Dinslaken: Händler mit Einführung von Mehrwegdosen im Supermarkt zufrieden

Weniger Plastik kaufen : Händler zufrieden mit Einführung von Mehrwegdosen

Seit Monaten können Kunden bei Edeka in Friedrichsfeld eigene Behälter über die Fleisch- und Käse-Theke reichen, statt alles in Folien packen zu lassen. Die Bilanz: Es läuft tatsächlich gut. Der Händler denkt über nächste Schritte nach.

Dass sie Leberwurst am Stück, Käse in Scheiben oder Grillfleisch nicht mehr in Folie wickelt, sondern den Kunden direkt in die mitgebrachte Mehrwegdose legt – für Iris Bönneken, die bei Edeka in Friedrichsfeld hinter der Frische-Theke steht, ist das jetzt alltägliche Routine. Vor allem jüngere Kunden sind es, die ihre eigenen Verpackungen mitbringen. „Ein paar Ältere sind auch dabei, aber überwiegend sind es junge Leute“, erzählt sie. „Mal sind es am Tag vielleicht zwanzig“, mal etwas weniger, zum Wochenende hin tendenziell mehr. Negative Reaktionen gab und gibt es überhaupt nicht, sagt Bönneken: „Gar keine. Nicht eine.“

Als er in seinem Markt zum Anfang des Jahres die Möglichkeit schuf, mit eigenen Tupperdosen einzukaufen, sei er erstmal richtig überrascht gewesen von dem kleinen Hype, den das direkt auslöste, sagt der Inhaber, der selbstständige Kaufmann Andre Stepper. Heute wertet er den Versuch als soliden Erfolg. „Wir haben einen festen Kundenstamm, der die Sache mitträgt“, ergänzt er.

Bedenken, die es gab, hätten sich in Luft aufgelöst. „Wir haben Angst gehabt, dass sich gerade samstags zu Stoßzeiten Schlangen bilden. Aber das war unbegründet.“ Obwohl das Befüllen von Mehrwegdosen ein paar Sekunden länger dauere, habe es bislang keine Probleme gegeben. Auch Mitarbeiter, die anfangs noch skeptisch waren, sähen das jetzt so.

Auch Stepper erlebt, dass es speziell jüngere Menschen sind, die ihre eigenen Verpackungen mitbringen. „Gerade junge Mütter mit Kindern“, sagt er und schlussfolgert: „Die schauen auf die Zukunft und darauf, dass die Umwelt geschont wird.“ Die Mehrweg-Netze für Obst und Gemüse fänden bei ihm ebenfalls großen Absatz.

Für sein Geschäft habe die Initiative eigentlich nur Vorteile, nicht zuletzt einen Imagegewinn. „An der Theke und im ganzen Markt werden wir viel dafür gelobt“, sagt der Kaufmann. Dabei wüssten die Kunden durchaus, dass sie mit ein paar Plastikbeuteln weniger bei einem gelegentlichen Einkauf nicht die Welt retteten, räumt er ein. „Sie finden es einfach gut, dass wir den Stein ins Rollen gebracht haben“, meint er. „Und wir haben keine Umsatzeinbußen bemerkt. Im Gegenteil.“

Stepper glaubt, dass Initiativen für mehr Nachhaltigkeit für Geschäftsleute mit Blick auf die Nachfrage auch wirtschaftlich vernünftig sind. „Wir werden uns als Handel umstellen müssen“, prognostiziert er. „Die Generation, die jetzt nachrückt – die Schüler, die jetzt jeden Freitag demonstrieren – die sind in ein paar Jahren, mit Mitte 20, unsere Kunden, wenn sie es nicht jetzt schon sind.“ Darauf müsse man sich jetzt einstellen.

Seine Vision ist es, einen „verpackungsfreien Tag“ in der Obst- und Gemüse-Abteilung zu testen. Vielleicht erstmal für eine Weile einmal in der Woche. „Um zu gucken, wie die Kunden darauf reagieren“, sagt Stepper. Spruchreif sei das aber noch nicht. Und ein komplettes Umstellen von jetzt auf gleich ist für ihn ohnehin undenkbar.

Zum einen wegen des wirtschaftlichen Risikos: Wieder wäre offen, ob es Umsatzeinbußen gibt. Zum anderen, weil das Geschäft sich auch eigene, verpackungsfreie Einkaufswege über den Großhandel suchen müsste. Drittens, weil es in eigene Werbung investieren müsste: Das übliche Wochen-Werbematerial mit den normal verpackten Produkten ist über die Edeka-Gruppe organisiert. „Wir können zwar eigene Handzettel machen, das ist aber deutlich teurer.“