Voerde: Ein ehrgeiziges Ausbildungsprojekt mit Zukunft

Voerde : Ein ehrgeiziges Ausbildungsprojekt mit Zukunft

Trimet will bis 2022 insgesamt 66 Stellen für Geflüchtete integrieren. Vier sind derzeit in der Einstiegsqualifikation.

"Klar, zuerst gab es ein paar Verständigungsprobleme. Aber durch die praktische Erfahrung und den Umgang mit den Kollegen, konnten wir bereits viel lernen", erzählt Moudar Nasri (19), aus Syrien nach Deutschland geflohen. Mit drei anderen Geflüchteten absolviert er in einem Projek des Jobcenters und des Aluminiumherstellers Trimet eine Einstiegsqualifikation in Voerde. Die Aktion rief der im November 2015 verstorbene Inhaber des Unternehmens, Heinz-Peter Schlüter, ins Leben. "Er wollte über einen bestimmten Zeitraum insgesamt 66 zusätzliche Arbeitsplätze für Flüchtlinge schaffen. Dadurch soll Menschen, die vor Krieg fliehen mussten, eine Zukunft geschaffen werden", sagt Dorothee Wallenfels, Personalentwicklerin von Trimet. Bis 2022 sollen die 66 Stellen integriert sein.

"Wir zeigen den interessierten Flüchtlingen zuerst einen Imagefilm über das Unternehmen, damit sie es kennenlernen. Danach gibt es ein Speed-Dating, in dem weitere Fragen geklärt werden können", sagt Karla Heuer, Teamleiterin des Jobcenters. Bevor die einjährige Einstiegsqualifikation beginnt, durchlaufen die Interessenten ein Praktikum. "Das Engagement der Trimet beeindruckt uns sehr. Sie bietet unter anderem Sprachkurse für die Flüchtlinge an", so Heuer.

Ein gewisses Verständnis für die deutsche Sprache müsse bei den Bewerbern aber schon vorhanden sein, damit eine grundlegende Verständigung überhaupt möglich sei. Für Werksleiter Till Reek spielt das Projekt eine sehr wichtige Rolle: "Unseren Betrieb bereichert das sehr. Wir sind sowieso kulturell sehr vielfältig aufgestellt."

"Ich frage immer wieder nach und möchte auch immer mehr über den Job erfahren. Durch die Beschäftigung wird mein Deutsch auch immer besser", sagt der 24-jährige Biniam Melake aus Eritrea. Den Geflüchteten werden während der Einstiegsqualifikation die Tätigkeiten eines Maschinen- und Anlagenführers nähergebracht. Für Moudar Nasri keine unbekannte Materie. Der 19-Jährige hat in Syrien als Mechatroniker gearbeitet. "So konnte ich mich schnell hier rein finden."

Während der Einstiegsqualifikation besuchen die Geflüchteten auch schon die Berufsschule und schreiben Klausuren. Diese Phase ist für die Vier im August dieses Jahres zu Ende. Nicht jedoch die Zeit bei Trimet. "Danach können sie hier dann sofort die Ausbildung starten, weil der Eindruck, den sie hinterlassen, ist super. Sie sind fleißig, pünktlich und wissbegierig", freut sich Christian Dirszus, Ausbildungsleiter der Firma. Ein Problem hätten die Flüchtlinge allerdings, und zwar die Firma in den frühen Morgenstunden gut zu erreichen. "Auf dem Fahrrad ist es oft zu kalt und Busse fahren um diese Uhrzeit oft noch nicht", sagt Wallenfels. Deshalb zögen bald auch drei der Flüchtlinge zusammen in eine WG nach Friedrichsfeld.

(lb)
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