Interview: Reportage Am Montag Shantychor Hiesfeld: Dinslaken stellt Shanty-Weltrekord auf

Interview: Reportage Am Montag Shantychor Hiesfeld : Dinslaken stellt Shanty-Weltrekord auf

Mit 1867 Sängern trat auf der Trabrennbahn der größte Shantychor der Welt auf und sang klassische Seemannslieder.

Schon aus einiger Entfernung ist die Stimme von Chorleiter Thomas Baumann zu hören. Auf einer kleinen Bühne am Rande der Rennstrecke auf der Trabrennbahn steht der Chorleiter des Shantychor Hiesfelds und versucht, die Menschen, die sich vor den Gebäuden der Trabrennbahn versammelt haben, auf die Strecke zu dirigieren. "Lauft bitte an der Zählstelle vorbei. Das hier ist schließlich ein Weltrekord-Versuch", sagt der Musiker über Mikrofon. Die Menschen setzen sich in Bewegung, um auf die Strecke zu kommen und sich dort zum größten Shantychor der Welt zu formieren.

Unter ihnen ist auch Benedikte Baumann, künstlerische Projektleiterin von "Sing - Day of Song". Für den Weltrekord-Versuch ist sie nach Dinslaken gekommen. "Ich sehe die Menschen strömen und bin gespannt, was jetzt gleich hier passiert", sagt sie. Derweil stimmt Thomas Baumann die Sänger auf der Bahn schon mal auf den bevorstehenden Rekordversuch ein und erläutert den Ablauf. "Es wird gleich für jedes der Stücke einen oder mehrere Vorsänger geben und ihr müsst nur einzelne Textzeilen als Antwort zurücksingen", erklärt er. Die Idee dahinter: So sollen auch die musikalischen Laien, die zum Rekordversuch angereist sind, einfach am Chorgesang teilnehmen können.

Allerdings sind auch viele Profis in Sachen Shanty-Musik angereist. Natürlich zählen dazu Chöre aus dem Ruhrgebiet - aber auch aus der übrigen Republik. Dazu sind Gesangsgruppen aus der Niederlanden und aus Belgien angereist. Einige Gäste im Publikum kommen gar aus England zum Rekordversuch. Denn neben dem Shantychor Hiesfeld und der Stadt Dinslaken hatte auch die International Shanty and Seasong Association (ISSA) zum Rekordversuch an der Trabrennbahn eingeladen. Das macht ein langes Einsingen überflüssig, wie Thomas Baumann schnell feststellt, als er mit den versammelten Menschen das erste Lied anstimmt: "Ich wollte eigentlich mit Euch proben, aber das habt Ihr ja gar nicht nötig. Ihr könnt das ja!", freut sich der Chorleiter.

Dann wird es spannend. Gelingt der Weltrekord-Versuch auf der Trabrennbahn. Der erste Zwischenstand gibt noch keinen Anlass zur Freude. Noch sind weniger Sänger als geplant anwesend. "Nach derzeitigem Stand sind wir schon mal der größte Shantychor in Dinslaken", scherzt Thomas Baumann von der Bühne. Weitere Besucher strömen auf die Trabrennbahn, bis der Zähler bei 1650 Sängern stoppt. Das reicht nicht. "Jetzt ruft noch mal jeder Dinslakener hier seine Bekannten an, damit noch mehr Menschen zum Singen kommen", sagt Baumann und seiner - halb scherzhaften - Bitte wird Folge geleistet. Sänger zücken ihre Mobiltelefone, rufen Freunde an und die kommen. Am Ende sind es 1867 Sänger, die gemeinsam Lieder anstimmen. "Ich hatte nicht mehr damit gerechnet, aber jetzt haben wir es geschafft", freut sich Thomas Baumann. Auch Bürgermeister Dr. Michael Heidinger freut sich über den Weltrekord für Dinslaken. "Es war ein ehrgeiziges Unterfangen, aber es ist geglückt. Wir sind mächtig stolz auf die engagierten Bürger der Stadt, die das möglich gemacht haben", sagt er. Dann feiern die Beteiligten ihren Weltrekord.

(fla)