Ehemaliges Zechenareal in Lohberg: Hier entsteht ein neues Wohnquartier

Blick auf den Förderturm : Am Bergpark wächst gute Nachbarschaft

Isabel Cihak und Robert Watta waren lange Zeit die einzigen Bewohner auf dem ehemaligen Zechenareal in Lohberg. Inzwischen gibt es viele Nachbarn in dem neuen Wohnquartier.

Nein, so einsam wie Robinson habe er sich nie gefühlt in seinem Domizil auf dem ehemaligen Bergwerksgelände, sagt Robert Watta und schmunzelt. Dabei waren er und seine Frau Isabel Cihak lange Zeit die einzigen Bewohner der neuen Siedlung. Gut, anders als Robinson hatte Robert Watta von Anfang an seinen Freitag an der Seite. „Es war richtig schön so allein auf weiter Flur“, berichten Beide unisono. Und von wegen allein – die Frequenz der Spaziergänger sei riesig gewesen. Einige hätten tatsächlich gefragt, ob es nicht zu einsam, zu gruselig wäre.

„Der Bergpark war ja bereits fertig, die Ausflügler kamen daher auch bis zu uns. Vor allem interessierten sich viele für das Wohnen hier im Quartier“, erzählt Robert Watta und fügt hinzu: „Eigentlich hätte ich eine Provision von der RAG Montan Immobilien bekommen müssen.“ Beide haben die Ruhe und das Alleinsein genossen und vor allem den ungehinderten freien Blick auf die fantastische Kulisse mit Bergpark, Förderturm und den historischen Zechengebäuden. Die Abende im Dunkeln, denn Licht habe es damals wie heute zwar in ihrem Haus, aber nicht im Wohnquartier gegeben.

Noch wird eifrig gebaut im Wohnquartier Lohberg. Foto: Heiko Kempken

Inzwischen sind Isabel Cihak und Robert Watta nicht mehr allein auf weiter Flur. Im Gegenteil, rundherum wurde und wird noch kräftig gebaut, meist in Fertigbauweise. „Ab vergangenem Sommer beziehungsweise dem Herbst hat sich hier vieles verändert“, sagt Watta. „Da wir morgens aus dem Haus gingen und abends im Dunkeln erst heimkehrten, bekamen wir vom Baulärm und Dreck nicht viel mit“, erzählt Cihak. Wenn sie dann aber an den Wochenenden übers Gelände spazierten, hätten sie sich schon erstaunt gefragt, wo die ganzen Häuser hergekommen sind.

Seit eineinhalb Jahren wohnen die beiden nun schon in ihrem Haus und fühlen sich wohl. Von einem lebendigen Quartier aber sei man noch etwas entfernt.

Doch einzelne Kontakte zu Nachbarn bestünden schon, wie zu Stefan und Annemarie Dujardin. Die beiden wohnen seit Dezember auf dem alten Zechengelände. „Als neue Nachbarn sagt man einfach mal Hallo, zudem sind wir während der Bauphase toll unterstützt worden, da bekommt man gleich einen guten Kontakt“, berichtet der Essener Stefan Dujardin. Alle Häuslebauer seien neu im Quartier, hätten ähnliche Probleme, da käme der Kontakt recht schnell zustande. „Jetzt im Frühling wird sich das sicherlich verstärken“, glaubt Stefan Dujardin. Ein Nachbarschaftsglühweinabend kürzlich werde sicherlich dazu beitragen, denn weitere Abende, wie ein gemeinschaftliches Grillen mit mehreren Nachbarn, seien schon geplant.

Die Nachbarschaft wachse und mit ihr sicher auch die Lebendigkeit. Bande in die alte Gartenstadt gibt es allerdings nicht. „Wir sind ganz zum Anfang herzlich von den alteingesessenen Lohbergern begrüßt worden, das hat uns sehr gefallen“, erzählt Isabel Cihak. Natürlich nutze man die dortige Infrastruktur mit Markt und Restaurant. Beides müssen Dujardins erst noch richtig kennenlernen. „Es ist ein tolles Quartier mit kurzen Wegen auf die Halde, ein schönes Bindeglied zwischen Natur, Industrie und Wohngegend.“ Jetzt heißt es für sie, die nähere Umgebung sowie das Umfeld kennenlernen. Aber da helfen die Nachbarn sicherlich gern.

Im vergangenen September sind Andreas Thies und seine Partnerin Christine Wallner-Berndt ins Quartier gezogen und herzlich von den „Ureinwohnern“ aufgenommen worden. In solch einem Neubaugebiet, wo jeder ja gerade erst angekommen ist, sind die Nachbarn offener und bereiter neue Leute kennenzulernen, meint das Paar. Alle hätten in der Bauphase zwar mit sich selbst zu tun, aber es sei schon jetzt erkennbar, dass die Siedlung zusammenwachsen werde. „Man spürt das Leben“, so Andreas Thies. Die beiden Ex-Gelsenkirchener hatten sich vorab genauestens informiert, wussten also, auf was sie sich einließen und lernten die Umgebung bereits auf Planwagenfahrten und Führungen kennen. „Wir wissen auch um die Umgehungsstraße, die nicht weit von unserem Haus entfernt entlangläuft. Aber das Quartier gefällt uns so gut, dass wir damit leben können.“

Mit Isabel Cihak, Robert Watta und den Dujardins haben sie bereits erste Kontakte geknüpft, auch mit einigen anderen. Im Quartier gefalle ihnen vor allem die gute Mischung der Menschen, die hier bereits siedelten oder noch bauten: gemischte Altersstrukturen, gemischte Kulturen. Einer der Nachbarn, die demnächst einzögen, sei türkischstämmig und vorher in der Gartenstadt beheimatet, ein anderer käme aus Sri Lanka.

„Anfangs hatte ich ein paar Probleme, habe Gelsenkirchen vermisst, aber jetzt denke ich kaum noch an die frühere Heimat“, sagt Wallner-Berndt. Da sie tagsüber zu Hause ist, bekommt sie hautnah den Baulärm und den Dreck mit, erlebt das ständige Wachsen des Quartiers. Sie hofft, dass bald Ruhe einkehrt und sie dann voll und ganz ihr Domizil genießen können, wie es ein Schild in der Nachbarschaft verkündet: „Willkommen im Glück“.

(big)
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