Dinslaken: Mit Prosper-Haniel hat der letzte Betrieb einer Steinkohlenzeche geschlossen

Dinslaken : Endgültig Schicht im Schacht

Mit Prosper-Haniel hat der letzte Regelbetrieb einer Steinkohlenzeche geschlossen. Mit einem großen Familienfest wurde am Samstag auf Lohberg die Bergbau-Ära gefeiert. Das Programm sprach alle Altersgruppen an.

„Als sich die Räder im Förderturm nicht mehr drehten, kam das Gefühl auf: es stimmt etwas nicht mehr.“ Dieter Gosch wohnt im Schatten des Förderturms und erinnert sich an den Ausstieg der Kohleförderung auf Lohberg. Für ihn hieß es zwar schon Jahre vor der Schließung „Schicht im Schacht“, doch einmal Bergmann heißt immer Bergmann. Und so stimmt es ihn schon traurig, dass mit dem Abschluss des Regelbetriebs auf Prosper-Haniel die letzte Steinkohlenzeche in Deutschland schließt.

Am Samstag hieß es daher auch im Bergpark des alten Zechengeländes „Schicht im Schacht“ zum Gedenken an eine 100-jährige Ära im Dinslakener Ortsteil Lohberg. Ein voller Erfolg für die Organisatoren rund um Janet Rauch von der Stiftung Ledigenheim. „Viele Ehreamtliche aus dem Stadtteil haben zum Gelingen dieses Festes beigetragen“, so Janet Rauch, das sei einfach großartig. Ob Caritas, Diakonie, Arrahma-Moschee oder der deutsch-türkische Elternverein, um nur einige zu nennen: Sie alle hatten ihre Zelte aufgebaut, boten kleine Köstlichkeiten an oder Aktionen für den Nachwuchs. Da krabbelte die dreijährige Milla mit Helm und Bergmannsjacke durch eine dunkle Luttenleitung (einst für Bewetterung unter Tage benötigt) und fand es einfach nur „cool“. Andere Kinder schippten Kohle, um diese dann vom „Turm ins Kohlenlager“ zu kippen. Wieder andere gestalteten lieber Stoffbeutel mit dem Förderturm-Logo oder tobten nur einfach herum. Jedenfalls hatten alle ihren Spaß.

Ein buntes Rahmenprogramm sorgte den ganzen Tag für Stimmung im Bergpark. Foto: FUNKE Foto Services/Jochen Emde

Unterdessen zog es die Nostalgiker ins große Zelt, denn dort boten knapp 30 Aussteller ihre Waren rund um den Bergbau feil. Da gab es unter anderem Grubenlampen, Häckel, Bergmannsseife, Taschen und Rucksäcke mit dem Ruhrpott-Slogan, Grubenhemden und -handtücher, Sauerstoffgeräte und vieles mehr. Klar, dass hier gefachsimpelt wurde, den Familienangehörigen die Handhabung vieler Gerätschaften erklärt wurde. Und es kam ein wenig Wehmut auf. „Es ist schmerzlich für mich, das alles hier zu sehen“, gibt Siegfried Rönnebach zu. 38 Jahre lang hat er auf der Zeche Lohberg gearbeitet, erst als Elektriker, dann als Steiger und Fahrsteiger. „200 Jahre Bergbau sind jetzt im Ruhrgebiet vorbei, viele Generationen haben hier gearbeitet, viele von den Jungen können sich schlecht in einen anderen Handwerk zurechtfinden, das ist schon bitter.“ Für ihn sei die Arbeit im Bergbau ein Glücksfall gewesen, erzählt er. Imerhin habe Werner Hoffmann als Bergwerksdirektor dafür gesorgt, dass die Kumpels bauen konnten. Seit 48 Jahren nenne er deshalb ein Haus sein eigen.

Beim Reviermarkt gab es vieles rund um den Bergbau zu erstehen. Foto: FUNKE Foto Services/Jochen Emde

„Die Welt wandelt sich, so auch hier“, meint hingegen Horst Ipta lakonisch. Einst hatte er unter Tage die Arbeiter mit der Schienenlok in weitere entfernte Schächte gebracht. „Das war schöne Arbeit“, erinnert er sich gerne. „Aber die Schließung der letzten Zeche stimmt mich nicht gerade traurig.“ Auch Dieter Gosch hat den Wandel längst akzeptiert. Und doch fehlt ihm im Bergpark und auf dem Lohberg-Corso die Erinnerung an die vergangene Ära. Das zu ändern, wäre wichtig. „Es ist gut, dass der Förderturm erhalten bleibt und auch bald die Seilbahnräder wieder angebracht werden. Aber es muss mehr Bergbaugeschichte hier sichtbar werden, so wie Förderwagen und andere Dinge. Noch gibt es sie. Doch wie lange noch, bevor sie endgültig verschrottet werden?“, fragt er sich.

Fazit: Es war also ein Familienfest, das zwar mit ein wenig Wehmut verbunden war, aber auch mit Freude an der Zukunft des Stadtteils.

(big)
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