Dinslaken: Stadtbibliothek und VHS feiern Geburtstag

Volkshochschule Dinslaken : Die Kritiker sind längst verstummt

Vor 30 Jahren wurde der Sitz von Stadtbibliothek und Volkshochule an der Friedrich-Ebert-Straße eingeweiht. Den Geburtstag feierten die Dinslakener Institutionen mit einem Festakt.

Ein großer Saal, ein Ort, ein Mysterium. Endlose Reihen voller Bücher. Und jedes Buch hat eine Seele: erweckt aus der Seele des Autors, aber auch von jedem, der das Buch in die Hand nahm, in den Seiten blätterte, die gedruckten Worte las.

Ganz so poetisch-verklärt wie die hier beschriebene „Bibliothek der vergessenen Bücher“ in Carlos Ruiz Zafón „Der Schatten des Windes“ geht es im Gebäude der Stadtbibliothek Dinslaken nicht zu. Aber der Auftrag, den VHS-Leiter Werner Schenzer in der Feierstunde zum 30-jährigen Bestehen des gemeinsamen Sitzes von Bibliothek, VHS und Fachdienst Kultur an der Friedrich-Ebert-Straße formulierte, ist nicht weniger hehr: „In Zeiten, in denen Teile der Gesellschaft auseinanderdriften, ist es unsere Aufgabe vor Ort, daran zu arbeiten, dass die zwischenmenschliche Wärme hier ein paar Grad höher ist als anderswo.“

1986 wurde der Grundstein für den Bau gelegt, „Auf diesem Grundstein soll ein Haus des Friedens wachsen“, habe man auf Pergament geschrieben mit ins Fundament gelegt, erinnerte sich Edith Mendel, die Leiterin der Stadtbibliothek. Ein Frieden, der in den zwei Jahren bis zur Eröffnung 1988 wirklich erst wachsen musste. Bürgermeister . Heidinger betonte in seiner Festrede am Freitagabend im Dachstudio den überregionalen Ruf von Bibliothek und VHS, ging aber auch auf die damaligen Diskussionen ein, in denen der Neubau als zu teuer und unnötig kritisiert wurde. Zu viel Geld für Ikebana-Kurse und Reiseführer. Die Realität sollte die Kritiker schnell verstummen lassen. Längst sind die einstigen Vorurteile der VHS gegenüber der Erkenntnis nach der Wichtigkeit des „lebenslangen Lernens“ - einem Schlagwort jüngerer Zeit – gewichen. Und die Stadtbibliothek hat von der Einrichtung des Internetcafés in den 90ern, als der private Netzzugang noch längst keine Selbstverständlichkeit war bis zur digitalen Ausleihe bewiesen, dass sie Vorreiter im Umgang mit digitalen Medien ist – und zugleich die Lust am Lesen in echten Büchern bewahrt.

Dass das Gebäude aber in kürzester Zeit zum Ort für alle Dinslakenerinnen und Dinslakener wurde, liegt aber auch am Dachstudio: Kabarett, Kindertheater, Konzerte, Lesungen. So wie am Freitag auch. Denn schnell wurde aus der Feierstunde ein literarischer-musikalischer Leckerbissen. Jule Vollmer führte, begleitet von Elmar Bissiger am Klavier, in die Welt des Buches.

Von der eingangs erwähnten Bibliothek der vergessenen Bücher ging es ins Arbeitszimmer des Arztromans-Schreibers, dessen Charaktere nicht mehr so wollen, wie er und es sich in einer modernen Vorabendserie bequem machen (ein sehr vergnüglicher Originaltext von Vollmer selbst).

Hilde Domins Wort trifft das Herz genauer als jedes Messer, die Muse küsst zu „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ Shakespeare und Heine gleichermaßen gern und Patrick Süßkind vergisst schlicht und einfach alles, was er je von anderen Autoren gelesen hat, um den Kopf für eigene Buchideen frei zu haben.

(bes)