Ein Film voller Liebe zu Lohberg feiert Freitag Premiere

Viele Bürger haben mitgemacht : Ein Film voller Liebe zu Lohberg

Hunderte Menschen aus Lohberg haben gemeinsam mit einer Handvoll Profis einen Film aus, in und über ihren Stadtteil gedreht. In Episoden wagen sie sich an Sozialkritik, Zukunftsszenarien, Vergangenheit. Freitag ist Premiere.

Lohberg hat einen Film gedreht. Das heißt: Hunderte Lohberger haben mitgemacht, gemeinsam mit einer Handvoll professioneller Filmschaffender. Einwohner des Ortsteils haben Themen aufgeworfen, Ideen geliefert, vor der Kamera geschauspielert, mitgeredet und hinter den Kulissen unterstützt. Ein Jahr wurde an dem Film gearbeitet, jetzt ist er fertig: „Das Wunder von Lohberg“ heißt er und soll – so die Idee – nur der erste Beitrag einer ganzen Serie sein. Am Freitag, 1. Februar, ist die Premiere.

„Lohberg ist nach außen eigentlich nur durch Negativ-Presse bekannt“, sagt die Regisseurin Ayse Kalmaz, eine der wenigen Profis, die das Projekt begleitet haben. Der ganze Stadtteil und besonders die junge Generation leide darunter, „einmal diesen Stempel aufgedrückt bekommen zu haben“. Die Menschen wollten ihre eigene „mediale Stimme“ haben. Mit dem „Wunder von Lohberg“ haben sie also das Wort ergriffen.

Der Film ist eine Zusammenstellung von Sequenzen mit unterschiedlichen Handlungssträngen. Gemeinsamkeit: Es geht um Lohberg. Ein Motiv versetzt die Zuschauer in die Vergangenheit, zur Ankunft polnischer Arbeiter am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Episoden dazu sind in Schwarzweiß und als Stummfilme verwirklicht. Ein Kontrast dazu ist ein Zukunftsszenario: „Lohberg im Jahr 2061, wenn die Polkappen schon geschmolzen sind und die Flut kommt“, erläutert die Regisseurin.

Andere Sequenzen haben dokumentarischen Charakter und sind im Hier und Jetzt verankert. Zum Beispiel die um den „weißen Stuhl“: Normale Leute aus Lohberg, die etwas zu sagen haben, setzen sich auf eben dieses weißen Stuhl – er kann überall stehen, ist Projektionsfläche für alles und nichts – und reden über das, was ihnen wichtig ist. Die Themen sind zum Beispiel Alltagsrassismus, Vorurteile oder auch Liebe. „So bunt, wie dieser Stadtteil ist, sind die Statements dieser Leute“, urteilt Ayse Kalmaz.

Auch Aufnahmen unter dem Gedanken „Lohberg ganz nah“ lassen einfach normale Lohberger erzählen. Dabei fassen Menschen in Worte, was ihnen wirklich durch den Kopf geht, wenn sie ganz allein sind und den Blick aus dem Fenster schweifen lassen. Das könnte lehrreich sein, meint Kalmaz: „Wenn wir wirklich wüssten, was in den anderen vorgeht, würden wir vielleicht auch sehen, dass wir gar nicht so verschieden sind.“ Ergänzt und eingeordnet wird die Zusammenstellung der Filme durch Blicke hinter die Kulissen: Es gibt Interviews mit Mitwirkenden. Lohberg sei „ein sehr facettenreicher Ort“, erläutert die Regisseurin die Idee hinter der Kombination: „Es gibt sehr viele Themen, die behandelt werden wollen. Genau dieser Vielfalt wollen wir gerecht werden.“

Fasziniert habe sie, wie Lohberg für Menschen aus unterschiedlichen Ecken der Welt zu einer Heimat geworden ist, wie viel Kreativität und Inspiration die Menschen mitbrachten und wie eng der Zusammenhalt war, den sie unter den Lohbergern erlebt hat. „Solch eine Form positiver Identifikation mit einem Ort – das begreife ich als ein Wunder in dieser Zeit“, stellt sie fest.

Die Ursprünge des Projekts liegen in einem Filmfestival in Lohberg im Jahr 2016. Daraus entstanden Film-Workshops und Kontakte zu zwei Vereinen, die im Stadtteil breit vernetzt sind: Die späteren Produzenten und Unterstützer, „Parkwerk“ und „King’s Sport“. Sie haben das „Wunder von Lohberg“ gemeinsam mit den vielen Lohbergern auf die Beine gestellt. Die Dreharbeiten liefen im Frühjahr und im Herbst 2018, und während der ganzen Zeit bestand das Profi-Team wirklich nur aus wenigen Fachleuten für Regie, Ton, Kamera, Drehbuch und Technik. Sie wollten vor allem dafür sorgen, dass das, was die Bürger als Vision vor Augen hatten, auch möglichst gut umgesetzt wurde.

„Das Wunder von Lohberg“ soll zu einer Serie werden. Die Aktiven planen, weitere Folgen zu produzieren, und klopfen derzeit ihre Finanzierungsoptionen und mögliche Verbreitungswege ab. Einer davon ist zunächst mal das Portal Youtube: Nach der Premiere wollen sie den Film auf alle Fälle dort hochladen. Sie hoffen aber darauf, dass auf längere Sicht auch die Kooperation mit anderen Plattformen gelingt.

„Idealerweise ist das ein Webserien-Projekt, das langfristig läuft und auch dazu in der Lage ist, aktuelle Fragestellungen in den Fokus zu bringen“, blickt Ayse Kalmaz in die Zukunft.