Freibad Hiesfeld: Vor der entscheidenden Ratssitzung wurde im Stadtpark demonstriert

Architekt: Lösung möglich, aber teuer : Freibad Hiesfeld: Protest vorm Rathaus

In das Konzept zur Sanierung des Bades war der unsichere Boden nicht „eingerechnet“. Der Architekt glaubt, dass es dafür Lösungen gibt – nur würde das teurer. Vor der entscheidenden Ratssitzung wurde im Stadtpark demonstriert.

Der Sportausschuss des Stadtrates hat am Dienstagnachmittag dem Aus für das Freibad Hiesfeld zugestimmt. Einige Stunden später sollte auch der Stadtrat selbst mehrheitlich dafür votieren, das Hiesfelder Freibad endgültig aufzugeben. Damit hat die Politik entschieden.

Vorm Rathaus hatten sich zuvor am Nachmittag Aktive zur Protestaktion versammelt. Gut zwei Dutzend Menschen waren da, zumeist Mitglieder des Freibadvereins, die Handtücher und Strandspielzeug auf der Wiese vorm Rathaus drappierten.

Auch selbstgeschriebene Plakate hatten die Demonstranten mittgebracht. Foto: Sina Zehrfeld

Marita Heisterkamp war unter den Demonstrantinnen. Was sie hergetrieben habe? „Die Angst, dass das Freibad nicht erhalten bleibt“, sagte sie. „Man muss sich aufstellen, um zu zeigen, dass wir uns um unser Anliegen auch kümmern.“ Mitstreiter Wolfgang Schreiber, angerückt mit Strandmuschel und Handtuch, kritisierte den gesamten Prozess der Entscheidungsfindung zum Bad: „Die Vermutung liegt nahe, dass das nicht gewollt ist“, sagte er. „Auf einmal hieß es: Feierabend. Diese kurzen Fristen, um darauf zu reagieren - wie sollte man die einhalten?“

Die Stadtverwaltung hat die Konzepte, die der Architekt Wolfgang Hein für eine Sanierung des Bades vorgestellt hat, wie berichtet als untauglich beurteilt. Hein sei einfach von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Ihm seien die tatsächlichen Verhältnisse des Untergrundes, die dem Bäderbau und auch einer Instandsetzung in Hiesfeld entgegenstehen, nicht klargewesen.

Dienstag erläuterte der Fachmann seine Vorstellungen vor dem Sportausschuss. Im Gespräch mit der Rheinischen Post bestätigte Hein schon im Vorfeld das, was die Stadtspitze zu seinem Konzept bemängelt hat: Tatsächlich habe er seine Einschätzung über eine Sanierung aufgrund seiner Erfahrungswerte abgegeben, ohne tiefer in die Materie der tatsächlichen Bodenbeschaffenheit einzusteigen. Er habe Möglichkeiten skizziert, kein Gutachten erstellt, stellte er fest. In der Tat gebe es, wie von der Stadt dargelegt „entsprechende Unsicherheiten“.

Das Bild, dass eine Umsetzung unter diesen Umständen praktisch nicht vertretbar wäre, ließ er jedoch zugleich nicht stehen. „Wir sind nach wie vor der Auffassung: Es geht, wenn der entsprechende Wille da ist“, sagte er. Seiner Überzeugung nach könnte man technische Lösungen auch für die Herausforderungen in Hiesfeld finden. Allerdings sei das in die bisherigen Prognosen über die Kosten einer Sanierung tatsächlich nicht eingerechnet. Und sicher seien solche Lösungen nicht simpel, „nicht Null-acht-fünfzehn“ und auch nicht billig, so Hein.

Stadtwerke-Chef Josef Kremer hat klargemacht, dass er so eine Möglichkeit auch technisch nicht sieht – wobei er an die bisherigen Gutachten zum Freibad verweist. Das Ausmaß der Setzungen und die Kräfte, die auf die gesamte Konstruktion wirken würden, ist nach Ansicht der Stadtverwaltung zu groß, um sicher zu bauen oder zu sanieren. Am Freibad Hiesfeld habe sich auch in der Vergangenheit gezeigt, wie sehr der Boden immer weiter absinkt, nämlich in den Jahren 2012 bis 2016 um etwa vier Zentimeter pro Jahr.

Kremer ließ durchblicken, dass er die gesamte Diskussion um die Chancen für eine Freibad-Sanierung für unfair hält. „Prämissen wurden einfach gesetzt – aus Nicht-Kenntnis, aus Annahmen, aus Erfahrung – die für Dinslaken nicht zutreffend sind“, sagte er. Und die Stadtwerke und Stadtverwaltung, so die dahinter liegende Botschaft, seien dann ungerechtfertigt in Erklärungsnöten, weshalb sie sich gegen den Bau aussprächen. Architekt Wolfgang Hein wiederum reagierte abgeklärt: „Dass ich da zwischen die Räder gerate, war mir klar“, sagte er.

Die Stadt favorisiert bekanntlich den Standort des bestehenden Schwimmbads Dinamare für den Bau eines Beckens im Freien. Das ist wirtschaftlich in mancher Hinsicht sinnvoll: Personal, Technik und Energieversorgung lassen sich vorteilhaft organisieren. „Letztendlich ist es eine politische Frage, ob ich das Bad an der Stelle will oder nicht“, nannte Architekt Wolfgang Hein seine Einschätzung. „Man muss sich einig werden: Was hat die höhere Priorität? Ist es die Wirtschaftlichkeit oder die Lage im Ort?“

Der Hiesfelder Freibadverein wird sich in der nächsten Zeit über weitere Schritte beraten, kündigte der Vorsitzende Thomas Giezek an. Er kritisierte, dass sich die Diskussion nun schon über Jahre hinziehe, in denen es kein Freibad gibt. „Dinslaken hat eine immense Wasserfläche verloren. Für mich als Politiker ist das eine ganz traurige Geschichte.“

Die Online-Petition für das Freibad Hiesfeld habe bis Dienstag 1600 Unterschriften erhalten, einige Hundert weitere habe man auf Papier gesammelt. „Wir sind jetzt schon bei über 2000 Dinslakenern“, so Giezek.

Mehr von RP ONLINE