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Dinslaken: Pfarrer Wilfried Faber-Dietze geht in den Ruhestand

Verabschiedung : Faber-Dietze geht in den Ruhestand

Pfarrer wird am Sonntag in der evangelischen Stadtkirche feierlich verabschiedet.

„Für mich war Lohberg wie ein Sechser im Lotto“, sagt Pfarrer Wilfried Faber-Dietze, der am Sonntag, 3. Februar, um 11 Uhr in der Evangelischen Stadtkirche in Dinslaken in einem feierlichen Gottesdienst von Superintendent Friedhelm Waldhausen in den Ruhestand verabschiedet wird. Anschließend geht es im Gemeindehaus an der Duisburger Straße weiter.

Der langjährige Berufsschulpfarrer am Berufskolleg Dinslaken denkt gerne an seinen Anfang in der damals noch selbstständigen Kirchengemeinde Lohberg zurück. Ab 1984 war er zunächst Vikar beim damaligen Lohberger Pfarrer Harro Düx, anschließend blieb er in der Gemeinde als Pfarrer im Sonderdienst bis 1990.

Geprägt von der Theologie der Befreiung und der Pädagogik der Unterdrückten mit Lehrern wie Paolo Freire, Ernst Lange oder Marie-Luise Schottroff begann er seinen Dienst mit der Frage: „Wo ist die Dritte Welt in der ersten Welt unserer Städte?“ Eigentlich wollte er in eine Ruhrgebietsstadt. Es wurde Lohberg. Das war für ihn, wie er selbst sagt, ein „Volltreffer“. Und er wollte mittendrin wohnen mit seiner Familie. Er mag die Mentalität der Menschen in Lohberg, und es gehört für ihn dazu, das Leben derer, für die man arbeitet, auch vor Ort zu teilen.

Es gehört für ihn auch dazu, sich einzumischen. Und so entwickelte sich bald sein Engagement für den christlich-islamischen Dialog, für den er bis zum Eintritt in den Ruhestand aktiv blieb. Angestoßen durch einen Konvent der Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenkreises in der Lohberger Moschee im Jahr 1985, organisierte er viele Begegnungen und Veranstaltungen zu theologischen Themen wie: „Gott und Beten im Christentum und im Islam“. Er organisierte Fachreferenten, zunächst für die Gemeinde, später für den ganzen Kirchenkreis Dinslaken. Schließlich wurde er für den Evangelischen Kirchenkreis auch der offiziell nominierte Synodalbeauftragte für den christlich-islamischen Dialog. Dazu gehörte für ihn immer auch der Kontakt zur Kommune und ihren Vertretern. Gemeindearbeit ist für ihn parteiische Gemeinwesenarbeit. Seit einem Jahr ist er auch im Vorstand des Forum Lohberg aktiv.

1990 wechselte er dann in die Berufsschulpfarrstelle am Berufskolleg Dinslaken. Dort unterrichtete er Evangelische Religionslehre mit einer Dreiviertel-Stelle. Mit dem restlichen Viertel seines Dienstes baute er die Fachschule für Heilpädagogik mit auf, die es seit 1992 in Dinslaken gibt. Dort unterrichtete der Theologe mit einer gestaltseelsorglichen Zusatzausbildung „Gesprächsführung und Einzelhilfe“ im Rahmen des Faches „Beratungsverfahren“. Auch an der Schule setzte Faber-Dietze ganz eigene Akzente. Er begründete unter anderem das „Forum aktuell“ mit. Dafür gelang es ihm, renommierte Referenten zu Vortragsveranstaltungen zu engagieren wie Klaus Hurrelmann, Andreas Zumach, Friedrich Schorlemmer oder auch Peter Zudeick.

Als Berufsschulpfarrer lag ihm die Arbeit mit schwachen Schülerinnen und Schülern, die keinen oder nur einen schwachen Schulabschluss haben, besonders am Herzen. Er unterrichtete diese Jugendlichen in Berufsorientierungsklassen. Erklärtes Ziel ist es, dass sie einen Hauptschulabschluss und eine Berufsausbildung erlangen. In den Klassen findet Faber-Dietze viele Lohberger Jugendliche wieder, aber auch viele Migranten- oder auch Flüchtlingskinder.

Vorausblickend auf den Ruhestand kam für ihn die Frage auf, ober er wegzieht mit seiner Frau, in die Nähe der Kinder und Enkel. Aber, so Faber-Dietze, der seit 1992 im Ortsteil Hiesfeld wohnt, „das kam für mich nicht in Frage. Dass ich mich immer eingemischt habe, hat mich stark verwurzelt. Es hat mich verbunden mit den Menschen in Dinslaken und Lohberg.“

(lev)