Dinslaken: Förderturm fällt - das Ende einer Ära

Dinslaken: Förderturm fällt - das Ende einer Ära

50 Meter hoch und 300 Tonnen schwer: Das war das Schachtgerüst 1 der Zeche Lohberg, das die Kumpel unter und über Tage brachte. Nun begann der Abriss.

Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt. Und er hat sein helles Licht bei der Nacht, schon angezündt'

Schon angezündt'! Das gibt ein Schein, und damit so fahren wir bei der Nacht, ins Bergwerk ein

Nachdem zwei Schweißer die letzten Nähte gelöst hatten, war es 13.14 Uhr, als der Dachkopf des Schachtgerüsts Lohberg 1 abhob. Ein riesiger Kran führte den symbolischen Akt der ersten Rückbauarbeiten im Kreativ.Quartier Lohberg aus, den sich am Boden viele Schaulustige nicht entgehen lassen wollten. Ehemalige Kumpel, Omas und Opas mit ihren Enkelkindern, aber auch Männer in ihren feinen Anzügen zückten entweder das Smartphone oder ihre Kamera, um diesen Moment festzuhalten.

Auch das eine oder andere tränenfeuchte Auge war zu sehen. "Es ist ja auch ein trauriger Tag, wenn man fast sein ganzes Leben hier verbrachte. 40 Jahre lang war ich zweimal am Tag am Seil — wenn man runterfuhr und wieder hoch kam. Deshalb ist es schon etwas Besonderes", erklärt Ingenieur Rolf Ballhaus, der fast pausenlos mit seinem Fotoapparat knipst: "Ich habe schon eine umfangreiche Bilder sammlung des gesamten Areals."

Auch der ehemalige Betriebsratsvorsitzende Hans-Jürgen Schüring schaut mit Wehmut nach oben, als das Dach hinabgelassen wird und später die Seilscheiben und Streben ausgebaut werden. Er scherzt noch kurz mit den alten Kumpels hinter der Mauer des ehemaligen Zechengeländes, dass die Seilfahrt heute pünktlich sei und sie sich beeilen müssten, doch soll die Flachserei vermutlich die wahren Gefühle bei dem Anblick verbergen. "Der Schacht 1 hatte eine ganz besondere Bedeutung. So schön die Kameradschaft unter Tage war, so froh war man auch immer wieder, die Sonne oder helles Licht nach der Schicht zu sehen, wenn man mit dem Korb wieder hochgefahren war. Hoffentlich kann man die Seilscheiben zur Seite schaffen und sie werden nicht verschrottet. Lieber sollte man sie als Symbol und Denkmal aufbewahren, damit Lohberg weiterlebt."

Bernd Lohse, Projektleiter der RAG Montan Immobilien, konnte den ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden gleich beruhigen. In seinen Plänen bleiben die vier Seilscheiben erhalten und können entweder klassisch auf einem Sockel an einem öffentlichen Platz ausgestellt werden, oder werden an dem historischen Ort bleiben und in den Zukunftsplan des Kreativ.Quartiers integriert, wo sie dann ihre Geschichte erzählen können: "Den zweiten Plan finde ich besser."

Die Demontage des Schachtgerüsts, das knapp 50 Meter hoch und etwa 300 Tonnen schwer ist, übernimmt eine Bottroper Firma, die sich auf solche Rückbauarbeiten im Bergbau spezialisiert hat. In fünf Tagen schon soll der für die Kumpel so bedeutungsvolle Riese verschwunden sein.

(gaa)
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