Dinslakenerin arbeitete drei Monate in Tansania

Schule am Fuße des Kilimandscharo : Unterricht mit Pflanzenfarben

Marie Klein-Allermann machte nach dem Abitur ein dreimonatiges Praktikum an der Kimashuku Primary School in Tansania. Nun berichtet sie über das Erlebte.

Dinslaken (bes) Die ersten Worte auf Swahili lernte Marie Klein-Allermann im zweiten Grundschuljahr als Mitglied der Afrika AG der damaligen Schulleiterin Renate Posth. Sie erfuhr, dass es in Tansania die Kimashuku Primary School gab, dass dort vieles anders ist als in Deutschland und dass der jährliche Sponsorenlauf der Moltkeschule, an dem auch sie teilnahm, den Kindern dort helfen würde, Bildung zu erhalten. Zehn Jahre später machte sich Marie Klein-Allermann zwischen Abitur und Beginn des Psychologiestudiums selbst ein Bild vom Leben an der vom Hiesfelder Kimashuku-Verein unterstützten Schule am Fuß des Kilimandscharo. Drei Monate machte sie dort ein Praktikum. Nun berichtete sie auf Einladung von Lucie-Maria Rohdemann, Agenda-Beauftragte und seit Jahresbeginn Leiterin der Stabstelle für nachhaltige Entwicklung der Stadt Dinslaken, im Museum Voswinckelshof über ihre Erfahrungen. Die Stadt und der Kimashuku-Verein sind Kooperationspartner.

Die junge Frau spricht frei und souverän, sie schildert nicht nur, sie hinterfragt und wertet. Mit offenen Augen und Herz, mit Durchblick und Menschlichkeit. Marie Klein-Allermann lernte das Färben mit Pflanzenfarben in einem „Seven Garden“-Workshop. Ein idealer Anknüpfpunkt für die Arbeit mit den Kindern in der Kimashuku-Schule, dachten sie und Lucie-Maria Rohdemann. Tatsächlich gehörte das Bild des fertigen Patchwork-Wandteppichs in der Primary School zu den schönsten Bildern der Fotopräsentation. Aber der Weg dorthin bedeutete Lernen auf beiden Seiten. Die Art des Unterrichts in Tansania unterscheidet sich grundlegend vom deutschen Ansatz, selbstständiges Denken als Basis für alle Bildung zu fördern.

Getestet wird nur mit Multiplechoice, lernte die Abiturientin und musste erfahren, dass das Verbessern von Fehlern in den Schulheften durch die Lehrer von der staatlichen Schulinspektion untersagt wird: „Nun weiß ich das Bildungssystem hier in Deutschland viel höher zu schätzen.“ Entsprechend scheu reagierten die Kinder, als die Abiturientin sie aufforderte, kreativ und experimentell mit den Pflanzenfarben umzugehen. Doch nach kurzer Zeit war die Scheu überwunden.

Leben in Afrika – eine globale Erfahrung. Wo es keine Müllabfuhr gibt, wird der Abfall (auch Plastik) hinterm Haus verbrannt. „Ich war völlig geschockt“, so die junge Frau. „Die Leute wissen auch, dass es nicht gesund ist, aber was sollen sie sonst machen?“ Bitterste Armut, der Kuhstall neben der Küche, der Anreiz zur Schule zu gehen, weil es dort Reis zu essen gibt. Aber Marie Klein-Allermann nahm auch etwas für ihr Leben hier mit aus Afrika: Ein gelassener Umgang mit der Zeit als Verbesserung der Lebensqualität.

(bes)
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