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Dinslaken/Voerde: Eine Begegnung mit "Onkel Friedrich" an Fäden

Dinslaken/Voerde : Eine Begegnung mit "Onkel Friedrich" an Fäden

Wenn der "alte Fritz", nein, nicht der König, sondern der Ministerialdirektor Friedrich Althoff durch den Festsaal von Haus Wohnung marschiert, da greifen selbst die renommiertesten Koryphäen der Althoffschen Geschichte zu ihren Handy- und anderen Kameras und können sich ihr Schmunzeln nicht verkneifen.

"Er ist es wirklich - ist ihm wie aus dem Gesicht geschnitten", staunt dann auch Historiker Dr. Bernd Haunfelder, ein Nachfahre von Althoffs Halbbruder. Sein nun irgendwie Vetter Dr. Hans Althoff, wie der Name schon sagt, ebenfalls ein Nachkömmling eines Althoffschen Halbbruders, war bereits durch Bilder vorgewarnt, dass der Ahn seit Monaten als Marionette - gebaut von Annette Schreiner, geführt von Jutta Ulrich - in Dinslaken unterwegs ist und Geschichte lebendig werden lässt.

Dennoch musste auch er gerührt schlucken, als Friedrich Althoff so plötzlich vor ihm auftauchte. Zwei Tage lang drehte sich auf Haus Wohnung alles nur um ihn, den heimlichen Kultusminister Preußens im ausgehenden 19. Jahrhundert. Ob es ihm gefallen hätte - wer weiß es schon? Großes Aufheben um seine Person machte er, glaubt man den Professoren, die sich seit Jahrzehnten mit ihm beschäftigen, nicht. Ihm lag das Wohl der Wissenschaft am Herzen und dass er mit seiner Art nicht immer auf Gegenliebe stieß, ist nur natürlich.

In allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens gebe es Menschen, die ausbrechen aus dem "Normalen", die "gegen den Mainstream schwimmen", so Prof. Hubert Laitko in seinem Bericht zum System Althoff. "Das geht in der Wissenschaft, in der Kunst natürlich leichter als in der Staatsverwaltung." Gerade deshalb sei Althoff eine Ausnahme, wie ein frischer Wind, der nach Berlin kam, denn Althoff war mitnichten Wissenschaftler, er war Jurist und Staatsdiener. Althoff hat auf fast allen Gebieten der Wissenschaft seine Spuren hinterlassen, doch seine nachhaltigsten Spuren zeigen sich wohl am Neubau der Berliner Charité, ist sich Prof.

Dr. Peter Schneck sicher.

(big)