Dinslaken: Katalog zu den Ausstellungen über Felix Holleneberg

In den Museen Dinslakens : Hollenberg – ein Katalog als Lesebuch

Zu den Ausstellungen im Stadthistorischen Zentrum Dinslaken und im Kunstmuseum Albstadt ist ein umfangreicher Katalog erschienen. Er wirft Schlaglichter auf die Kunst Hollenbergs und leuchtet sein Lebensumfeld aus.

Der Geburtstag von Felix Hollenberg jährte sich am 15. Dezember 2018 zum 150. Mal und das Kunstmuseum Albstadt und das Stadthistorische Zentrum Dinslaken haben den Maler und Radierer zum Geburtstag reich beschenkt: Zwei Ausstellungen in Dinslaken und Albstadt, eine vom stadthistorischen Zentrum aus betreute eigene Internetseite (www.felix-hollenberg.de) und nun – etwas später als geplant, aber gut Ding will Weile haben – der Katalog zu beiden Ausstellungen mit dem Titel „Felix Hollenberg 1868 - 1945. Maler-Radierer zwischen Niederrhein und Schwäbischer Alb“.

Ein Katalog. Ja und nein. Es gibt prächtig reproduzierte, ganzseitige Abbildungen seiner Radierungen und Ölbilder und die Textbeiträge stammen von verschiedenen Autoren. Aber zugleich ist der 264 Seiten starke Band in ansprechender Ausstattung mit dunkelblauem Vorsatzpapier und Lesebändchen auch mehr.

Sich selbst als Ergänzung zur 1983 erschienenen Künstlermonographie von Friedhelm Röttger und natürlich zu Hollenbergs „Handbuch für Malerradierer“ verstehend, wirft das neue Buch nicht nur Schlaglichter auf das, was die Kunst von Hollenberg ausmacht. Es leuchtet das Umfeld aus, in dem die Werke entstanden: Dinslaken, das sich in Hollenbergs Jugendtagen vom ländlich geprägten Flecken mit großem Viehmarkt zum Industrie- und Zechenstandort wandelte.

Die Familie von Felix Hollenberg zwischen dem Technologievertrauen des Vaters und der künstlerisch kreativen Ader seiner Söhne – ein Maler, ein Komponist und ein Doktor der Chemie, der sich als Opernsänger verdingte. Hollenbergs politische Freunde, darunter die Marxistin Clara Zetkin. Und andere Radierer und Radiererinnen, die um die Jahrhundertwende die Drucktechnik, die im 19. Jahrhundert zur Reproduktion genutzt wurde, als selbstständige Kunstform wiederentdeckten, wie es Volker Lehnert nach seinem anregenden Vortrag vor einem Jahr im Dachstudio Dinslaken nun auf dem Papier ausführt. Hollenberg und seiner Beschäftigung mit Rembrandt widmet Veronika Mertens, die Leiterin des Kunstmuseums Albstadt, in ihrem Beitrag über das „soziale Netzwerk“ des Künstlers ein eigenes Unterkapitel.

Womit man bei den Autoren des Buches wäre – es sind in Dinslaken bekannte Namen darunter. Stadtarchivarin Gisela Marzin hat sich eingehend mit Hollenbergs in Dinslaken lebender Familie beschäftigt, ihr Mann Joachim Schulz-Marzin stellt den „roten Hollenberg“ vor. Peter Theißen, Leiter des Museums Voswinckelshof, stellt Dinslaken und insbesondere die Gegend von Hiesfeld, Hollenbergs beliebtes Motiv noch lange nach seinem Umzug nach Stuttgart, in den Kontext des Ruhrgebiets im 19. Jahrhundert, das sein Gesicht durch die Industrialisierung in jenen Jahrzehnten für immer veränderte. Denn bei allen Renaturierungsbemühungen, die Gegend wird über wie unter Tage immer vom Industriezeitalter geprägt bleiben.

Felix Hollenberg war ein Gegner dieser Entwicklung. So wie er den Begriff „impressionistisch“ äußerst ironisch auf seine ersten Druckversuche mit einer alten Zigarrenpresse anwendet – in Dinslaken gab es, was heute fast vergessen ist, mehr als ein halbes Dutzend Zigarrenfabriken. Aber Hollenberg war weder rückwärtsgewandt noch heimattümelnd. Das Buch lässt ihn dazu in mehreren Kapiteln selbst zu Wort kommen.

Und so ist der Katalog zum 150. Geburtstag Hollenbergs nicht nur für Liebhaber seiner Kunst interessant, sondern auch ein informatives Lesebuch für alle, die sich für das alte Dinslaken oder für künstlerische und gesellschaftliche Strömungen um 1900 abseits des Mainstreams von Impressionismus, Avantgarde und Expressionismus interessieren.

Komplettiert wird „Felix Hollenberg 1868 - 1945“ unter anderem von einem Verzeichnis der Fachbibliothek des Landschaftmalers: von Leonardos Traktat der Malerei bis zu diversen Lehrbüchern über Geologie.

(bes)
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