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Mutmaßliches IS-Mitglied festgenommen: Dinslakener Islamist: Richter ordnet Untersuchungshaft an

Mutmaßliches IS-Mitglied festgenommen : Dinslakener Islamist: Richter ordnet Untersuchungshaft an

Gegen den in Dinslaken festgenommenen mutmaßlichen IS-Terroristen ist Untersuchungshaft angeordnet worden. Der 24-jährige Deutsche namens Nils D. soll im Oktober 2013 nach Syrien gereist sein und sich dort der Terrorgruppe angeschlossen haben, wie der Generalbundesanwalt mitteilte.

Nils D. war am Samstag im Dinslakener Stadtteil Lohberg nördlich von Duisburg festgenommen worden. Ein Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof bestätigte am Sonntag den Haftbefehl gegen den 24-Jährigen.

Nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich bei Nils D. um einen Cousin von Philip B., der zu den fünf jungen Männern aus Dinslaken gehörte, die 2013 gemeinsam nach Syrien gegangen sind. Philip B. hatte bei einem Selbstmordattentat mehrere Menschen getötet. Dazu gehörte auch Mustafa K., der im Internet Anfang des Jahres 2014 mit abgeschlagenen Köpfen posiert hat.

Die Männer gehörten alle der sogenannten "Lohberger Gruppe", auch "Lohberger Brigade" genannt, an. Benannt wurde die Gruppe nach dem Dinslakener Stadtteil Lohberg. Insgesamt sollen rund 20 Personen aus dieser Gruppierung nach Syrien gereist sein. Einige sind längst wieder zurück. Einer wurde sogar von seinen Eltern freigekauft.

Nils D. verfügt über Kampferfahrung und soll sich eineinhalb Jahre in Syrien aufgehalten haben. Gegen ihn sollen einige Verdachtsmomente vorliegen, unter anderem habe er aktiv für die Terrormiliz Islamischer Staat gekämpft. Insgesamt hielten sich nach Informationen unserer Redaktion zuletzt fünf Syrien-Rückkehrer in Dinslaken auf. Vier kehrten allerdings vergleichsweise zügig nach Deutschland zurück, weil sie mit den Verhältnissen in Syrien nicht klargekommen sind.

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Im vergangenen November kehrte Nils D. den Angaben des Generalbundesanwaltes zufolge nach Deutschland zurück. Die nunmehr erfolgte Verhaftung soll nach einer US-Terrorwarnung erfolgt sein. US-Geheimdienste hätten einen Hinweis auf mögliche Terroranschläge in Deutschland gegeben, berichtete die "Bild am Sonntag". Die Bundesanwaltschaft hatte am Samstag betont, es gebe bisher keine Anhaltspunkte für konkrete Anschlagspläne oder -vorbereitungen und auch keinen Zusammenhang zu den Terroranschlägen in Frankreich.

"Wir haben die Gefährder unter Wind"

Nach der Festnahme hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Arbeit der Ermittler gelobt. "Das ist erfolgreiche Arbeit der Polizei und Sicherheitsbehörden, sagte er am Sonntag in Paris nach einer Sonderkonferenz von Innenministern aus zwölf EU-Staaten zu den Konsequenzen aus den islamistischen Terroranschlägen in Frankreich.

"Wir haben die Gefährder unter Wind und sowie es Anhaltspunkte für strafbare Handlungen gibt, werden auch entsprechende harte Maßnahmen des Rechtsstaats erfolgen", sagte de Maizière. "Unter Wind" bedeutet im Fachjargon der Geheimdienste die Beschattung von Verdächtigen.

Den offiziellen Angaben zufolge wurde der Mann von einem Spezialeinsatzkommando der nordrhein-westfälischen Polizei geschnappt. Zudem wurde seine Wohnung in Dinslaken durchsucht.

Zunächst hatte seit Beginn 2014 die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt. Der Generalbundesanwalt zog das Verfahren wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung an sich.

Der Beschuldigte soll am Sonntag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der ihm den Haftbefehl eröffnen und über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheiden wird. Mit den weiteren Ermittlungen ist das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen beauftragt.

Der "Lohberger Gruppe" gehörten vor rund einem Jahr 23 zum Teil radikale Mitgliedern an. Hinzu kommen noch einmal etwa doppelt so viele Sympathisanten. "Es handelt sich um Jugendliche und junge Erwachsene, die einen geringen Bildungsstand haben und in der Gesellschaft bislang nicht angekommen sind", erklärte der Dinslakener Caritasdirektor Michael van Meerbeck bereits zu einem früheren Zeitpunkt.

Innenminister lobt Arbeit der Ermittler

"Die Festnahme eines Syrien-Rückkehrers in Nordrhein-Westfalen beweist, dass die Sicherheitsbehörden wachsam sind und entschlossen handeln. Wir nehmen die Gefahr des islamistischen Terrors in Deutschland sehr ernst", sagte Innenminister Ralf Jäger in einer Mitteilung. Die Sicherheitsbehörden fahren demnach schon seit längerem ihre Maßnahmen auf hohem Niveau und in enger Abstimmung. "Wir haben gefährliche Rückkehrer verstärkt im Blick. Dabei arbeiten Bund und Länder gut zusammen. Das ist gerade in der jetzigen Situation besonders wichtig."

((mit Agenturmaterial))