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Analyse: Ein Freund der gut gelebten Streitkultur

Analyse : Ein Freund der gut gelebten Streitkultur

RP-Serie Jung und neu im Rat: Simon Panke, SPD Dinslaken

Im eher müde dahin plätschernden Kommunalwahlkampf hat der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Dinslaken-Mitte im Mai für einen der wenigen Aufregermomente gesorgt. Bei einer Podiumsdiskussion im Theodor-Heuss-Gymnasium ging's um die Belebung der Altstadt. Dass das womöglich Leute auf den Plan rufen werde, die sich vom mit einem Mehr an Außengastronomie verbundenen Lärm belästigt fühlen könnten, konterte Simon Panke damals mit einem Satz, der ihm nachher - beispielsweise von der Senioren-Union - ordentlich Schelte eintrug: "Wem es in der Stadt zu laut ist, der soll zum Friedhof nach Oberlohberg ziehen."

Jetzt ist der 28-Jährige, der Politikwissenschaft in Duisburg studiert, im Dinslakener Rat und würde diesen Satz, wie er einräumt, so nicht mehr sagen. "Der ist ganz anders rüber gekommen, als er gemeint war", erklärt er. "In der Sache allerdings habe ich nichts zurückzunehmen. Wer in der Stadt lebt, muss nun einmal damit rechnen, dass es da lauter zugeht als auf dem Land." Dass er gelegentlich aneckt - auch in der eigenen Partei - gehört eben bei Simon Panke dazu. Es hat mit dem zu tun, was ihn dazu gebracht, sich politisch zu engagieren. "Ich wollte schon immer meine Meinung zu den Dingen sagen. Das tut er. "Eigentlich bin ich dabei ruhig und angenehm", urteilt er über sich selbst und wer sich nur ein bisschen länger mit ihm unterhält, wird diese Selbstbeschreibung nicht in Zweifel ziehen. Aber es gibt eben auch jenen anderen Simon Panke. Der kann, wenn ihm die Sache wichtig ist, auch schon mal Klartext reden und zuspitzen.

Geboren ist Simon Panke in Moers, am Otto-Hahn-Gymnasium in Dinslaken hat er sein Abitur gemacht. Für Politik hat er sich früh interessiert. "Bei uns zu Hause haben wir immer immens viel diskutiert", berichtet er. 2003 hat er dann ein Schulpraktikum beim damaligen Dinslakener SPD-Landtagsabgeordneten Horst Vöge gemacht. "Der hat sich sehr dafür interessiert, was ich denke. Das hat mich beeindruckt", erzählt Panke. 2003 ist er auch in die SPD eingetreten.

In die aktive Politik ist er dann "mehr so reingeschliddert". Im Kommunalwahlkampf 20004 hat er sich engagiert. Das hat Spaß gemacht." Anfang 2005 haben ihm die Jusos dann den Vorsitz angetragen. Das Amt hatte er bis 2007 inne. Dann hat er es - auch weil er sein Studium aufgenommen hatte - politisch etwas ruhiger angehen lassen, war zwar Mitglied im Ortsvereinsvorstand, aber nicht überbordend aktiv.

Das änderte sich wieder im Superwahljahr 2009/2010 mit vier Wahlkämpfen, das den Sozialdemokraten ein Wechselbad der Gefühle bescherte. Dem Erfolg bei der Bürgermeisterwahl in Dinslaken, folgte bei der Bundestagswahl, wie es Panke empfand "die große Klatsche" für die Partei, die ihn tief getroffen hat.

Weitergemacht hat er trotzdem - unverdrossen. Ende 2009 hatte er den Vorsitz der Jusos im Kreis Wesel übernommen, um auch hier, wie schon beim SPD-Nachwuchs in Dinslaken einen Neustart zu organisieren. Auch in der Dinslakener Partei war er aktiv, die ihn schließlich zum Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins-Mitte wählte.

Was für Simon Panke gute Kommunalpolitik ist? "Der Spagat, den man immer hinbekommen muss, ist, glaube ich, der, dass man auf der einen Seite versucht herauszufinden, was die Wünsche der Bürger sind und sich daran zu orientieren, dann aber auch klare Positionen zu beziehen und Entscheidungen zu treffen, ohne danach zu schielen, ob die dem einen oder anderen nicht gefallen könnten. Letztlich muss immer das Allgemeinwohl im Vordergrund stehen", sagt Panke.

An der Dinslakener Kommunalpolitik findet er grundsätzlich gut, dass sie auf Konsens ausgelegt ist. Was aber nicht heißen soll, dass der Rat nur weichgespülte Auftritte von Simon Panke erleben wird. "Manchmal kommt mir die gut gelebte Streitkultur zu kurz. Im Streit werden schließlich die Unterschiede deutlich. Auch das ist wichtig."

(RP)