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Dinslaken: THG-Abiturienten treffen sich

Wiedersehen nach 55 Jahren : Ein ganz besonderes Klassentreffen

Der Abschlussjahrgang 1963 des Theodor-Heuss-Gymnasiums traf sich nach 55 Jahren in Dinslaken wieder.

An einer langen Tafel im Restaurant „Zur Egerheide“ sitzen 15 Männer. Es sind die Hauptpersonen des Klassentreffens des Abiturjahrgangs 1963 des Theodor-Heuss-Gymnasiums. Hier fehlen die Frauen allerdings nicht, weil man sich einen Herrenabend machen möchte, sondern weil die Schule seinerzeit eine reine Knabenschule war. Seit ihrem Abitur treffen sich die Schüler jedes Jahr. „Alle fünf Jahre machen wir ein größeres Treffen und gehen richtig gut aus“, sagt Alfred Grimm, der diese Treffen seit 55 Jahren organisiert. Zu diesen Gelegenheiten kommen dann auch seine ehemaligen Klassenkameraden, die es mittlerweile in die Ferne verschlagen hat, wieder zurück nach Dinslaken.

Kurt Holm etwa ist aus Baden in der Schweiz in der Nähe von Zürich angereist. „Ich komme eigentlich immer alle fünf Jahre zu den besonderen Treffen“, sagt der 74-Jährige. „Es ist immer etwas besonderes, die früheren Klassenkameraden zu sehen und auch zu sehen, wie sie sich verändert haben“, sagt Holm. Denn schließlich kennen sich die Klassenkameraden vor allem aus einer Zeit, in der sie alle gerade um die 18 waren. „Ich komme eigentlich jedes Jahr zum Treffen“, erzählt Klaus Höcker. Der 77-Jährige ist dafür aus Ostfriesland angereist. „Ich war immer der Jüngste in der Klasse“, berichtet Kurt Holm. „Damals fielen solche Altersunterschied noch auf. Heute eher nicht mehr.“

 Alfred Grimm mit den von ihm geretteten Klassenbüchern aus allen Jahrgängen des THG-Abiturjahrgangs 1963
Alfred Grimm mit den von ihm geretteten Klassenbüchern aus allen Jahrgängen des THG-Abiturjahrgangs 1963 Foto: MB/Matin Büttner

Damals war vieles anders. Davon zeugen auch noch die alten Klassenbücher der Abiturklasse von 1963. Durch einen Zufall bekam Alfred Grimm diese besonderen Zeugnisse des Schulalltags in die Hände. „Ich kam nach meinem Studium als Lehrer zum Theodor-Heuss-Gymnasium zurück“, erzählt Grimm. „Eines Tages stand ein großer Lastwagen auf dem Parkplatz und der Hausmeister erzählte mir, dass nicht mehr benötigte Dokumente entsorgt werden sollen“, erzählt Alfred Grimm. Sofort kam ihm die Eingebung, dass er dort wohl auch etwas von seinem Abiturjahrgang finden könnte. Und tatsächlich: Grimm fand die Klassenbücher von der Sexta (Klasse 5) bis zur Oberprima (Jahrgang 13). „Darüber könnte man vermutlich eine Doktorarbeit schreiben“, sagt er.

 Der THG-Abiturjahrgang 1963 bei seiner Entlasssung
Der THG-Abiturjahrgang 1963 bei seiner Entlasssung Foto: MB/Martin Büttner

Denn die Dokumente aus den 50er- und 60er-Jahren sind ein Sammelsurium der Kuriositäten, zumindest aus heutiger Sicht. Das fängt für Grimm schon mit den Noten seiner früheren Mitschüler an, die sich nicht unbedingt an der Obergrenze des Leistungsspektrums bewegten. „Wir waren keine gute Klasse, aber eine tolle Klasse“, kommentiert Alfred Grimm Notenspiegel von Lateinarbeiten, die einen wundern ließen, wie seine Mitschüler und er es zum Abitur gebracht hätten „Gelegentlich fand sich bei einem Lehrer auch mal ein ‚unzensierbar’ als Kommentar unter einer Arbeit“, erinnert sich Alfred Grimm.

Wesentlich unterhaltsamer sind allerdings die Notizen der Lehrer zu Schülern und Klasse. Von einer „unbeschreiblichen Unordnung der Klasse bei Schulschluss“ über die sich sogar die Putzfrau beschwerte, ist dort zu lesen. „Eine Stunde Arrest wegen groben Unfugs“ gab es für zwei von Grimms Mitschülern. Das Wort „flegelhaft“ taucht als Beschreibung für das Verhalten der jungen Schüler ebenso auf, wie die Anmerkung, dass einer der Klassenkameraden unter der Bank lieber eine Wasserpistole reparierte, als dem Unterricht zu folgen. Und auch mit Streichen geizten die damaligen Jungen zu ihrer Schulzeit nicht. Mit Knackfröschen trieben sie während einer Unterrichtsstunde ihren Biologielehrer mit anhaltenden Störgeräuschen an den Rande der Verzweiflung. „Wir haben auch einmal eine Tür ausgehängt, so dass sie unserem Erdkundelehrer, der sie immer dramatisch öffnete, komplett entgegenkam“, berichtet Grimm.

55 Jahre nach dem Abitur leben noch 19 der damals 20 Abiturienten. „Einer unserer Mitschüler ist kurz nach dem Abitur bei einem Unfall ums Leben gekommen“, berichtet Alfred Grimm. Und aus allen ist etwas geworden. „Ungewöhnlich viele sind später selbst zu Lehrern geworden“, stellt Alfred Grimm fest. Er selbst ist einer von elf der ehemaligen Klassenkameraden, die sich für den Lehrerberuf entschieden. „Alles in allem waren wir mit unseren Lehrern ganz zufrieden, und ich habe auch einige Tricks und Kniffe von ihnen gelernt, die ich später selbst als Lehrer angewendet habe“, berichtet der Kunstpädagoge.

Die hervorstechende Eigenschaft der Klasse ist aber wohl der Zusammenhalt – seit 55 Jahren. Wenn es in fünf Jahren noch ein Klassentreffen geben würde, wären einige gerne wieder mit dabei. „Wenn ich dann noch atme, komme ich“, sagt Klaus Höcker. „Wenn ich dann noch so fit bin wie jetzt, würde ich auch wieder kommen“, sagt Kurt Holm. Also: Vielleicht sieht man sich ja zum 60-jährigen Abitur im Jahr 2023 wieder.