1. NRW
  2. Städte
  3. Dinslaken

Analyse: Experten warnen vor Krebsrisiko

Analyse : Experten warnen vor Krebsrisiko

Hintergrund Warum die Innensanierung von Wasserrohren mittels Epoxidharz keineswegs unumstritten ist

Dinslakener Hausbesitzer haben einfach genug. Wer zum wiederholten Mal einen Wasserrohrbuch erlebt hat, der will Antworten auf die Frage, warum so etwas in Dinslaken anscheinend viel öfter passiert als anderswo. Die Antworten gibt es aber nicht. Die Stadtwerke präsentieren zwar eindeutige Gutachten, wonach das von ihnen gelieferte Wasser nicht für die kaputten Rohre verantwortlich ist und sie können auch auf Statistiken verweisen, wonach die Zahl der Wasserrohrbrüche in Dinslaken nicht signifikant höher liegt als in anderen Regionen Westdeutschlands, doch die Frage nach den Ursachen für die Dinslakener Rohrbrüche bleibt im Dunkeln.

Immer mehr betroffene Hausbesitzer setzen deswegen, wie berichtet, jetzt auf eine Methode die schnelle und vor allem vergleichsweise kostengünstige Abhilfe schafft: die Innenrohrsanierung mit Hilfe von Epoxidharz. Hierbei werden die Rohre von innen beschichtet, so dass auf das aufwendige Austauschen der Wasserrohre, bei dem Wände und Böden aufgebrochen werden müssen und das oft teure Fließen- und Putzarbeiten nach sich zieht, verzichtet werden kann. Diese Methode ist allerdings sehr umstritten. Denn das Kunstharz enthält einen Weichmacher. Die Substanz Bisphenol A steht im Verdacht Krebs auszulösen und sollte deswegen nicht in Kontakt mit Trinkwasser kommen.

In einer Kölner Wohnanlage, deren Wasserrohre mit Epoxidharz saniert worden waren, floss anschließend belastetes Wasser aus den Hähnen. Ein Bewohner minderte daraufhin die Miete und bekam vom Amtsgericht Köln Recht. Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) in Berlin hat schon 2011 sein Regelwerk zur Epoxidharzinnensanierung zurückgezogen und sich dabei unter anderem auf das Umweltbundesamt berufen. "Epoxidharz entspricht nicht unseren hohen Standards", erklärte dazu gestern DVGW-Sprecher Daniel Wosnitzka.

Auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wasserforschung (IWW) in Mülheim kommt in Sachen Epoxidharz zu einem eindeutigen Ergebnis. Voraussetzung für die Anwendung eines solchen Sanierungsverfahrens sei, dass das Harz der Beschichtungsleitlinie des Umweltbundesamtes entspreche. Es gebe aber zurzeit kein Harz, das hinsichtlich der hygienischen Voraussetzungen die Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfülle. Das IWW rät eindeutig von der Anwendung des Verfahrens ab.

(RP)