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Radikaler Islamist in Syrien: Dinslakener an Enthauptungen beteiligt

Radikaler Islamist in Syrien : Dinslakener an Enthauptungen beteiligt

Ein 24 Jahre alter Mann aus Dinslaken posiert im Internet mit abgetrennten Köpfen. Der radikale Islamist kämpft in Syrien für einen "Gottesstaat". Er gehört der "Lohberger Gruppe" an, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Wie eine Trophäe hält der aus Dinslaken stammende Mustafa K. (24) einen abgetrennten Kopf mit seiner rechten Hand am Schopf. Dabei grinst er in die Kamera. Zu seinen Füßen liegt ein weiterer vom Rumpf abgeschnittener Schädel neben einem Torso mit abgetrennten Gliedmaßen. Entstanden ist das grausame Foto in der syrischen Rebellenhochburg Azaz, im Nordosten des vom Bürgerkrieg zerrütteten Landes nahe der türkischen Grenze.

Philip B., der wie sein Freund Mustafa K. ebenfalls aus Dinslaken kommt, hat die Aufnahme ins Internet auf sein Profil bei Facebook gestellt. Unter dem Bild ruft ein Freund der Dinslakener in einem Kommentar zu weiterem Blutvergießen auf: "MashaAllah, lasst die Köpfe weiter Rollen. Allahuakbar."

Die beiden Islamisten gehören der "Lohberger Gruppe" an, benannt nach dem Dinslakener Stadtteil Lohberg. Dort gibt es eine islamistische Szene, die extrem radikalisiert ist. Mehrere Mitglieder dieser Gruppierung sind nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes in den vergangenen Wochen und Monaten ins Bürgerkriegsland Syrien gereist, um dort in islamistischen Widerstandsgruppen gegen das Regime von Präsident Assad und alle andereren zu kämpfen, die ihrer Ansicht nach gottlos sind.

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Ihr Ziel: die Errichtung eines islamistischen Gottesstaates. Ob noch weitere Islamisten aus der "Lohberger Gruppe" in Syrien sind, ist nicht bekannt. Insgesamt sollen sich zwischen 250 und 300 Islamisten aus Deutschland in Syrien aufhalten, laut NRW-Innenministerium 110 davon aus NRW. Experten schätzen aber, dass die Zahl schon auf 150 gestiegen ist. "50 Prozent von ihnen sind deutsche Staatsbürger, die konvertiert sind", berichtet Arnold Plickert, NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei.

Die deutschen Sicherheitsbehörden verfolgen diese Entwicklung mit wachsender Sorge. Besondere Gefahr geht von den Rückkehrern nach Deutschland aus. Die Gewerkschaft der Polizei warnt vor einem erhöhten Risiko von Anschlägen durch die Kriegsheimkehrer. "Die Islamisten kommen noch radikalisierter zurück. Sie haben gelernt, mit Sprengstoff umzugehen und Bomben zu bauen", betont Plickert. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) ergänzt: "Einige werden traumatisiert zurückkehren und in ihrem Verhalten unberechenbar sein."

Mindestens sieben Islamisten aus NRW sollen aber auch schon bei Kämpfen ums Leben gekommen sein. Trotz der Gefahr, die von den Kriegsheimkehrern ausgeht, können diese nicht einfach nach ihrer Einreise nach Deutschland am Flughafen festgenommen werden. "Wir müssen ihnen eine Straftat nachweisen. Und das ist in den meisten Fällen sehr schwer", erklärt ein leitender Kriminalkommissar, der seit vielen Jahren in der Szene ermittelt. Die Islamisten werden jedoch vom Verfassungsschutz intensiv beobachtet.

Nach Informationen unserer Zeitung soll es auch eingeschleuste Verbindungsleute-Leute (V-Leute) in der islamistischen Szene geben. "Es ist im Vergleich zu anderen kriminellen Organisationen bei den Salafisten relativ leicht, Informanten zu gewinnen oder gar gezielt Personen einzuschleusen", berichtet der Kriminaldirektor. Peter Biesenbach, Rechtsexperte der CDU-Landtagsfraktion, betont, dass die Islamisten nach dem Grad ihrer Gefährlichkeit für die Allgemeinheit überwacht werden. "Das kann bis zu einer 24-Stunden-Observierung gehen", sagt Biesenbach.

Aus Sicherheitskreisen war zu erfahren, dass bereits 15 Islamisten aus dem syrischen Bürgerkrieg zurückgehrt sind, darunter bis zu fünf aus NRW. Es soll sich jedoch nicht um die beiden "Gotteskrieger" aus Dinslaken handeln. Die Familie von Mustafa K. wohnt nach wie vor in Dinslaken, jemand gleichen Nachnamens spielt in einem örtlichen Fußballverein. Wieso sich ausgerechnet im Dinslakener Stadtteil Lohberg, der sich im Umbruch befindet, eine so radikale Islamisten-Szene angesiedelt hat, können auch die Ermittler nur vermuten. "Das kann mit den Familienstrukturen vor Ort zusammenhängen", sagt der Kriminalhauptkommissar. Der Stadtteil ist vor allem geprägt durch den jahrzehntelangen Bergbau. Der türkische Migrantenanteil liegt nicht höher als in anderen Städten. Es gibt zwei Moscheen, dazu noch einige türkische Kulturvereine.

Die Ermittler halten es zum jetzigen Zeitpunkt für unwahrscheinlich, dass Mustafa K. überhaupt noch einmal nach Deutschland reisen wird. "Wer seine Taten im Internet so zu Schau stellt wie er, kommt in der Regel nicht zurück", sagt Biesenbach.

(RP)