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Drittes Shetland-Pony in Hünxe gerissen - Pony-Herde von Weide gejagt

Wölfe jagten die Herde von der Weide : Drittes Shetland-Pony in Hünxe gerissen

Wölfe sind in der Nacht in die Gehege eines Gehöftes am Weg „Schwarze Heide“ eingedrungen. Sie jagten fünf Kleinpferde von ihrer Weide in der Nähe von Stallungen und rissen ein weiteres Shetland-Pony. Das Tier wurde halb aufgefressen.

In der Nacht zu Freitag sind Wölfe in die Gehege eines Gehöftes in der Nähe des Flugplatzes Schwarze Heide eingedrungen. Sie hatten es auf eine kleine Herde von fünf Ponys abgesehen: drei Shetland-Ponys, zwei größere Kleinpferde von etwa 1,45 Meter Stockmaß. Die Tiere gehören einer Haltergemeinschaft, sie standen gemeinsam in einer Einfriedung in der Nähe von Zuwegung und Stallungen.

„Wir haben die Pferde schon in einem Bereich zusammengepfercht, damit sie beieinander bleiben“, erzählt Andrea Birkendorf, Anwohnerin und Mitglied der Stallgemeinschaft. Um zwei Uhr in der Nacht habe sie sie noch versorgt. „Und heute Morgen waren sämtliche Zäune eingerissen. Die haben die Ponys bis hinten auf die Wiese gejagt und eins gerissen.“

Von der Flucht der kleinen Herde zeugen tiefe Abdrücke im Boden, Rutsch- und Bremsspuren von Hufen. Die Tiere haben in Panik offenbar die für Pferde geeigneten, aber nicht wolfssicheren Stromzäune, die ihnen im Weg waren, einfach überrannt.

 Andrea Birkendorf hatte nachts noch nach den Tieren gesehen.
Andrea Birkendorf hatte nachts noch nach den Tieren gesehen. Foto: Zehrfeld

Es ist das zweite Kleinpferd, das in dieser Woche in Hünxe getötet wurde, und das dritte binnen zwei Wochen. Besonders tragisch ist dieser Fall, weil die Mitglieder der Haltergemeinschaft gerade dabei waren, ihre Zäune aufzurüsten. Am Donnerstag erst haben sie Pfosten gesetzt, um die Bespannung auf 1,60 Meter zu erhöhen und Stromlitzen zu ziehen.

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„Wir sind halt gestern nicht fertig geworden“, erzählt Andrea Birkendorf am Freitag. „Heute morgen um neun Uhr wollten wir uns treffen und die Zäune komplett fertigmachen. Und da war es zu spät.“

Auch vorher schon haben die Anlieger Sicherheitsvorkehrungen getroffen. „Wir haben mit der Landwirschaftskammer gesprochen, was wir machen können“, erzählt Andrea Birkendorf. Sie haben Leuchten installiert, um Wölfe abzuschrecken, und sie haben ihre Pferde nachts möglichst weit weg vom Waldrand untergebracht.

Bei Nachbarn und Profi- wie Hobby-Tierhaltern aus der Umgebung wächst die Verzweiflung. Einige von ihnen kamen am Freitagvormittag zum Ort des Geschehens. Unter anderem der Schafzüchter Kurt Opriel, der viele Tiere an Wölfe verloren hat und bereits versucht hat, eine „Entnahme“ von Niederrhein-Wölfin „Gloria“ gerichtlich auf den weg zu bringen. „Was muss denn noch passieren, bis wir was tun können?“, fragt er. „Die Wölfe haben die Scheu verloren. Die gehen immer näher an Gebäude ran.“

Dem würde Andrea Birkendorf beipflichten: Sie habe schon mal einen Wolf sonntagnachmittags ungerührt über den Acker laufen sehen. Sie habe es erst gar nicht glauben wollen, „ich dachte erst, das wäre ein Schäferhund“, erzählt sie. „Da liefen ganz viele Menschen rum, das interessierte den gar nicht.“

Auf dem Reiterhof Reßing, der gerade mal ein paar Hundert Meter entfernt liegt, sollen Kinder eine unbeschwerte Zeit erleben. „Wir sind froh, dass die Ferien heute vorbei sind“, sagt Inhaber Jörg Reßing.

Als Vertreter der Gemeinde Hünxe verschafften sich Bürgermeister Dirk Buschmann und Hauptamtsleiter Klaus Stratenwerth einen Eindruck von der Situation. „Wir haben jetzt den dritten Pony-Riss in diesem Areal. Das ist für uns schon alarmierend. Der Druck der Öffentlichkeit wächst“, sagt Buschmann. „Da muss es irgendwie eine Lösung geben.“

Der schlimmste Schlag ist der Vorfall für Miriam Wiberny und ihre Familie: Sie ist die Eigentümerin des getöteten Tieres. Der 18 Jahre alte Hengst Max war ein Freund und Gefährte ihrer zwölfjährigen Tochter und ihres neunjährigen Sohnes. Er sei ein tolles Tier gewesen, und die Familie hat ihn geliebt. Miriam Wiberny sagt: „Wir sind in großer Trauer.“