Dinslaken: Konzert gegen Rechts mit 300 Besuchern auf der Burghofbühne

Dinslaken : Konzert mit Aufbruchstimmung

Das „Rock gegen Rechts“-Festival auf dem Tenterhof stand unter dem Eindruck der vorhergehenden Demonstration. An ihr hatten rund 800 Frauen, Männer und Kinder teilgenommen – deutlich mehr, als die Organisatoren erwartet hatten.

Der Soundcheck läuft noch, während sich langsam, aber stetig der geräumige Innenhof des Tenterhofs füllt. Und spürbar strömt mit den Menschen eine besondere, frische Energie auf den Platz. Es ist die Energie, die sich zuvor auf dem Weg vom Altmarkt zum Bahnhofsvorplatz aufgebaut hat: Das Gefühl, seine Meinung frei zu sagen, sich für die richtige Sache, die nicht die rechte ist, einzusetzen und dabei nicht allein zu sein. Noch nennen die Teilnehmer der Demo gegen Rechts, die sich zum anschließenden von der Burghofbühne initiierten Konzert gegen Rechts auf dem Gelände des Landestheaters eingefunden haben, unterschiedliche Zahlen. Doch dann verbreitet sich die offizielle, von der Polizei herausgegebene Anzahl der Demonstranten: 800. Mehr, als das Bündnis gegen Rechts, die Burghofbühne und die Gewerkschaft GEW und der DGB erwartet haben.

Ein ähnliches Bild bietet nun auch der Tenterhof, dessen Innenhof sich zu Beginn des Festivals beim Auftritt von den Jukebox Heroes gut gefüllt hat. 250 bis 300 Besucher sind da. Kinder werden  mit dicken Hörschonern vor der Bühne sitzen, die in den Eingang zum Studio gebaut wurde.

Als „familiär“ beschreibt Nadja Blank die Atmosphäre bei der Demo, das Adjektiv trifft es nun auch hier an diesem Freitagabend. Viele bekannte Gesichter, Kulturschaffende, Multiplikatoren, Initiatoren, Lehrer. Menschen, die in Dinslaken kulturell schon einiges angestoßen haben und die nun gemeinsam gegen Rechts eintreten. „Dieser Abend ist eine Initialzündung“, ist sich Pino Juliano vom Bündnis gegen Rechts sicher. Aber nicht alle, die sich im Tenterhof einfinden, kommen von der Demo. Der Name „Zechenwerkstatt“ fällt, mit einem Leuchten in den Augen. Dort wurde die „Welcome Party“ gegeben, das interaktive Stück über Flucht und Ankommen der Theater-Rites.

Auch die Bands auf der Bühne, die alle ohne Honorar spielen, setzen Statements. Den Abschluss des Abends bilden nach dem herrlich-heftigen Rock’n’Roll von Redlight Six, der nach Ramones mit Kontrabass klingt, und Beatmartin mit großartigen Ska-Bläsern Kreftich. Dinslakener Punk-Urgesteine, die drei Wochen vor dem Release schon einen Vorgeschmack auf ihr neues Album gaben.

Warum so kurz vorher noch „Rock gegen Rechts“? Eine Frage, die sich bei Kreftich eigentlich erübrigt. „Wir waren immer gegen Rechts, schon bevor es Kreftich gab“, bestätigt Hagi. Was sich geändert hat? „Früher setzten sich die Rechten auch optisch deutlich ab. Heute dringen die rechten Parolen mehr in die Gesellschaft ein, werden aber hinter verschlossenen Türen geäußert“, so seine Einschätzung. Er kündigt an, dass es auch auf dem neuen Album sehr persönliche Texte zu dem Thema geben wird.

Eyüp Yildiz nahm als stellvertretender Bürgermeister an der Demonstration teil, sah sich auch das anschließende Rockkonzert an. Diesen latenten Rassismus, den Hagi erwähnte, hat der gebürtige Lohberger schon selbst erfahren. „Dabei zählt doch eigentlich nur eines: man ist ein Mensch.“ Und weiter sagte er: „Es ist an der Zeit, dass wir unsere Werte verteidigen“. Und damit beschränkt Yildiz sich keinesfalls nur auf Deutschland. „Wir müssen Faschismus als internationales Problem erkennen und benennen. Es gibt den türkischen, den ungarischen, den italienischen und mehr.“

(bes)
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