Voerde: Feuerwehr rettet junges Reh vor dem Ertrinken

Voerde : Feuerwehr rettet junges Reh vor dem Ertrinken

Rhein-Hochwasser hatte das Tier 30 meter vom Ufer entfernt eingeschlossen.

Echte Tierliebe bewiesen am Samstag die Männer der Feuerwehr Voerde. Der Löschzug Löhnen rückte aus, um ein kleines Reh aus den Hochwasserfluten des Rheins zu retten.

Hermann Rissel hatte das hilflose Jungtier im Wasser in Höhe des Waterwegs entdeckt. Er hält als Deichwächter für den Deichverband den Rheinabschnitt im Auge, wohnt direkt am Deich. Zweimal täglich, sagt er, geht er seinen Bereich ab und schaut auch nach Tieren, die vom Wasser eingeschlossen wurden. Rissel alarmierte Deichverband und Feuerwehr. 15 Wehrleute des Löschzugs Löhnen rückten sofort aus.

Das Reh hielt sich etwa 30 Meter vom Ufer entfernt in den vom Wasser bedeckten Rheinwiesen auf. Das Wasser stand für einen Menschen knietief - dem jungen Tier stand es bis zum Hals.

Das Reh war offenbar durch den steigenden Rheinpegel überrascht worden und nicht mehr in der Lage, allein zurück zum Ufer zu kommen, so die Feuerwehr. "Es hat sogar noch kurz versucht, zu schwimmen", so Dirk Preuten, der bei dem Einsatz dabei war. Damit die Feuerwehrleute nicht von den Fluten mitgerissen werden, sicherten sie sich mit Leinen. "Wenn sich die Kollegen nicht so gut in den Rheinwiesen auskennen würden und genau wüssten, wie weit man gehen kann, hätte ich den Einsatz nicht zugelassen", sagt Dirk Bosserhoff, Leiter der Feuerwehr Voerde. Vorsichtig tastete sich der Trupp, in Wathosen gesichert, in Richtung des noch sehr jungen Tieres.

Völlig verängstigt unternahm das Tier zunächst noch einen Fluchtversuch, war aber offenbar mittlerweile so entkräftet, dass es nach wenigen Metern im Wasser wiederum stehen blieb und sich ergeben von den Feuerwehrleuten retten ließ. In eine Decke eingewickelt trugen die Männer das zarte Tier zum Ufer.

Von dort schafften sie es gemeinsam mit einem Jäger zum Feuerwehrgerätehaus, wo es laut Preuten "betüddelt und gewärmt" wurde. Das Reh war vollkommen verängstigt und stark unterkühlt. Weil es allerdings im Gerätehaus auch nicht gerade muckelig warm ist, wärmten es die Retter und der Jäger weiter mit der Decke. Als das Reh wieder auf dem Damm war, brachte es der Jäger zum Wald am Anglersee und entließ es dort in die Freiheit, so Deichgräf Ingo Hülser. Immer wieder würden bei Hochwasser Tiere eingeschlossen, weil sich "dann kleine Inseln bilden".

Vor zwei Jahren mussten die Feuerwehrleute aus Voerde sogar mehrere Kühe von einer solchen Insel retten - die, verglichen mit einem Reh, eher "unhandlich" sind. Um die Rinder auf das bereitgestellte Boot zu bewegen, stellten die Retter einen Tierhänger darauf - bekanntes Terrain also für Kühe.

Auch Samstag suchten Deichverband, Feuerwehr und Polizei das Ufer noch einmal nach Tieren in Not ab.

Gefunden wurde keines, die Einheit Löhnen konnte nach einer Stunde wieder einrücken.

(aha)