1. NRW
  2. Städte
  3. Dinslaken

Voerde/Hünxe: Entsetzt über das Abschneiden der AfD

Voerde/Hünxe : Entsetzt über das Abschneiden der AfD

Nur was die AfD betrifft, sind die Parteien in Hünxe und Voerde sich einig. Die SPD begrüßt den Gang in die Opposition.

Vielleicht, sagt Horst Meyer, hätte die SPD einer Koalition mit der Kanzlerin früher eine Absage erteilen müssen. "Martin Schulz hat viel Engagement gezeigt", sagt der Fraktionschef im Hünxer Rat, "aber er hätte die große Koalition entschiedener ablehnen müssen." Meyer begrüßt daher den Gang seiner Bundesgenossen in die Opposition. "Da sind wir besser aufgehoben", sagt er. Allerdings gibt es da noch etwas, das Horst Meyer entsetzt: das gute Abschneiden der AfD. Und das verbindet ihn mit allen Politikern der klassischen Parteien in Hünxe und auch in Voerde.

Ingo Hülser, der Fraktionschef der Christdemokraten im Voerder Rat, zeigt sich nicht sonderlich überrascht von dem AfD-Ergebnis. "Man hat gedacht, das geht schon alles. Augen zu und durch. Aber die Unzufriedenheit ist deutlich größer, als man wahrhaben will", sagt Hülser. Dramatisch sei auch das Ergebnis der CDU. "Wir haben die meisten Stimmen verloren und müssen jetzt ernsthaft und ehrlich diskutieren, warum das so gekommen ist", fordert er. Und obschon nach der Absage der SPD an die Fortsetzung der großen Koalition die einzig mögliche Regierung aus Union, Grünen und FDP gebildet werden könnte, sagt Hülser: "Eine Koalition mit den Grünen sehe ich sehr, sehr kritisch." Hülser befürchtet, dass die Werte der CDU bei einer Zusammenarbeit mit den Grünen bei den nächsten Wahlen noch weiter fallen könnten.

Da widerspricht ihm Ulrich Slusarek, Sprecher der Grünen in Hünxe. "Das ist nicht unsere Wunschkonstellation, aber wir werden das angehen", sagt er. Da es die einzige Konstellation ist, die noch möglich ist, geht Slusarek pragmatisch an die Frage der Konstellation heran. "Wir werden als Jamaika bestmöglich regieren", sagt er. Eine mögliche Beteiligung an der nächsten Bundesregierung sei jedoch lediglich ein schwacher Trost - für das Ergebnis der AfD. "Unsere Gesellschaft hat sich offenbar verändert", sagt Slusarek, erklärt er sich das. Dass die Grünen hingegen stärker in den neuen Bundestag einziehen als von den Umfragen vorhergesagt, erfreut ihn.

Michael Wefelnberg wünscht sich für die kommende Regierung ein Bündnis aus CDU, Grünen und FDP. Der Fraktionsvorsitzende der CDU in Hünxe sagt: "Wir brauchen eine vernünftige Opposition. Es wäre gut, wenn die SPD das macht und nicht die AfD." Diese bekäme im Falle einer Regierungsbeteiligung der SPD als Oppositionsführer viele Rechte zugesprochen. Das CDU-Ergebnis sei für ihn enttäuschend, eine Katastrophe aber sei das Ergebnis der AfD. Was die Siegerin des Wahlkreises betrifft ist Wefelnberg erfreut: "Sabine Weiss hat einen guten Wahlkampf gemacht."

Der Parteichef der Voerder Sozialdemokraten, Bastian Lemm, macht keinen Hehl aus seiner Stimmung: "Ich bin bedient." In der Stadt hat die SPD im Vergleich zu 2013 knapp 10 Prozent der Erststimmen verloren. "Wir werden eine intensive Analyse machen", kündigt Lemm an. Den Genossen in Berlin gratuliert er zur Absage an die große Koalition. "Der Schritt ist überfällig und hätte bereits 2013 erfolgen müssen", sagt er. Dass Jürgen Preuß sich nicht gegen Sabine Weiss durchsetzen konnte, schreibt er auch dem Umstand zu, dass dieser neu angetreten ist. "Hans-Ulrich Krüger hatte immer einen Bonus", sagt Lemm. Horst Meyer sieht diesen Amtsbonus im Jahr 2017 bei Sabine Weiss.

(her)