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Dinslaken: Frau von Straßenbahn mitgeschleift

Dinslaken : Frau von Straßenbahn mitgeschleift

Schon wieder hat es in Duisburg einen schweren Unfall mit einer Straßenbahn gegeben. In Walsum wurde eine 18-Jährige am Montag 300 Meter mitgeschleift, weil sie in der Türe eingeklemmt war – sie ist schwer verletzt.

Schon wieder hat es in Duisburg einen schweren Unfall mit einer Straßenbahn gegeben. In Walsum wurde eine 18-Jährige am Montag 300 Meter mitgeschleift, weil sie in der Türe eingeklemmt war — sie ist schwer verletzt.

Zu dem schrecklichen Unfall kam es gegen 8.20 Uhr auf der Linie 903 in Höhe der Haltestelle Vierlinden. Die 18-jährige Frau stieg an der Haltestelle aus der Straßenbahn aus. Sie blieb jedoch zwischen den Dichtungen der beiden Türhälften hängen, als sie nach Zeugenangaben die Türe für einen nachfolgenden Fahrgast aufhalten wollte. Die Fahrerin bemerkte dies offenbar nicht und fuhr weiter. Nach bisherigem Ermittlungsstand der Polizei wurde die junge Frau rund 300 Meter über einen Grünstreifen bis zur nächsten Haltestelle ("Fasanenstraße") von der Bahn mitgeschleift und im Haltestellenbereich zwischen Fahrzeug und Bahnsteigkante eingeklemmt.

 Über diesen Grünstreifen schleifte die Bahn die 18-Jährige rund 300 Meter mit. Die Polizei markierte später die Spuren im Gras.
Über diesen Grünstreifen schleifte die Bahn die 18-Jährige rund 300 Meter mit. Die Polizei markierte später die Spuren im Gras. Foto: Reichwein

Nur mit Hilfe von schwerem hydraulischen Gerät konnte die Feuerwehr die Bahn anheben und die 18-Jährige nach endlos lang erscheinenden 30 Minuten aus ihrer Lage befreien. Sie hat schwere Verletzungen erlitten, schwebt aber offenbar nicht in Lebensgefahr. Die Schwester der Frau, die den Unfall mit ansehen musste, wurde ebenfalls ins Krankenhaus gefahren, weil sie einen Schock erlitt. Anstelle der Straßenbahnen setzte die DVG auf der Linie 903 vorübergehend Busse zwischen "Dinslaken Trabrennbahn" und "Heckmann" ein.

 Die Frau wurde zwischen Bahn und Bahnsteigkante eingeklemmt.
Die Frau wurde zwischen Bahn und Bahnsteigkante eingeklemmt. Foto: Christoph Reichwein (REI)
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Wie es zu dem Unfall kommen konnte, warum der Sicherheitsmechanismus nicht funktionierte, der ein Schließen der Türen bei einem Widerstand verhindert, warum kein Fahrgast oder andere Zeugen sofort Alarm schlugen — alles das wird nun ermittelt. Wahrscheinlich hatte die junge Frau die letzte Türe in dem Straßenbahnzug benutzt. Ein Zeuge, den die Polizei dringend bittet, sich zu melden (Telefon 0203 2800), machte die Fahrerin auf den Unfall aufmerksam. Die Straßenbahn wurde zur technischen Untersuchung in den Betriebshof Grunewald geschleppt. Die Fahrerin steht unter Schock und wird von geschulten Mitarbeitern der DVG betreut.

Der Unfall geschah ganz in Nähe des Ortes, an dem ein 17-jähriger Radfahrer im vergangenen Monat von einer Straßenbahn erfasst und rund 60 Meter mitgeschleift worden war. Die Bahn hatte den Jugendlichen in Höhe der Holtener Straße frontal erfasst, als er die Friedrich-Ebert-Straße überqueren wollte. Nach dem Unfall schwebte der 17-Jährige zunächst in Lebensgefahr, sein Gesundheitszustand hat sich jedoch gebessert.

Wenige Tage später, am 17. Dezember, wurde ein Mann aus Duisburg unter einer Straßenbahn eingeklemmt, die auf dem Weg in die DVG-Werkstatt am Grunewald war. Der Mann ist damals unvermittelt über die Gleise an der Düsseldorfer Straße gelaufen. Er wurde auf freier Strecke kurz vor dem Bahntunnel in Höhe der Heerstraße vom ersten Wagen erfasst und unter dem vorderen Radkranz eingeklemmt. Der Mann erlitt so schwere Verletzungen, dass er noch immer in Lebensgefahr schwebt.

Bei aller Anteilnahme für die Verletzten und nicht erst nach diesen drei sehr schweren Unfällen innerhalb von fünf Wochen macht sich die DVG Gedanken darüber, wie die Fahrer nach solchen Erlebnissen betreut werden können. Sie überstehen solche Unglücke meist ohne sichtbare Verletzungen, sind aber oft schwer traumatisiert. DVG-Pressesprecher Helmut Schoofs erklärte, dass die Fahrer in der Regel von Ärzten, Sanitätern oder Seelsorgern noch direkt am Unglücksort versorgt werden. Die DVG setzt zudem eigene Mitarbeiter ein, die geschult darin sind, deren psychosoziale Betreuung zu übernehmen. "Sie arbeiten in unserem Bereich 'Gesundheitswesen' und kennen sich mit Straßenbahn- und Busverkehr aus", so Schoofs. Damit würden Kollegen an die Seite gestellt, die die Arbeitsabläufe bestens kennen. Ein "Standardvorgehen" gibt es nicht. Die geschulten Mitarbeiter entscheiden von Fall zu Fall, was zu tun ist.

(ac)