Ein besonderer Gottesdienst für Leonhard Cohen in der evangelischen Stadtkirche Dinslaken

Besonderer Gottesdienst : Ein kräftiges „Hallelujah“ für Leonard Cohen

Die Pfarrer Gerhard Greiner und Heiko Dringenberg widmeten der Singer/Songwriter-Legende einen besonderen Gottesdienst.

Als die Kirchenglocken verstummen, werden die Besucher in der Evangelischen Stadtkirche ganz still, und Kreiskantorin Daniela Grüning beginnt „Show Me The Place“ von Leonard Cohen auf dem Klavier zu spielen. Mit dem tiefgründigen Lied leitet sie den Gottesdienst ein, der unter dem Motto „You Want It Darker – Anders von Gott reden“ steht. Der Titel bezieht sich auf Cohens letztes Album, das er seinen Tod erahnend geschrieben hat und in dem er Zwiesprache mit Gott hält.

„Sein Lied ist sein Vermächtnis und sein Testament“, sagt Gerhard Greiner, Pfarrer i. R., zur Begrüßung über Cohens Lebenswerk. Der kanadische Singer-Songwriter und Schriftsteller hat sein Leben lang die direkte Konfrontation mit Gott und spirituellen Fragen gesucht. Er wuchs in einer einflussreichen jüdischen Familie auf und lebte als Erwachsener jahrelang in einem buddhistischen Kloster in den Bergen, in 2000 Meter Höhe nahe Los Angeles.

„Seine Gedichte und Lieder haben mich von meiner Jugend an begleitet und sein Tod berührte viele Menschen in der Welt“, erzählt Ruhestandspfarrer Heiko Dringenberg bei der Ansprache. Nachdem er bei einem Pfarrkonvent eine Andacht über den inspirierenden Liedermacher gehalten habe, sei die Idee entstanden, seiner Musik einen ganzen Gottesdienst zu widmen.

Während seiner bewegenden Ansprache macht Dringenberg eine kurze Pause und das Lied „You Want It Darker“ erklingt in der Originalversion durch die Lautsprecher. Dazu halten die Besucher den Liedtext in den Händen und verfolgen Cohens düstere Worte gefesselt mit. In dem Stück thematisiert der als Meister der Melancholie bekannte Musiker das Schweigen und Nichteingreifen von Gott, trotz unermesslicher Grausamkeiten auf der Welt. Dringenberg fragt die Besucher: „Wenn er auf einmal nicht mehr der freundliche Ratgeber ist, sondern zum Richter wird, gestehen wir Gott dann dunkle Seiten zu?“ und spielt damit auf Cohens Songtitel an.

Musikalisch wird der Gottesdienst auch von der Jugendkantorei unterstützt. Neun junge Frauen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren singen unter anderem Cohens weltberühmtes Lied „Hallelujah“. Ihre hohen und klaren Stimmen berühren die Zuhörer zutiefst und ernten lautstarken Applaus.

Auch Grünings gefühlvolle Darbietungen auf dem Klavier begeistern. Nach dem Segen verabschiedet sie das Publikum mit Cohens Stück „Anthem“ und sorgt so für einen harmonischen Ausklang des Abends.

(sw)
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