Hünxe: Ein echter Nordmann braucht viel Pflege

Hünxe : Ein echter Nordmann braucht viel Pflege

Wenn der Baum am Niederrhein aufs Feld kommt, sind seit der Zapfenernte in Georgien bereits vier Jahre vergangen.

Dass der Nordmann auch manchmal ganz schön empfindlich sein kann, passt eigentlich gar nicht zu ihm. Denn er hat sich in der Beliebtheits-Hitparade der Weihnachtsbäume in den vergangenen Jahren doch gerade deshalb auf den ersten Platz geschoben, weil er so hervorragende Eigenschaften hat. Die Nordmanntanne wächst gerade, ihr dichtes Nadelkleid piekst nicht und rieselt erst nach Wochen, außerdem tragen ihre starken Zweige auch die schwerste Kugel.

Foto: Heiko Kempken

Bis sie im heimischen Wohnzimmer alle Trümpfe ausspielen kann, ist es aber ein langer und pflegeintensiver Weg. "Wenn wir einen Baum hier einpflanzen, dauert es bis zur Ernte acht Jahre", erklärt Dirk Buchmann vom Schulte-Drevenacks Hof aus Hünxe. Und der weiß auch, dass Nordmanntannen ganz schön empfindlich sein können, wenn es im Mai noch einmal Frost gibt. Deshalb hat Dirk Buchmann alle Felder mit einer Frostschutz-Beregnung ausgestattet, die bei drohenden Minustemperaturen Wasser auf die Nordmänner sprüht. Rund 10 000 Bäume zum Selberschlagen hat Buchmann im Angebot, dazu bereits gefällte Exemplare auf dem Hof. Der Preis liegt seit drei Jahren bei 20 Euro pro Meter für die Nordmanntanne.

Das Geld ist nicht schnell und leicht verdient: Wenn der Baum am Niederrhein aufs Feld kommt, sind seit der Zapfenernte in Georgien, wo der Nordmann beheimatet ist, bereits vier Jahre vergangen. In Hünxe wird der wachsende Baum dann mindestens zweimal jährlich begutachtet, damit sein Wuchs gegebenenfalls korrigiert werden kann. Hat der Baum zum Beispiel aufgrund des Wetters einen Wachstumsschub bekommen, wird er mit einer Spezialzange unterhalb der Spitze so eingeschnitten, dass die Nahrungsversorgung in die Spitze eingeschränkt wird. So wird gewährleistet, dass der Wuchs auch oben schön dicht bleibt. Außerdem wird für mehr Luft der unterste Zweigring vom Stumpf entfernt, möglicherweise doch auftretende Frostschäden entfernt und rechtzeitig Korrekturschnitte gesetzt, damit der Baum die Lücken "zuwachsen" kann. Wenn der Baum dann nach sieben, meistens acht Jahren geerntet wird, tut das Dirk Buchmann trotz der ganzen Mühen nicht leid. Schließlich sei ein Weihnachtsbaum ja dazu da, im Wohnzimmer den Menschen das Fest der Feste zu verschönern, sagt der Baumschuler.

(RP)
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