Dinslaken: Skulptur erinnert an Jeanette Wolff

Dinslaken: Skulptur erinnert an Jeanette Wolff

Die Künstlerin Steffi Schöne und Bürgermeister Michael Heidinger enthüllten gemeinsam die Säule auf dem Platz neben der Neutor-Galerie. Zum Andenken an eine Frau, die sich für Verständigung, Frieden und Versöhnung einsetzte.

Sie war eine gläubige Jüdin und überzeugte Sozialdemokratin, die sich politisch engagierte. Zur Erinnerung an Jeanette Wolff wurde am Dienstagabend auf dem Platz neben der Neutor-Galerie am Rutenwall eine Skulptur enthüllt. Es handelt sich um eine polierte Edelstahlsäule, auf der sich das Gesicht von Jeanette Wolff spiegelt, das auf dem Boden vor der Säule aufgemalt ist. Zahlreiche Bürger waren zu der Feier erschienen, die musikalisch vom Blechbläserensemble der Musikschule Dinslaken und mit Wortbeiträgen von Jugendlichen des Berufskollegs mitgestaltet wurde. Gemeinsam enthüllten Steffi Schöne, die das Kunstwerk entworfen hat, und Bürgermeister Michael Heidinger die Skulptur. Danach nutzen einige der Besucher die Gelegenheit, sich mit der Künstlerin zu unterhalten, oder sie betrachteten aus verschiedenen Perspektiven das sich auf der Säule spiegelnde Gesicht von Jeanette Wolff.

Die Skulptur sei ein Symbol für das Dinslaken, das sich für Toleranz und gegen Gewalt einsetze, sagte Bürgermeister Heidinger in seiner Rede. Mit diesem Kunstobjekt sei eine würdige Form gefunden worden, Jeanette Wolff im Stadtbild zu verankern, nachdem es die Realschule, die den Namen dieser Frau trug, seit vier Jahren nicht mehr gebe. Der Ort für die Skulptur sei mit dem Jeanette-Wolff-Platz gut gewählt worden, denn der er befinde sich in unmittelbarer Nähe der früheren Realschule in der neu gestalteten Innenstadt. „Das Werk ist geglückt“, befand der Bürgermeister, die Skulptur reihe sich ein in die Dinslakener Erinnerungsstätten.

Aus welcher Perspektive ist das sich
Aus welcher Perspektive ist das sich auf der Säule spiegelnde Gesicht am besten zu sehen? So manch einer probierte es aus. Foto: Heinz Schild

Jürgen Grafen, früherer Ratsherr, der für seine historischen Studien gerade mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet worden ist, erinnerte in seiner Rede an Jeanette Wolff Er zeichnete das Leben einer zeitgeschichtlich bedeutenden Frau nach, bescheinigte ihr eine „beeindruckende Lebensleistung“, beschrieb sie als Kämpferin gegen Rassismus, Intoleranz und Unterdrürckung.

Künstlerin Steffi Schöne im Gespräch mit
Künstlerin Steffi Schöne im Gespräch mit einem Teilnehmer der Veranstaltung zur Enthüllung der Skulptur auf dem Jeanette-Wolff-Platz. Foto: Heinz Schild
  • Dinslaken : Säule steht nun an der Neutor-Galerie

Jeanette Wolff lebte von 1888 bis 1976. Geboren in Bochol, kam sie 1932 mit ihrer Familie nach Dinslaken. Die Nationalsozialisten verschleppten sie, ihren Mann und die drei Töchter in Konzentrationslager. Nur Jeanette Wolff und ihre Tochter Edith überlebten. Nach 1945 engagierte sie sich in der Politik. Sie setzte sich für Frieden, Toleranz und Versöhnung sowie für christlich-jüdische Zusammenarbeit ein. Jeanette Wolff, die dem Deutschen Bundestag angehört hatte, starb im Jahre 1976 in Berlin. „Mit Hass kann ich nicht leben“, habe das Lebensleitmotto dieser engagierten Frau gelautet, sagte Jürgen Grafen.

Nachdenklich stimmte ein junger Afghane, der als Flüchtling nach Deutschland gekommen ist und gegenwärtig das Berufskolleg Dinslaken besucht, mit seinem Wortbeitrag die Menschen auf dem Jeanette-Wolff-Platz.

Er erzählte davon, wie er seine Heimat Afghanistan verließ, ein Land in dem immer noch kein Frieden herrscht, wie er ging, weit weg, ganz allein, ohne Abschied zu nehmen, seine Mutter zurückließ – und heute unglücklich ist.