Kinder, deren Visa in einer deutschen Vertretung eines Nachbarlandes von Afghanistan ausgestellt worden waren, landeten in Düsseldorf.

Bis heute und auch für den geplanten Hilfsflug im Spätsommer bleiben dennoch die Probleme um die Kinder-Visa: Das Auswärtige Amt kann dem Friedensdorf bis heute keine verbindliche Zusage erteilen, welche deutsche Vertretung die künftigen Visaanträge bearbeiten würde.

Wichtig für viele Menschen vor Ort wie für das Friedensdorf sind auch die jährlichen Hilfsflüge nach Angola und Gambia. Mit dem gerade beendeten Flug kamen allerdings weniger Kinder als sonst nach Deutschland. Das lag auch daran, dass das Friedensdorf auf die zurückgehende Zahl der kostenlosen Freibetten in Kliniken reagieren musste. Umso dankbarer ist die Kinderhilfsorganisation deshalb den vielen Krankenhausträgern, die trotz aller wirtschaftlichen Probleme auch in 2017 die operative Behandlung der Kinder zur Verfügung gestellt haben. Ohne Krankenhaus-Freibetten in ganz Deutschland wäre die medizinische Einzelfallhilfe des Friedensdorfes nicht möglich.

In diesem Zusammenhang steht auch der geplante Friedensdorf-OP. Der ambulante OP will und kann keine Freibetten ersetzen. Vor allem bei kleinen Operationen ermöglicht er dem Friedensdorf aber mehr logistische und zeitliche Flexibilität bei der Versorgung der kleinen Schützlinge.

Ebenso wichtig wie die Versorgung und Genesung schwerkranker und verletzter Kinder waren dem Friedensdorf 2017 die medizinischen Projekte, für die die Hilfsorganisation zusammen mit einheimischen Partnern in Ländern von Kambodscha über Usbekistan bis nach Armenien im Kaukasus aktiv ist. Dafür stehen aktuell etwa weit über 30 kambodschanische Basisgesundheitsstationen in überwiegend ländlichen Gebieten. Ein weiteres Beispiel sind rund 370 Operationen in Usbekistan. Mit ihnen konnten das Friedensdorf und seine einheimischen Partner sowohl Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten helfen wie auch Kindern mit orthopädischen Fehlstellungen wie etwa Klumpfüßen. Darüber hinaus finanzierte das Friedensdorf von Januar 2017 bis Februar 2018 insgesamt 185 Herzoperationen für usbekische Kinder.

Mit großer Sorge blickt auch das Friedensdorf auf inner- und weltpolitische Ereignisse. Die Vorsitzende Susanne Grünewald fordert "ein großes Maß an Toleranz und Verständnis für ein soziales Zusammenleben". Sie erläuterte weiter, dass "die Unterstützung einer rechtsorientierten Partei wie der AfD dem entgegenwirkt". In diesem Zusammenhang betonte der Vorstand des Friedensdorfes, dass die Bildungsarbeit des Friedensdorfes ... so wichtig wie selten zuvor" sei.

"Was jetzt gerade weltpolitisch passiert, sollte uns alle mit großer Sorge erfüllen", so der Vorstand. Die Art und Weise, wie der US-amerikanische Präsident Donald Trump Weltpolitik betreibe, sei besorgniserregend. Die einseitige Kündigung des mühsam ausgehandelten Atomvertrages mit dem Iran, die regelmäßigen Drohungen Trumps gegen "feindliche" Regierungen, die er per Twitter kommuniziere, seine tatsächlichen militärischen Handlungen, der angezettelte "Handelskrieg" mit Strafzöllen auch in Richtung der Europäischen Union, alles unter der Maxime "America First", bewirkten eine Polarisierung, die nach Meinung des Friedensdorfes den Weltfrieden ernsthaft gefährdet. Die Auswirkungen dessen zeigten sich im aktuellen Konflikt zwischen dem Iran und Israel sowie den gewaltsamen Unruhen im Gazastreifen.

(RP)