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Fantastival Dinslaken feiert 2018 20-Jähriges mit internationalem LineUp

Kultur Live im Burgtheater : Fantastival Dinslaken feiert 20-Jähriges

1999 fand das Spartenmix-Festival der Freilicht AG erstmalig unter dem Namen statt, der das Burgtheater überregional bekannt machte. Ein Rückblick auf die ersten zwei Jahrzehnte und ein paar unvergessene Highlights.

Ein internationales Line-up, ausverkaufte Veranstaltungen. Der Sommer in Dinslaken ist Fantastivalzeit und alle, alle kommen. Wenn sich am Samstag, 28. Juli, Musical-Fans aus ganz Deutschland zur „Sommernacht des Musicals XX“ im Burgtheater einfinden, feiern sie auch im 20.Fantastival. Das Ziel, das Burgtheater am Rande der Altstadt von Dinslaken zu einem Publikumsmagneten zu machen, ist jedoch älter als das Fantastival. Die Freilicht AG, Deutschlands erste Kulturaktiengesellschaft, wurde 1996 als Freilichtspiele im Burgtheater Dinslaken AG mit dem Zweck gegründet, zusammen mit der Burghofbühne an die alten Zeiten des Burgtheaters als klassische Freilichtbühne anzuknüpfen.

Doch das Landestheater war damals längst nicht so in der Stadt verankert wie heute und besaß auch nicht die Zugkraft, genügend Auswärtige nach Dinslaken zu locken. Ein anderes Konzept musste her, um die Belebung des Burgtheaters, aber auch der des privaten, ehrenamtlichen Engagements, das eine Mini-Aktiengesellschaft hervorgebracht hat, zu retten.

Unvergleichlich gut: Herbert Knebel machte mit seinem Affentheater den Elvis. Foto: Büttner, Martin (m-b)

Das brachte Jörg Springer, den damaligen Vorstand der Freilicht AG, auf eine Idee: Warum nicht die Kontakte zu den Veranstaltern nutzen, die regelmäßig bekannte Namen in die Stadthalle Dinslaken brachten und in einem Spartenmix aus Musik und Kabarett, Eigen- und Fremdveranstalten ein wirklich attraktives Angebot für jede Zielgruppe schaffen? 1998 folgte der Burgsommer der Freilich AG erstmals diesem neuen Konzept. Es war fantastisch. Ein populäres Festival! Ein Fantastival!

Fantastival 1999. Es war die Hoch-Zeit des Kabaretts aus dem Ruhrgebiet, das sich als Kulturregion erst gerade erfand. Missfits, Herbert Knebels Affentheater, - Der Familie Popolski entdeckte erst später die Popmusik. Was es aber schon gab, war die „Sommernacht des Musicals“ und eine Klassik-Produktion, damals wie heute präsentiert von den Stadtwerken Dinslaken.

Ein Idol der Neuen Deutschen Welle: Nena ließ 2017 im Burgtheater 99 Luftballons fliegen. Foto: ERWIN POTTGIESSER

Es gab aber auch durchaus kritische Stimmen in Dinslaken. „Gemischtwarenladen“ wurde das Konzept genannt. Dabei hat sich genau dies als der Schlüssel zum Erfolg erwiesen: Wenn ein Festival ein Festival für jeden sein möchte, muss es auch etwas für jeden Geschmack bieten.

Es folgten Jahre der Aufbauarbeit. Harte Jahre. Denn um ein Festival mit überregionaler Ausstrahlkraft an einem nicht etablierten Ort aufzubauen, müssen gleich zwei Seiten überzeugt werden: das Publikum, aber auch die Künstleragenturen. Manche Künstler, wie Götz Alsmann, wuchsen mit dem Fantastival. Aber manchmal blieben auch bei eigentlich großen Namen die Zuschauerzahlen hinter den Erwartungen zurück. Dinslaken als ernst zu nehmender Garant für gute Unterhaltung musste noch in die Köpfe.

