Reportage am Montag: Folkige Feier vor den Festtagen

Reportage am Montag: Folkige Feier vor den Festtagen

Traditionell lädt das Trio pont neuf, orthographisch nicht ganz korrekt, zum "Folk am Fierten" ein - dieses Mal am dritten Advent.

Jazzige Klänge tönen durch den Schankraum der Traditionskneipe Maaß am Neutor. Auf der Bühne steht Stefan Lücking und lässt seine Finger über Saiten und Griffbrett seiner Gitarre gleiten. Aber Jazz? Eigentlich war doch Folk angesagt. Denn Lücking gehört zum Trio pont neuf, das schon seit 1999 jährlich zum "Folk am Fierten" einlädt. Eigentlich am vierten Advent, doch dieser fällt ja mit dem Heiligen Abend zusammen. Und so hat das Trio, zu dem auch Thomas Baumann und Volker Bellingröhr gehören, das Spektakel eine Woche vorgezogen.

"We came today to dance and play", singt das Trio auf der Bühne, begleitet von Gitarre und Tin Whistle und gibt damit das Motto für den Vormittag vor, wobei eher gesungen werden soll, als getanzt. Aber zumindest in Sachen Bewegung spannen pont neuf auch gerne das Publikum mit ein. "Nehmt mal die linke Hand nach vorne", sagt Volker Bellingröhr auf der Bühne. "Und wenn sich jetzt die rechte Hand dazugesellt und ihr beide Hände zusammenbringt, erklingt ein Ton", erklärt er weiter. Und schon klatscht das Publikum den Takt zum Stück "Star of the County Down" mit. "Wir haben auch einen Bildungsauftrag", erklärt Thomas Baumann. Dann klären er und Volker Bellingröhr die Besucher darüber auf, was es mit dem englischen, mittelalterlichen Brauch des "Wassailing" auf sich hat. "Man hat sich früher in die Plantage gestellt und den Apfelbäumen zugeprostet", erläutert Bellingröhr. "Mittlerweile ist das Fest in die Stadt gewandert." Und wird noch immer mit einer Bowle aus Cidre gefeiert. Damit die Zuschauer das passende Lied zum Fest auch mitsingen können, haben pont neuf den Refrain auf große Schilder gedruckt, die sie Zuschauer rechts und links der Bühne halten lassen. Und prompt singt auch das Publikum den englischen Text lautstark mit.

Ausgelassen klatscht das Publikum mit, wenn die Gruppe pont neuf weihnachtliche Melodien anstimmt. Gerne wird auch mitgesungen. Foto: martin Büttner

Zur Tradition des "Folk am Fierten" gehört es auch, dass immer einem Musiker gehuldigt wird, der während des laufenden Jahres verstorben ist. "Um Al Jarreau nachzuahmen, bräuchten wir alle deutlich mehr Bier. Das geht also nicht", kommentiert Volker Bellingröhr die Auswahl des Musikers. Dann spielt das Trio, mit einem der Zuschauer auf der Bühne, das Lied "Blueberry Hill" des im Oktober verstorbenen Musikers Fats Domino. Und wieder singen die Besucher im Schankraum der Traditionskneipe Maaß lautstark mit.

  • Dinslaken : Folksongs aus Belfast und Dinslaken

"Wir betreiben mit Folk am Fierten natürlich die Pflege von altem weihnachtlichen Liedgut", erklärt Thomas Baumann bei einem kurzen Gespräch in der Pause des Konzertes. Denn pont neuf haben neben englischen Folksongs natürlich auch weihnachtliche Lieder im Gepäck, wie das bekannte "Twelve Days of Christmas", bei dem das Trio das Publikum in verschiedene Gesangsgruppen aufteilt. Aber auch Weihnachtslieder aus den Niederlanden, Frankreich und Südamerika hat das Trio im Repertoire - natürlich stilecht in der jeweiligen Landessprache gesungen. "Eigentlich haben wir damit mal irgendwann aus Spaß an der Freude angefangen", sagt Volker Bellingröhr. Aus einem "Folk-Frühschoppen in Eppinghoven" wurde "Folk im Fierten". Die Veranstaltung fand lange bei Holtbrügge in der Dinslakener Altstadt statt. "Wir haben nur nach der Schließung von Holtbrügge ein Jahr Pause gemacht", erzählt Volker Bellingröhr. Danach wanderte die Veranstaltung durch Dinslaken, bis man bei Maaß einen neuen Veranstaltungsort fand. Das Programm bleibt dabei weitestgehend unverändert. "Es gibt Lieder und auch Gags, auf die unsere Zuschauer schon warten. Und die kommen bei uns ebenso sicher wie das Christkind am Heiligen Abend", sagt Volker Bellingröhr.

Dann geht es für das musikalische Trio zurück auf die Bühne, von wo aus pont neuf ihr Publikum mit Folk, Weihnachtsliedern und Humor in die Woche vor dem Weihnachtsfest schicken.

(RP)
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