Ein Besuch im Storchennest des Vinzenz-Hospitals Dinslaken

Auf der Neugeborenen-Station : Willkommen im Leben, Fiona

Herzfrequenz messen, Blutzucker testen, Hörtest und einige Dinge mehr. Ein Neugeborenes muss eine ganze Reihe von Untersuchungen über sich ergehen lassen. Ein Besuch im Vinzenz-Hospital.

Der Nachthimmel über dem Vinzenz-Hospital leuchtet in einem beruhigenden tiefen Blau. Aus einigen Fenstern des kastenförmigen Komplexes scheint noch Licht. Es ist 23 Uhr und eine stille Nacht. Auch im Kreißsaal des Krankenhauses ist es ruhig, zumindest noch. „Wir haben heute Nacht drei Frauen da: Eine soll bald entbinden, die anderen zwei besser noch nicht – bei ihnen wäre es zu früh“, sagt Hebamme Franziska Buschmann. Sie lächelt und erklärt, dass die Frau, die bald entbinden könnte, kurz zuvor einen Blasensprung hatte und nun Wehenmittel bekommen habe. „Noch heute Nacht könnte es soweit sein.“

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Veronica Serra hat Buschmann heute Nachtschicht – seit 21.45 Uhr und noch bis 6.15 Uhr betreuen die beiden jungen Frauen die Station. „Dass wir dabei zu zweit sind, ist neu“, erzählt Buschmann. Lange hätten die derzeit 13 Hebammen hier sich auch alleine die Nächte um die Ohren schlagen müssen. „Wenn viel passiert, können wir natürlich auch in den anderen Stationen Hilfe anfordern.“

Kinderkrankenschwester Dorothee Vennemann (l.) gibt der kleinen Flora Vitamin K. Es soll die Blutgerinnung unterstützen und Hirnblutungen vorbeugen. Mama Annette Marks lässt ihre Kleine nicht aus den Augen. Foto: FUNKE Foto Services/Oleksandr Voskresenskyi

Ob es bei der Nachtschicht hier feste Aufgaben gebe? „Nein“, sagt Veronica Serra. Was ansteht, hänge von den Patienten und ihren Babys ab. Jetzt um 23.08 Uhr zum Beispiel ist ein CTG bei einer werdenden Mutter geplant. Die Herzfrequenz ihres noch im Bauch befindlichen Babys und eventuelle Wehen sollen gemessen werden. Buschmann übernimmt das und nimmt uns mit in einen der drei Kreißsäle. Der Raum ist gewollt gemütlich eingerichtet: Die gelb gestrichenen Wände harmonieren mit den roten Vorhängen. Allein die medizinischen Geräte stören den Eindruck, dass das ein normales Zimmer sein könnte.

Hebamme Franziska Buschmann bereitet ein CTG vor. Damit kann sie die Herzfrequenz der Babys messen. Foto: FUNKE Foto Services/Oleksandr Voskresenskyi
Auch ein Blutzuckertest wird bei bei der kleinen Flora Marks durchgeführt. Foto: FUNKE Foto Services/Oleksandr Voskresenskyi

Während die Schwangere ans CTG angeschlossen wird, wechseln wir den Flur – und stehen im Storchennest, der Station für Neugeborene. Der Flur ist hell erleuchtet, die hiervon abgehenden Türen sind verschlossen. Es ist ruhig,um 23.18 Uhr ist es ja wohl auch allerhöchste Zeit zu schlafen. Nur aus einem Zimmer plärrt es. Da ist ein Neugeborenes wohl nachtaktiv.

Kinderkrankenschwester Dorothee Vennemann hat Dienst im Storchennest. Wenn es während der Schicht ruhig sei, bleibe Zeit, die Fälle zu dokumentieren – schließlich müsse alles nachgehalten werden. „Aber hier ist eigentlich immer Leben nachts“, sagt Vennemann und lächelt.

Wie zur Bekräftigung ihrer Worte betritt Annette Marks das Zimmer. Noch etwas wackelig auf den Beinen und blass um die Nase schiebt sie ein kleines Kinderbett vor sich her. Darin: ihr kleinstes Glück – Tochter Fiona. Marks Lächeln ist das wohl schönste in ganz Dinslaken an diesem Abend: nicht nur ihr Mund, nein, auch ihre Augen, ihre Haut, einfach alles an ihr lacht – und strahlt das größte Glück, die allergrößte Ruhe und die größte Gelassenheit dieser Welt aus. Gerade mal 36 Stunden ist es her, da hat Fiona, Annette Marks zweites Kind, das Licht der Welt erblickt. Nun muss sie einen wahren Untersuchungsmarathon hinter sich bringen. Doch in Mamas Arm liegend lässt die Kleine Hör- und Guthrie-Test – einen wichtiger Bestandteil der Screeninguntersuchungen bei Neugeborenen – sowie Vitamin-K-Zufütterung weitestgehend schlafend zu. Nur beim Blutzuckertest, da schreit Fiona kurz auf. Das piekst doch aber auch.

Veronica Serra und Franziska Buschmann auf der Station. Die Uhr zeigt kurz nach Zwölf: Die NRZ verabschiedet sich nun, die Hebammen arbeiten noch bis 6.15 Uhr. Foto: FUNKE Foto Services/Oleksandr Voskresenskyi

Als die Untersuchung endet, endet auch unsere Stunde im Krankenhaus. Und unsere 24-Stunden-Serie für Dinslaken, Voerde und Hünxe.

(akw)
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