Dinslaken: Ein Deutscher im Körper eines Ausländers

Dinslaken : Ein Deutscher im Körper eines Ausländers

Özgür Cebe brachte das Publikum mit "Born in the BRD" zum Lachen und zum Nachdenken.

Er sei Deutscher im Körper eines Ausländers - das sagt der Kabarettist Özgür Cebe über sich und räumt im Dachstudio mit allen Klischees auf, die ihm nach seinem "Germing out" begegnet sind. Denn Klischees sind zwar böse, aber auch witzig. Mal singend, mal erzählend gestaltet er sein Programm "Born in the BRD" und streift dabei immer wieder Themen, die zum Nachdenken anregen. Lachen ist natürlich trotzdem ausdrücklich erlaubt.

Dass er ziemlich deutsch ist, merkte Özgür Cebe schon bei seiner Geburt. Er kam pünktlich. Doch sein Körper befinde sich mit türkischen, armenischen und kurdischen Wurzeln im ständigen Krieg. "Der Türke will sich rasieren, der Armenier will einen Schnurrbart und der Kurde vertraut den beiden kein Messer an." Also trägt "Ötze" einen Bart. Autobiografisches wie seine Wandlung vom Waschbrettbauch zur Waschtrommel mit sieben Kilogramm Fassungsvermögen lässt der geborene Bielefelder zwischendurch so einfließen, dass er beim Publikum Sympathiepunkte sammelt.

Dann wird es ernster - die Flüchtlingssituation und der ansteigende Rechtsextremismus stehen im Mittelpunkt. Dabei sei doch gerade genetische Vielfalt gesund und die findet sich wo am meisten? "Ihr dürft auch mit mir reden, ich bin 3D und beiße nicht", fordert Özgür Cebe das Publikum auf. Afrika lautet die Antwort und dort kommen wir doch sowieso alle her. "Also waren die weißen Rassisten früher schwarz - heißt dann je heller desto blöder?" Nein, das wäre ja wieder rassistisch. Aber er sei dann wenigstens nur halbdoof, möchte er schnell noch festhalten.

Dabei verstehe er die Angst vor dem Fremden. "Das ist, als wenn dir beim OBI ein Kundenberater begegnet." Nur: "Unreflektierten Hass will ich nicht akzeptieren." Dieser Wechsel von Witzen und ernsten Themen zeigt sich auch bei dem Schlager-Medley, in dem es heißt: "Ich war noch niemals in Kabul und das aus einem guten Grund, ich bin schwul."

Das Rassismus-Problem in Deutschland sei für "Ötze" einfach zu lösen. Inklusion lautet das Zauberwort - Teilhabe statt Parallelgesellschaft. Denn dass die Flüchtlinge so schnell nicht gehen, beweisen er und seine Familie seit drei Generationen. Dies hält er im letzten Lied fest: "Wir bleiben für immer hier und trinken euer Bier."

(schur)
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