Neu In Der Stadtbibliothek: Ein literarischer Brückenschlag

Neu In Der Stadtbibliothek: Ein literarischer Brückenschlag

Rafik Schami, der 1946 in Syrien geboren wurde und seit 1971 in Deutschland lebt, gehört heute zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwartsliteratur. In seinen Romanen und Essays hat er sich immer wieder mit der tiefen kulturellen Kluft zwischen der Welt des Westens und der arabischen Welt auseinandergesetzt und dabei auch seiner Heimatstadt Damaskus ein literarisches Denkmal gesetzt - am eindrucksvollsten vielleicht in dem Roman "Die dunkle Seite der Liebe", erschienen 2004.

Schamis neues Buch "Ich wollte nur Geschichten erzählen. Mosaik der Fremde" entwickelt sein Lebensthema weiter, setzt dabei aber die Akzente sehr viel persönlicher. Der Autor lässt in vielen Geschichten und Episoden seinen Weg in die Emigration und sein Leben im Exil Revue passieren: Von seiner Ankunft am Frankfurter Flughafen im März 1971 über die harten Anfangsjahre als Chemie-Student in Heidelberg und seine beruflichen Erfahrungen in einem Pharmaunternehmen bis hin zu seiner Ankunft in der deutschen Sprache, die ihm zur zweiten Heimat wurde, und seinem Entschluss, freier Schriftsteller zu werden. Die Lebenserinnerungen Schamis erschließen dem deutschen Leser Grunderfahrungen von Migranten in und mit Deutschland und machen ihm viele kulturelle Eigenheiten von uns Deutschen (aus Sicht der Fremden) überhaupt erst bewusst. Sie bieten aber auch faszinierende und hochaktuelle Einsichten in die ganz andersartigen Mentalitätsmuster in Syrien und in der arabischen Welt. Rafik Schami zeichnet hier ein düsteres Bild der Zukunftschancen der arabischen Welt, wo Jahrhunderte diktatorischer Unterdrückung die Menschen zutiefst geprägt haben und wo die unbedingte Loyalität zu Sippe und Clan Vorrang hat vor allen anderen gesellschaftlichen Bindungen und Zugehörigkeiten.

Die farbig erzählte und anregend zu lesende autobiografische Skizze ist für die vielen Fans des Autors ein Muss. Aber auch als Erfahrungsbericht eines prominenten Emigranten und geistigen Mittlers zwischen Orient und Okzident ist dies ein gedankenreiches und höchst lesenswertes Buch.

RONALD SCHNEIDER

Rafik Schami: Ich wollte nur Geschichten erzählen. Mosaik der Fremde; Verlag Hans Schiler, Berlin: 2017.

(RP)