Aber auch die Struktur des Fantastival selbst entwickelte sich noch. Bürgerschaftliches Engagement hatte die Freilicht AG hervorgebracht. Um das Fantastival zu dem zu machen, was es heute ist, musste dieses sich aber dauerhaft im Konzept manifestieren. Von 2002 an wurde die Durchführung, abgesehen von der fest angestellten Geschäftsführerin und der Profifirma, die bis heute für Bühne und Technik zuständig ist, komplett von Ehrenamtlichen getragen. Und damit hatte das Fantastival Dinslaken - der Städtenamen wurde selbstbewusst in den Titel integriert - seine heutige Form erhalten. Von der Mitte der 2000er Jahre an wurde auch der Burginnenhof als zweite Spielstätte erschlossen.

Zuerst kamen die Zugpferde aus dem Ruhrgebiet, dann die beliebten Gesichter aus Münster und Köln. Jürgen Becker schenkte auf der Fantastival-Bühne Kölsch aus, Wilfried Schmickler schrie sich in der Garderobe warm. Die Musicalszene war durch die Kontakte von Bertram Ernst immer mit ihrer ersten Riege vertreten. In der Klassik-Sparte war es sogar so, dass das Format weg von den Galas populärer Oper- und Operettensänger hin zum Forum junger Preisträger geändert wurde: Aus der Sommernacht der Klassik wurde die Junge Sommernacht der Klassik.

Auch die Burghofbühne blieb eine Konstante im Fantastival. Zwar sollte es nach „Cabaret“ 2003 keine Abendspielplanproduktionen mehr im Burgtheater geben. Aber das große aktuelle Märchenmusical der Burghofbühne wird dank der Volksbank Dinslaken jedes Jahr vor einem bis zum letzten Platz gefüllten Burgtheater gespielt. Und es gab „Überraschungsauftritte“: Ingrid van Bergens Gastspiel mit dem festen Ensemble, das „Mozart-Special“ der „Jungen Sommernacht der Klassik“ mit der Neuen Philharmonie Westfalen zum 250. Geburtstag des Komponisten. Da traf sich „Mozart“ persönlich zum Personality-Abend auf der Couch mit Lars Helmer, Und Christoph Maria Herbsts Lesung war auch eine Liebeserklärung an die Burghofbühne als dessen erste Theaterstation.

Total lokal auch die Auftritte von Thekentratsch, heute „Die Becker und Frau Sierp“ und ihren Dinslakener Überraschungsgästen von der Feuerwehr bis zu Michael Wendler. Unvergesslich: Das Gewitter beim Auftritt von Yngve Gasoy Romdal. Der Running Gag, dass es die Turmuhr von Sankt Vincentius bei jedem Fantastival schafft, für Lacher im Publikum, aber auch bei den Stars auf der Bühne zu sorgen. Die Auftritte von Jazz Legenden wie dem United Jazz + Rock Ensemble, dem Count Basie Orchestra, Paquito di Rivera und Paul Kuhn.

Die Jazz-Konzerte konnten aus Kostengründen auf Dauer nicht gestemmt werden. Dafür steigerte sich das Fantastival im Rock-und-Pop-Bereich. Und wieder gilt die Regel: Der eine Star hält dem nächsten die Türe auf. Schon 2004 nahm das Management von BAP erstmalig Kontakt zur Freilicht AG auf, 2009 sollte es klappen. Xavier Naidoo, 2001 noch unumstritten in den Charts, kam mit Rolf Stahlhofen als Überraschungsgast von Edo Zanki, Annett Louisan spielte im Jahr ihres Echo-Gewinns 2005. Roger Cicero trat auf, Gentleman, Nena, aber auch Hannes Wader und zweimal der wunderbare Konstantin Wecker. Dann gelang das, wovon man immer geträumt hatte: 2012 brachte Milow internationales Flair in die Pop-Sparte des Fantastivals. 2016 sang Anastacia und nun folgen Amy Macdonald und Mando Diao. Die Mission „Belebung des Burgtheaters“ ist erfüllt. So wie es jetzt ist, kann es die nächsten 20 Jahre weiter gehen.

(bes)