Feinste Kammermusik des Barocks in der Stadtkirche

Beeindruckender Auftritt : Feinste Kammermusik des Barocks

Das Homberger Barock-Ensemble spielte auf Einladung des Fördervereins Kirchenmusik in der Evangelischen Kirchengemeinde Dinslaken Werke von Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann.

Bitte nur ein Programmheft zu zweit: Trotz des sommerlichen Wetters draußen und parallel stattfindender Angebote war das Publikumsinteresse an dem Barockkonzert in der Stadtkirche am Sonntag größer, als es der Förderverein für Kirchenmusik in der Evangelischen Kirchengemeinde Dinslaken erwartet hatte. Es lohnte sich auch, den Weg ins Gotteshaus zu finden. Schließlich wurde feinste Kammermusik von Thomaskantor Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann, dem Cantor Johannei und Director Musices der Stadt Hamburg geboten. Musik, die zur gleichen Zeit entstand wie die Stadtkirche selbst. Der perfekte Rahmen also für Werke, die auf Nachbauten historischer Instrumente dargeboten wurde.

Das Homberger Barock-Ensemble aus Ratingen spielt je nach Programm in wechselnder Besetzung. So erlebte man auch am Sonntag Dorothea Wessel (Sopran), Frank Meixner, (Altflöte), Manfred Sander (Viola), Marina Cyganek (Violoncello) und Ulrich Cyganek (Cembalo) mal als kammermusikalisches Ensemble mit Gesang, als Solisten mit Continuo-Begleitung von Cembalo und Cello oder sogar ganz alleine.

Ulrich Cyganek spielte das motorisch-treibende Präludium c-moll und die sich anschließende, ein Motiv des Präludiums geschickt aufgreifende Fuge aus Bachs „wohltemperierten Klavier“, und Manfred Sander zeigte, dass die Viola, mit Doppelgriffen zweistimmig gespielt, als Soloinstrument ein schönes Timbre entfaltet. Bei der Fantasie in B-Dur handelte es sich  um eine Bearbeitung, Telemann selbst hatte die Satzfolge für die Violine vorgesehen.

„Triste“ hatte das Konzert begonnen, Telemann lässt die Melodie im ersten Satz der Sonate f-moll klagend in Halbtonschritten absteigen. Aber schon im nächsten Satz schlägt die Stimmung um. Auch in den Arien setzte das Barock-Ensemble auf ein langsames Anheben der Stimmung. Liegt die Gesangsstimmme in Bachs „Ich, Dein betrübtes Kind“ noch ganz in der melancholischen Bratschenstimme eingebettet, greift sie in „Höchster, was ich habe“ das Thema der Altflöte auf und koloriert schließlich in Telemanns dreiteiliger Kantate „Hemmet den Eifer, verbannet die Rache“ mit dem eleganten und in der Barockzeit so hoch geschätzten Holzblasinstrument um die Wette. Die geschmeidige Wendigkeit der Altflöte, ihr warmer, einschmeichelnder Klang und die Geschwindigkeit, mit der man die Töne auf ihr tirilieren lassen kann, demonstrierte Frank Meixner auf beeindruckende Weise.

Telemann war in Hamburg Kirchenmusiker, wie Bach in Leipzig. Die Kantate „Hemmet den Eifer“ schrieb er für den vierten Sonntag nach Epiphanie, sie gehört zu einem Zyklus von 72 Kantaten für alle Sonn- und Feiertage im protestantischen Kirchenjahr. Textlich geht es darum, sich als Christi Jünger von der Liebe leiten zu lassen. Die Zehn Gebote gehen in dem einen Gebot der Nächstenliebe auf, wird im rezitativischen Mittelsatz ausgeführt, in der abschließenden Arie heißt es dann „Durch Liebe kann ein Mensch auf Erden bereits dem Himmel ähnlich werden“. Gesungen werden diese Zeilen mit herrlichen, der Barockoper entlehnten Koloraturen.

Das Publikum ließ sich von den Klängen begeistern, am Ende bedachte es das Ensemble mit langanhaltenden Applaus.

(bes)
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