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Einzelhändler aus Dinslaken und Hünxe spenden überschüssige Lebensmittel an die Tafel

Zu schade zum Wegwerfen : Lebensmittel: Tafel statt Tonne

Ob Fleisch, Brot oder Gemüse – Einzelhändler in Dinslaken und Hünxe liefern überschüssige Lebensmittel an die Tafel. So kommen sie Bedürftigen zugute, statt in den Abfall zu wandern.

Viel zu schade zum Wegwerfen sind viele Lebensmittel, die täglich entsorgt werden – auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum nur knapp überschritten ist. Um Lebensmittelabfälle von Einzelhandel und Verbrauchern wie von UNO und EU vorgegebenen bis 2030 zu halbieren, arbeitet die Bundesregierung an einem freiwilligen Maßnahmenpaket. Dabei spenden viele Supermärkte bereits Produkte, die sonst in den Müll wandern müssten. Auch in Dinslaken und Hünxe gehen täglich mehrere Transporterladungen voll Lebensmittel an die örtliche Tafel.

„Es ist verrückt wie viel in Deutschland weggeworfen wird“, sagt Frank Peter-Kruk, Geschäftsführer des Rewe-Markts am Marktplatz in Hünxe. Seit Jahren spende seine Filiale deshalb Lebensmittel an die Tafel Dinslaken. Der Markt sortiere etwa Waren aus, die am selben Tag noch ihr Mindesthaltbarkeitsdatum erreichen oder bloße Schönheitsmakel aufweisen.

Doch was ist noch haltbar und kann guten Gewissens gespendet werden, was muss weg? Da liegt die Prüfung mitunter im Detail – vor allem bei frisch zubereiteten Produkten. So auch bei der Bäckerei Schollin aus Dinslaken, die ihre Backwaren an die Tafel spendet. Brot, Brötchen, Feingebäck oder Kuchen: Bei allen Backwaren aus Überproduktion oder vom Vortag prüfen Logistiker jedes einzelne Stück, sagt Marketingreferentin Sara Schnurbusch. Was die Prüfung übersteht, kann auf dem Teller der Tafel-Kunden landen.

„Die Lebensmittelspenden sind Waren, die noch verwertet werden können. Sie müssen nicht im Müll landen. Und es ist wichtig, jenen zu helfen, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können“, sagt Marion Muhic, Vorsitzende der Tafel Dinslaken. „Die Spendenaktion reduziert auch unseren Abfall. Wenn man damit etwas Gutes tun kann, umso besser“, sagt auch Sascha Heimann, stellvertretender Marktleiter von Edeka Büscher in Dinslaken. Jeden Tag kämen vier bis sechs Kisten zusammen, die der Supermarkt an die Tafel Dinslaken abgebe.

Grundsätzlich übernehme die Tafel Lebensmittel aller Art, auch verpacktes Fleisch, sagt Marion Muhic. Mitarbeiter sortieren dann die abgeholte Ware und richten sie für die über 3000 Kunden der Tafel her, die zum Großteil aus Dinslaken, aber auch aus den umliegenden Gemeinden wie Voerde und Hünxe und auch Wesel kommen.

Dabei gilt die Faustregel: „Was wir essen würden, können wir auch unseren Kunden zumuten.“ Unter den angebotenen Lebensmitteln bleibt ihnen die freie Wahl. „Was man nicht mag, muss man nicht mitnehmen“, erklärt Muhic das Konzept. Was dann noch aussortiert werde, kommt endgültig in den Müll. Oder fast. „Wir haben noch andere Abnehmer, etwa aus dem Tierheim.“

Trotz vieler Lebensmittespenden bleiben in den deutschen Supermärkten weiter Abfälle über. Wichtig sei es deshalb, nur nach Tagesbedarf zu bestellen, sagt Rewe-Geschäftsführer Frank-Peter Kruk. „Wir nutzen die Tafel nicht als Müllhalde“, macht er klar. „Wir stellen die Lebensmittel nur zur Verfügung. Die Tafel entscheidet selbst, was sie abnimmt.“

Um Lebensmittelabfälle zu reduzieren, seien auch die Verbraucher gefragt. „Heutzutage tickt der Kunde leider anderes, die Qualitätsansprüche sind gestiegen“, sagt der Geschäftsführer. Da helfe es, die eigenen Ansprüche zu hinterfragen. „Das mache ich auch. Eine Delle in der Obstschale kann man abschneiden.

Man muss manchmal nicht so kleinlich sein.“ Sensibel seien jedoch Fleischwaren oder Fisch. „Da sollte man kein Risiko eingehen.“ Und das Produkt im Zweifel lieber doch entsorgen.

(mh)