Filmschauplatz NRW: "Loving Vincent" im Open-Air-Kino am Pankok-Museum

In Drevenack : Mehr als nur Film: Pankok und van Gogh

Otto Pankok zog 1958 mit seiner Familie in das Haus Esselt nach Drevenack – nach seinem Tod im Jahr 1966 wurde das Gebäude am Flusslauf der Issel Museum und Archiv.

Die Veranstaltungsreihe „FilmSchauPlätze NRW“ tourt auch in diesem Jahr wieder durch Nordrhein-Westfalen, um „besondere Filme an außergewöhnlichen Orten“ (so die Veranstaltungsbroschüre) als Freiluftkino vorzuführen. Und so gastierte die Reihe mit dem Film „Loving Vincent“ auf dem Gelände von Haus Esselt in Hünxe.

Sind normalerweise bei diesen Kinoabenden Rahmenprogramm und Film einigermaßen aufeinander abgestimmt, so passte das Rahmenprogramm perfekt zum Film. Für die Veranstaltung konnte es so auch gar keinen besseren Ort als den in Hünxe geben. Das Haus Esselt beherbergt bekanntlich das Otto-Pankok-Museum. Für Besucher ergab sich dadurch die Möglichkeit, beide Künstler in Verbindung zu setzen, sah Otto Pankok doch in Vincent van Gogh seinen geistigen Wahlverwandten.

Museumsleiterin Annette Burger hatte den Rezitator Carlo Steimel engagiert, der Texte von Pankok über Künstler im Allgemeinen und van Gogh im Speziellen vortrug. Das Besondere dieser Texte ist, dass es sich um bislang unveröffentlichte Passagen aus seinen Tagebüchern und Briefen handelt, die extra für dieses Event transkribiert wurden. „Wir bekommen immer wieder Anfragen von Leuten, die ehrenamtlich für das Museum tätig werden möchten“, sagt Annette Burger, „und so ergriffen wir die Möglichkeit, viele Menschen an der teilweise schwierigen Entzifferung von Pankoks Handschrift arbeiten zu lassen.“

Auch Gilda aus Wesel war mit dem LandschaftsMalerRucksack auf den Spuren der Künstler unterwegs. Foto: Erwin Pottgiesser

Neben der Lesung bekamen Besucher die Gelegenheit, selbst künstlerisch tätig zu werden und – ausgestattet mit Kohlestiften und Malblock – durch die wunderschöne Parkanlage rund um das Haus Esselt zu streifen, um auf den geistigen Spuren des Künstlers zu wandeln.

Gut eingestimmt durch Lesung und Kohlezeichnungen konnte dann der Höhepunkt des Abends genossen werden: der Film „Loving Vincent“ von Dorota Kobiela und Hugh Welchman, ein echter cineastischer Leckerbissen – sowohl in Ausführung als auch in puncto Geschichte. Die Story greift die Frage auf, ob der vorgebliche Selbstmord van Goghs wirklich so stimmt und nicht vielleicht doch von fremder Hand nachgeholfen wurde.

125 Künstler aus aller Welt haben für das Projekt mehr als 67.000 Ölgemälde geschaffen, alle im Stile van Goghs, die dann zu einem Film verarbeitet wurden. Es ist der erste komplett in Öl gemalte Zeichentrickfilm in Spielfilmlänge.

Hatte man nachmittags noch Glück mit dem Wetter, so regnete es leider während des Films, was die mit Regenschirmen und -jacken gut ausgerüsteten Zuschauer aber nicht vom Filmgenuss abhalten konnte. Gutes Kino macht auch im Regen Spaß.

(wi)
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