Fahrschüler fallen durch die Führerscheinprüfung - das sagen Fahrlehrer

Immer mehr Fahrschüler fallen durch die Prüfungen : Was Führerschein-Neulinge beschäftigt

Die Zahl der jungen Leute, die auf den Führerschein verzichten, steigt. Zugleich schafft es mehr als ein Drittel aller Fahrschüler in Deutschland nicht beim ersten Mal durch die Prüfung. Was sagen Fahrlehrer in Dinslaken dazu?

Nach aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes nimmt die Zahl der jungen Leute, die den Führerschein besitzen, kontinuierlich ab. Zugleich steigt die Zahl derjenigen, die die Führerscheinprüfung in der Theorie und Praxis nicht im ersten Anlauf schaffen, bundesweit immer weiter an. Wie sieht es bei den Fahrschulen vor Ort aus? Gibt es hier die gleichen Probleme, die man bundesweit bei Fahranfängern feststellt?

„Bei uns bestehen 90 Prozent der Schüler die Prüfung“, sagt Dieter Mende, Inhaber der Fahrschule Mende in Dinslaken. Seit mehr als 35 Jahren bringt er in Dinslaken junge Menschen zum Führerschein. „Wenn einer der Schüler durchfällt, dann liegt es eher an Nervosität als am Nichtkönnen“, sagt der Fahrlehrer. Natürlich gäbe es schon mal Schüler, die etwas länger brauchen, gerade solche deren Muttersprache nicht Deutsch ist, aber ansonsten laufe es in seiner Fahrschule ganz gut. „Ich arbeite mit meinen Fahrschülern und bilde sie so aus, dass ich weiß dass sie ganz sicher mit dem Auto unterwegs sind“, sagt er. „Wenn die Fahrschüler in die Prüfung gehen, dann haben sie auch die Chance, zu bestehen.“

Ganz anders nimmt Michael Rothenhöfer, Inhaber der Fahrschule Janssen, die Situation wahr. Er sieht es schon so, dass die jungen Menschen, die heute ihren Führerschein machen, einige Probleme mitbringen. Seine Berufskollegen und sich selbst sieht er nicht als Teil des Problems. „Die Fahrlehrer sind ja noch immer die gleichen wie noch vor zehn Jahren“, sagt er.

Für ihn ist an der veränderten Situation die Technik schuld. Allerdings nicht die im Fahrzeug verbaute, sondern jene, die junge Menschen eigentlich immer dabei haben: das Smartphone. „Früher hat man als Kind, wenn man neben den Eltern im Auto saß, darauf geachtet, was sie machen und wie sie das Auto lenken“, sagt Rothenhöfer. „Heute wissen die jungen Menschen manchmal nicht mehr, wie sie irgendwo hingekommen sind, weil sie die ganze Fahrt über aufs Handy schauen.“

Er beobachtet außerdem, dass auch der Stellenwert der eigenen Fahrerlaubnis heute ein ganz anderer sei als noch zu seiner Zeit. Nämlich ein viel geringerer. „Früher war es das Größte, einen Führerschein zu haben. Ich war ganz heiß aufs Autofahren“, sagt er. Heute sehe es da manchmal anders aus. Tatsächlich haben viele junge Menschen, gerade in den Großstätten, wo alles nah erreichbar vor der eigenen Haustür liegt und auch das Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs besser ausgebaut ist, keine große Motivation, noch den Führerschein zu machen. Sie kommen auch ohne gut zurecht.

Zudem, so glaubt Michael Rothenhöfer, gebe es auch öfter Probleme mit Menschen, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen. „Die sind manchmal ganz anders in Sachen Straßenverkehr sozialisiert als wir hier“, sagt der Fahrlehrer. Er nennt das Beispiel eines syrischen Fahrschülers, der in der Führerscheinprüfung über eine rote Ampel an einer Fußgängerquerung fuhr – mit der Begründung, dass gerade kein Fußgänger kam. Er habe es auch oft erlebt, dass Stoppschilder mit dieser Ausrede ignoriert wurden. Allerdings stellt er fest: „Da gibt es aber auch genug Deutsche, die das machen.“

Generell, so Rothenhöfer, gehe der Trend eher zur Zweitprüfung. Ein probates Mittel, damit die Fahrschüler auch gut durch die erste Prüfung kommen, sind für ihn nur mehr Fahrstunden und auch ein intensiveres Üben und Vorbereiten auf die theoretischen und praktischen Prüfungen.

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