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Dinslaken: Trödelmarkt im Bergpark Lohberg

Trödeln auf dem ehemaligen Zechengelände : Ein Flohmarkt als lebendiges Kunstwerk

Die Berliner Künstlerin Jule Osten organisiert Flohmärkte in Deutschland, den USA, Irland und Japan. Zum zweiten Mal brachte sie mit dem „Parkmarkt“ einen Flohmarkt rund um den Wasserturm im Bergpark Lohberg an den Start.

Auf den Stufen, die zur kleinen Bühne des „Parkwerks“, dem alten Wasserturm des Bergwerks Lohberg, führen, sitzt Künstlerin Jule Osten und blickt über einen Teil des Parktmarkts, den sie organisiert hat. Wenn sie auf die Stände der Markthändler blickt, sieht sie mehr, als einen Ort, an dem Handel getrieben wird. Sie sieht einen Ort des Miteinanders, der Begegnung, der Kommunikation. Ihr Konzept eines Flohmarktes ist ein anderes, als das, was man für gewöhnlich kennt.

Das fängt schon damit an, dass die Händler hier keine Standmiete bezahlen. Zumindest nicht im gewöhnlichen Sinn. „Jeder bringt selbst zubereitetes Essen mit“, erklärt Jule Osten. Gemeinsam mit den Dingen aus ihren privaten Haushalten, ergibt sich so ein Bild, wie die Menschen leben. „Das macht etwas mit den Menschen. Die Kunden und Händler werden so selbst zu den Flohmarkt-Machern“, sagt Jule Osten. Die Händler verlegen mit dem Verkauf ihrer privaten Gegenstände ein Stück weit ihre Privatsphäre in den öffentlichen Raum und auf der anderen Seite regt der Handel natürlich die Kommunikation an. „Kunst stellt gerne Fragen an die Menschen. Hier beantworten sie diese Fragen selbst“, sagt die Künstlerin. Und natürlich ist der Wasserturm auch ein besonderer Ort.

Die Atmosphäre auf dem Flohmarkt ist auch ein andere, als man es vielleicht sonst gewohnt ist. Die Kommunikation untereinander beginnt schon beim Aufbau der Stände. „Alle Standflächen sind markiert gewesen. Die Händler sollten untereinander verhandeln, wenn jemand eine größere Fläche haben wollte“, erklärt Jule Osten. Das hat anscheinend ganz gut funktioniert und so wird überall verkauft. Es ist ein buntes Sammelsurium von Gegenständen, das sich hier an den Marktständen findet: Bücher, Filme, Spielzeuge, Elektrogeräte und Kleidungsstücke. Am Stand von Patrick Schmidt hängt gar ein Brautkleid. „Das ist nicht von mir“, erklärt der Händler. Ein Freund seiner Freundin wurde von der Braut kurz vor der Hochzeit verlassen. Der stehengelassene Bräutigam gab das Brautkleid ab. „Wir haben uns gedacht, das möchte vielleicht jemand anderes noch nutzen, aber bisher hat sich kein Käufer gefunden“, erzählt Patrick Schmidt.

Da er mit seiner Freundin zusammenziehen möchte, müssen einige Dinge nun weichen, vor allem Computerspiele und Filme auf Videokassetten. Aber auch ein Modellauto. Für das interessiert sich Sergej Gromada. Aus Brühl ist er extra nach Lohberg gekommen, um sich auf dem Flohmarkt umzuschauen. „Ich habe davon gelesen und wollte mir das einfach angucken“, erzählt er. „Noch habe ich nichts gekauft, aber vielleicht werde ich ja noch fündig.“

An einem anderen Stand steht Luise Tegethoff neben einem Ständer, an dem diverse Kleider hängen. Die 18-Jährige, hochgewachsene, schlanke Frau hat bisher vor allem Bücher verkauft. „Ich hatte nicht gedacht, dass die hier so gut laufen würden“, erklärt sie überrascht. Das mag allerdings auch daran liegen, dass Luise Tegethoff mit einer konkreten Mission zum Parkmarkt gekommen ist. Durch den Verkauf einiger Dinge möchte sie Geld einsammeln. Denn sie plant, im August für einen 12-monatigen Freiwilligendienst nach Kenia zu gehen. „Ich habe gerade mein Abitur am Gymnasium Voerde gemacht und jetzt möchte sie im Land an der Küste Ostafrikas ein gemeinnütziges Projekt unterstützen.„Das Jahr dort wird etwa 10.000 Euro kosten. 75 Prozent der Kosten übernimmt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, aber den Rest des Geldes muss ich selbst aufbringen“, erklärt die 18-Jährige. Zwischen 2700 und 3000 Euro sollten das idealerweise sein. Einen Teil davon wird sie über ihren Verkauf beim Parkmarkt schon zusammenbekommen haben.

Doch auch an den anderen Ständen des Parkmarkts gibt es immer etwas Besonderes zu sehen oder zu hören. Händler die Bücher verkaufen, erzählen ihren Kunden, wie ihnen selbst die Geschichten gefallen haben, berichten von Eindrücken von Filmen oder erzählen von anderen Gegenständen, die sie anbieten. Denn hinter jedem Glas, jedem Bild und jedem Spielzeug steckt auch eine kleine, interessante Geschichte.

Und so ist der Parkmarkt wirklich ein Ort der Kommunikation, an dem die Besucher Einblick in das Leben der Händler nehmen. Die nächste Ausgabe des besonderen Flohmarkts rund um den Wasserturm auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Lohberg findet am 3. Oktober statt.