Dinslaken: Wie Anwohner das Fantastival erleben

Fantastival : Wie Anwohner das Fantastival erleben

Wer direkt an der Althoffstraße wohnt, braucht sich eigentlich keine Tickets zu kaufen.

Dass das Fantastival vor rund zwei Wochen in den Startlöchern steht, erfahren die Anwohner des Burgtheaters spätestens vorher per Post. „Liebe Nachbarinnen und Nachbarn, am kommenden Freitag beginnt das diesjährige Fantastival“, hieß es im ersten Satz des Briefes, den die Freilicht AG als Veranstalter auch in diesem Jahr wieder an die Anwohner der Althoffstraße geschickt hat. Zu dem Zeitpunkt wissen die meisten jedoch längst Bescheid und freuen sich schon darauf, dass wieder namhafte Künstler ins kleine Dinslaken kommen und sie zu Hause so nah dran sind, fast als wenn sie bei den Konzerten in der ersten Reihe säßen.

Die Sicht auf die Bühne ist zwar wegen der Bäume eingeschränkt, doch wer nur die Musik hören möchte, braucht sich keine Eintrittskarte zu kaufen und muss sich auch nicht an den Ententeich setzen. Bei den Konzerten von Gregor Meyle, Mando Diao und Amy Macdonald werden an den Fenstern und auf den Balkonen kleine Hauspartys gefeiert, die Musik gibt es kostenlos dazu. Der Sound ist klasse und anders als im Burgtheater muss man sich am heimischen Kühlschrank in keine Warteschlange stellen. Deshalb ist das „Rudelhören“ in jedem Jahr auch immer sehr beliebt und sobald die Freilicht AG im Frühjahr die Namen der auftretenden Künstler bekannt gibt, kündigen sich die ersten Freunde zum Besuch an.

Zaungäste am Rathausteich. Foto: gaa/Hendik Gaasterland

Eine Großveranstaltung vor der eigenen Haustüre ist aber auch nicht immer angenehm. Der Bühnenaufbau zum Beispiel beginnt Tage vor dem ersten Konzert. Dann kann es unter der Woche schon einmal vorkommen, dass der Hammer noch nach 23 Uhr auf Metall schlägt. Oder die Kühlwagen, die auf dem Parkstreifen der Althoffstraße für zehn Tage abgestellt sind, nerven irgendwann. Die meisten Anwohner haben in ihren Wohnungen die Schlafzimmer zur Straße hin und wer keine Klimaanlage besitzt, hat bei den hohen Temperaturen nachts die Fenster geöffnet und muss das Dauerbrummen der Kühlungen ertragen. Dass das Team der Freilicht AG nach den Veranstaltungen aufräumt, nach Mitternacht noch kurz die Getränkekisten mit Leergut füllt und Glas klirrt, stört da nur am Rande. Wer zentral in der Altstadt wohnen möchte, der muss nun einmal damit rechnen, dass es etwas lauter werden kann. Das ist zu den Din-Tagen so, zum Fantastival oder wenn die Jungs von der Kutscherstube am Wochenende die Musik in ihrer Kneipe aufdrehen. Wen das bisschen „Stadtleben“ stört, für den hat das „Dorf“ Dinslaken genügend ruhige Ecken.

Die Anwohner zeigen aber für den kurzen Trubel im Juli vollstes Verständnis und können auch damit leben, dass bei den Headlinern des Fantastivals die Althoffstraße aus Sicherheitsgründen komplett gesperrt wird, damit keine Fahrzeuge in die Menschenmassen rasen können. Als Dankeschön für die gute Nachbarschaft lädt die Freilicht AG die Anwohner in jedem Jahr zu einer Veranstaltung ein. Ohne Voranmeldung muss man nur den vor dem Fantastival erhaltenen Brief mitbringen und ist entweder beim Vision String Quartet oder der Manfred Mann’s Earth Band live dabei - und dann ist es beim Fantastival doch noch ein bisschen netter, als in den eigenen vier Wänden.