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Unsere Woche: Dinslaken und sein Bürgermeister des Postfaktischen

Unsere Woche : Dinslaken und sein Bürgermeister des Postfaktischen

Warum auch in Dinslaken, die Fakten immer mehr aus dem Blick geraten, und warum die Diskussion über das Freibad Hiesfeld dafür ein Paradebeispiel ist.

Das Wort hat Konjunktur. Angela Merkel redet davon, dass wir in postfaktischen Zeiten leben. Donald Trumps Wahlkampfführung kann als Paradebeispiel dafür dienen, was die Bundeskanzlerin mit dieser eher allgemeinen Zustandsbeschreibung meint. Die Oxford Dictionaries - so eine Art Duden für die englische Sprache - haben "post-truth" zum Wort des Jahres 2016 gewählt. Diese Wort kommt immer dann zur Anwendung, wenn jemand zum Ausdruck bringen will, dass in der öffentlichen Debatte Fakten immer mehr an Bedeutung verlieren und von Emotionen, Wunschvorstellungen und subjektiven Überzeugungen ersetzt werden. Egal wie absurd und von objektiven Tatsachen widerlegbar eine These ist, sie muss nur lang genug behauptet werden, um einer wachsenden Zahl von Nichtwissenwollenden plausibel zu erscheinen. Was das mit Dinslaken zu tun hat, fragen Sie? Mehr als Ihnen lieb sein dürfte. Beispiel gefällig? Dinslakens Bürgermeister malt die Zukunft des Stadtteils Lohberg gern in rosigen Farben. Wer, wie die Christdemokraten es getan haben, Zweifel äußert, wird als intellektuell nicht auf der Höhe denunziert. Dann, am Montag dieser Woche war's, bittet der Bürgermeister zum alten Zechengelände, um weiter an seinem schönen Bild von der Zukunft zu malen. Und was passiert? Die Firma Traumhaus verunziert das Bild von der blühenden neuen Siedlung - heutzutage "Wohncluster" geheißen - auf dem Zechengelände mit fiesen dunklen Schatten, berichtet von den tatsächlichen Schwierigkeiten, die geplanten schmucken Häuschen zu vermarkten. Na, bekommen Sie eine Ahnung, was das Wort postfaktisch mit Dinslaken und seinem Bürgermeister zu tun haben könnte?

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Anderes Beispiel. Das Freibad Hiesfeld. Die Politik gibt ein Bädergutachten in Auftrag. Als das vorliegt, schlägt die Verwaltung mit dem Bürgermeister an der Spitze vor, aus dem maroden Freibad ein Naturbad zu machen. Dann tagt der Freibadverein. Der will kein Naturbad. Der Bürgermeister schwenkt um, hält jetzt auch die Sanierung des Hiesfelder Bades auf konventionelle Weise für finanzierbar. Fakten interessieren ihn eher weniger. Sonst würde er sich - jenseits der Tatsache, dass das Bad eine lange Tradition hat und die Hiesfelder es so gern behalten möchten - mal ganz andere Fragen stellen. Fangen wir mal mit der am einfachsten zu beantwortenden an: Brauchen die Dinslakener ein Naturbad? Nein, brauchen sie nicht, weil ihnen doch schon eines zur Verfügung steht - am Tenderingssee. Nächste Frage: Was brauchen die Dinslakener? Die ist auch recht einfach zu beantworten. Sie brauchen ein Bäderangebot, das die Interessen möglichst vieler berücksichtigt, die Interessen der Freizeitschwimmer genauso wie die der Schulen und Vereine. Frage 3: Gibt es dieses Angebot? Ganz einfach zu beantworten: Nein. Das Angebot des DINamare reicht nicht aus, diese Interessen unter einen Hut zu Bringen. Frage 4: Wäre das Problem gelöst, wenn das Hiesfelder Freibad saniert würde. Antwort: Nein, es sei denn das Bad würde mit sporttauglichem Becken und für einen Ganzjahresbetrieb ausgebaut. Frage 5: Gibt es eine weniger aufwändige Lösung im Interesse der Gesamtbevölkerung Dinslakens? Ja natürlich, den Ausbau des DINamare zu einem gesamtstädtischen Schwimmzentrum. Frage 6: Was also spricht für den Standort Hiesfeld? Die Tradition und die damit verbundenen ja durchaus nachvollziehbaren Emotionen. Die Fakten allerdings sprechen gegen Hiesfeld. Ein Bürgermeister, der die Interessen aller Dinslakener zu vertreten hat, könnte das erkennen. Die Politik übrigens auch.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: joerg.werner@rheinische-post.de

(RP)