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Dinslaken: Eine musikalische Reise durch Europa

Dinslaken : Eine musikalische Reise durch Europa

Das Duo Cassard servierte im Restaurant Canapé weihnachtliche Lieder gespielt auf ungewöhnlichen Instrumenten.

Wie eine Waffe schwenkt Christoph Pelgen (46) seine Bombarde durch die Luft. "Die ist ziemlich laut. Ich hätte Verständnis dafür, wenn sie sich jetzt etwas schützen oder in Deckung gehen", erklärt er dem Publikum. Er richtet das Instrument abwechselnd auf die Zuschauer in den beiden Raumhälften des Restaurants Canapé.

Diese beschallt er dann kurz wechselweise mit dem lautstarken, aber melodiösen Klang des Musikinstruments, bevor er mittig in die Luft spielt. Die Bombarde ist nur ein Exemplar aus dem Sammelsurium von Instrumenten, die das Duo Cassard aufgebaut hat, um europäische Weihnachtslieder und einige Stücke aus eigener Feder vorzutragen.

Christoph Pelgen hat ein ganzes Sortiment aus Blasinstrumenten, von Hirtenflöten bis zu diversen Dudelsäcken parat — und dazu noch eine Akustikgitarre. Mitmusiker Johannes Mayr (46) greift lieber zur Schlüsselfidel, einer Art Geige, bei der man die Saiten, anstatt sie mit den Fingern zu greifen, mittels Druck auf Tasten verkürzt. "Das Instrument war früher in ganz Europa präsent, hat allerdings nur im schwedischen Uppsala überlebt", erklärt der Musiker. Natürlich ist es damit prädestiniert, skandinavische Weihnachtsmelodien zu spielen.

Denn wenn es um Musik geht, sind Cassard — benannt nach einem französischen Freibeuter — in ganz Europa zu Hause. Da erklingen irische Fiddle-Melodien, bei denen man am liebsten direkt mittanzen würde, ebenso wie langsame, melancholische Töne aus nordischen Gefilden. Dazwischen gibt es musikalische Ausflüge in die französische Bretagne oder nach Spanien. "In Spanien gibt es besonders viele Lieder, die den Weg von Jesus und dem Rest der Heiligen Familie von Bethlehem nach Ägypten schildern. In allen davon kommen sie durch Spanien", erzählt Christoph Pelgen als Einleitung zu einem Weihnachtslied aus Südeuropa.

Das Singen übernimmt zumeist Pelgen, und das auf Französisch, Englisch, Schwedisch, Spanisch, Griechisch oder Plattdeutsch. "Wir sind bei Melodien wie unser Namenspatron: Wir sacken alles ein. Aber wir teilen", erklärt der Musiker das breitgefächerte Repertoire des Duos. Doch die beiden Multi-Instrumentalisten haben auch Eigenkompositionen im Gepäck.

Das geht von "Cardenal Mendoza", einer feierlichen Hymne zur Öffnung des gleichnamigen spanischen Brandys, bis hin zum tanzbaren Lied "Der Rote Ochse", das Johannes Mayr spontan bei einem Soundcheck einfiel. Mit viel Spielfreude und Humor begeistert das Duo das Publikum in Canapé und verpflichtet, zwischen den drei Gängen des Menüs zum Konzert, gar eine der Besucherinnen als Triangel-Spielerin. Am Ende gibt es langanhaltenden Applaus und die Forderungen nach Zugaben, die die Musiker natürlich gerne erfüllen.

(RP)