Dürre 2018: Kreisbauernschaft Wesel wartet auf Nothilfe

Dürre-Sommer 2018 : Kreisbauernschaft wartet auf die Nothilfe

340 Millionen Euro stellt das Landwirtschaftsministerium Bauern zur Verfügung, deren Existenz wegen der Dürre bedroht ist. Welche Betriebe im Kreis Wesel profitieren, ist offen. Die Kreisbauernschaft fordert langfristige Lösungen.

Wilhelm Neu war in den vergangenen Tagen ein gefragter Mann. Als Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner in der vergangenen Woche wegen des Dürre-Sommers 2018 und den damit einhergehenden Ernteeinbußen im Milliardenbereich den Weg für Staatshilfen für Landwirte freimachte, wollten Betroffene und Journalisten von ihm wissen, wie die insgesamt 340 Millionen Euro denn nun verteilt werden würden und wie viel von dem Betrag im Kreis Wesel ankommt. Eine Antwort darauf konnte aber auch der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Wesel nicht geben. Zunächst einmal muss geklärt werden, wie die Bedürftigkeitsprüfung und die Bund-Länder-Vereinbarungen geregelt werden.

Neu begrüßt die Entscheidung aus Berlin, dass es sich bei der Dürre 2018 um ein Witterungsereignis mit nationalem Ausmaß handelt. Nach vorsichtigen Schätzungen des Verbandes könnten in Nordrhein-Westfalen weit mehr als 500 Betriebe auf Hilfe hoffen. Auch im Rheinland rechnen Landwirte mit massiven Ernteausfällen, besonders sind Mais, Grünland und Kartoffeln betroffen. Die Länder haben nun den Auftrag, Betriebe zu identifizieren, die nach dem Kriterium der Existenznot durch die Dürre Nothilfe benötigen. „Bei Betrieben, bei denen es wirklich um alles geht und die das auch belegen können, finde ich die Entscheidung gut. Aber ich bin kein Freund davon, jetzt einfach die Hand aufzuhalten“, sagt Dirk Buchmann vom Schulte-Drevenacks Hof in Hünxe. Er ist auf keine Unterstützung des Staates angewiesen, weil seine moderne Bewässerungsanlage Schlimmeres verhinderte. „Aber ich musste zum Beispiel den Spargel in diesem Sommer häufiger bewässern als sonst, auch die Weihnachtsbäume haben mehr Wasser bekommen. Ich vermute, dass die zusätzlichen Kosten dafür im fünfstelligen Bereich liegen“, berichtet Buchmann.

Die Kreisbauernschaft pocht auf langfristige Lösungen, um auch in Zukunft besser für Extremwetterereignisse gewappnet zu sein. Neu kennt es zum Beispiel aus den Niederlanden und Luxemburg, wo es eine Versicherungslösung für Wetterextreme schon gibt. Dafür benötige man in Deutschland aber wahrscheinlich zunächst eine „Anschubfinanzierung“ durch den Staat. Auch steuerliche Instrumente – wie das derzeit zur EU-Notifizierung vorliegende Verfahren der Gewinnglättung – könnte zukünftig den Landwirten helfen, Liquidität zu sichern. Schließlich bräuchten die Landwirte Möglichkeiten in guten Zeiten Geld zurückzulegen, um sich in schlechteren Zeiten selbst zu helfen, so der Verband. Johannes Vahnenbruck, der mit seinem Vater Heinrich den Stadtbauernhof in Dinslaken betreibt, denkt kritisch weiter: „Rücklagen und Nothilfe sind schön und gut. In diesem Jahr wächst aber überhaupt kein Grün nach, wodurch es an Futter fehlt – unsere Rinder werden jetzt schon mit dem Winterfutter versorgt. Was nutzt dann das Geld, wenn man nicht weiß, wo das Futter herkommen soll? Scheine können die Tiere nicht fressen.“

Johannes Vahnenbruck schätzt die Ertragseinbußen für den heimischen Familienbetrieb auf 20 bis 30 Prozent ein. Das Getreide sei mit einem „blauen Auge“ davongekommen, weil es noch vom Winterwasser im Boden profitiert habe. „Aber Mais und Kartoffeln werden im Frühjahr gepflanzt und waren in der ganzen Zeit der Hitze ausgesetzt. Sie haben in diesem Jahr sehr gelitten. So eine Dürre hat auch mein Vater noch nicht erlebt.“

Kreisbauernschaft-Vorsitzender Neu fordert zuletzt mit Blick auf die Zukunft auch eine wissenschaftliche Forschungsoffensive für neue Sorten. „Wir benötigen Saatgut, das wie in diesem Jahr Hitze, aber auch Nässe und Kälte wie im Vorjahr standhält.“ Landwirtschaft, Politik und Wissenschaft müssten Hand in Hand gehen, um sich auf Extremwetterereignisse besser einzustellen, so der Rheinische Landwirtschafts-Verband.

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