Freibad Hiesfeld – schlechter Stil und trotzdem eine Chance

Unsere Woche : Freibad Hiesfeld – schlechter Stil und trotzdem eine Chance

Der Freibadverein Hiesfeld soll sich jetzt also selbst auf die Suche machen, um Planer zu finden, die das Schwimmbad im Ort doch noch bauen. Und die müssen sich dann verpflichten, an einer Ausschreibung teilzunehmen und einen Zuschlag anzunehmen.

Und sie sollen eine Bürgschaft über bis zu acht Millionen Euro vorlegen. Das sind die Vorgaben, die der Stadtrat in seinem jüngsten Bäder-Beschluss gemacht hat. Viel Glück!

So sieht es also aus und so fühlt es sich an, wenn Politiker einen Haufen Kritiker mal so richtig auflaufen lassen wollen. Schade, dass das so geschehen ist.

Erstens ist das kein guter Stil. Menschlich mag es nachvollziehbar sein: Es gab pauschale Unterstellungen, Entscheidungsträger würden lügen und täuschen. Aber dieser Beschluss trägt nicht zur Befriedung der Situation bei. Beide Lager bleiben beleidigt: die Bürger misstrauisch, die Politiker missverstanden.

Zweitens bringt es nichts für die Klärung der Sachlage. Wenn der Bäderverein jetzt scheitert, dann beweist das nicht, dass in Hiesfeld kein Bäder-Bau möglich ist. Es beweist lediglich, dass ein Verein von engagierten Laien es nicht hingekriegt hat, das binnen weniger Monate und unter extrem schwierigen Bedingungen eigenständig zu organisieren.

Viel besser und so viel klüger wäre es gewesen, den Beschluss übers Freibad aufzuschieben, ohne derart wilde Vorgaben in den Raum zu stellen. Die praktischen Konsequenzen wären die gleichen. Am Schwimmbad Dinamare wird weiter gearbeitet. Die Stadtverwaltung denkt schon mal darüber nach, wie das Hiesfelder Bad ersetzt werden kann.

Dass die Diskussion so hitzig geführt wurde, liegt auch an dem Zeitdruck, der sich wegen des anstehenden Beschlusses aufgebaut hat. Man hätte besser allen Beteiligten erlaubt, die Gemüter wieder auf gesunde Betriebstemperatur herunterzukühlen. Stattdessen wurde neuer Druck aufgebaut.

Noch einmal: Schade, dass das so geschehen ist. Aber die Bürger müssen sich nur eines klarmachen: Anders, als der Ratsbeschluss nahelegt, sind sie vollkommen unbeschränkt darin, wie sie die nächste Zeit nutzen. Haben sie noch Argumente vorzubringen? Haben sie Fachleute, die erklären können, warum ein Bäder-Bau funktioniert? Dann können sie damit an die Stadtwerke, die Stadt, die Öffentlichkeit und die Parteien herantreten. Haben sie alternative Flächen in Hiesfeld im Blick? Immer heraus damit. Wollen sie noch Bürger hinter sich scharen? Jetzt geht das.

Theoretisch kann der Stadtrat sich dann trotzdem im Sommer auf den Beschluss von März berufen und sagen: „Das ist uns alles egal! Hier hat niemand eine Acht-Millionen-Bürgschaft vorgelegt; wir pumpen das Geld für den Freibadbau trotzdem ins Dinamare.“ Die Politiker wären aber schlecht beraten, es sich so leicht zu machen. Die Debatte ist jetzt wieder richtig eröffnet.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

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sina.zehrfeld@rheinische-post.de

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