Dinslaken: "Dinslaken gemeinsam voranbringen"

Dinslaken: "Dinslaken gemeinsam voranbringen"

Dinslakens Bürgermeister Michael Heidinger erklärt, warum er auch nach den heftigen Querelen in der Dinslakener Politik immer noch zuversichtlich ist, dass es gelingen wird, die Zukunft der Stadt positiv zu gestalten.

Gemessen an den unerledigten Projekten, die er auf die Tagesordnung setzte, ist Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger voller Dynamik in seine Amtszeit gestartet. Inzwischen aber hat ihn der Rat rüde ausgebremst. Jörg Werner sprach mit dem Bürgermeister darüber, wie es nun weitergehen soll.

Herr Dr. Heidinger, was kann und was will der Bürgermeister tun, damit in Zukunft die Zusammenarbeit zwischen der Politik und der Verwaltung wieder gedeihlicher funktioniert?

Heidinger Ich werde den Gesprächsfaden wieder aufnehmen und den Dialog mit der Politik intensivieren. So wie es jetzt ist, kann es keine Zukunft haben. Ich gehe davon aus, dass alle im Rat ein großes Interesse daran haben, zu gestalten und diese Stadt gemeinsam voranzubringen. Meine Aufgabe als Bürgermeister ist es, die erforderlichen Gespräche zu führen, und dieser Aufgabe werde ich mich auch stellen. Die Entscheidung zur Trabrennbahn hat doch gerade erst gezeigt, dass es möglich ist, an der Sache orientiert zu diskutieren und zu guten Lösungen zu kommen.

Auch wenn es so scheinen mag, als herrsche in dieser Stadt mal wieder Stillstand, ist ja doch noch immer einiges in Bewegung. In die Innenstadtentwicklung ist, so darf man wohl das Auftreten der Vertreter der Hertie-Eigentümer während der Bürgerbeteiligung zur Hans-Böckler-Platz-Bebauung verstehen, durchaus positive Dynamik gekommen. Andererseits haben Sie mit Blick auf die Verschiebung der Haushaltsverabschiedung zu bedenken gegeben, dass dies Schwierigkeiten bei anderen Innenstadtvorhaben nach sich ziehen könnte. Wie sehen Sie den Stand der Dinge?

Heidinger In der Tat habe ich im Moment ein gutes Gefühl, dass das, was wir ja alle gemeinsam gewollt haben – die Neugestaltung der Innenstadt aus einem Guss – möglich ist. Wir hier im Rathaus haben viele Gespräche geführt – mit den Hertie-Eigentümer genauso wie mit der Hellmich-Gruppe, die den Hans-Böckler-Platz bebauen soll. Dabei haben wir immer darauf hingewiesen, dass eine isolierte Entwicklung des Hans-Böckler-Platzes und des Hertie-Grundstücks von Nachteil für alle ist. Und auch wenn diese Einschätzung nicht von allen von Anfang an geteilt wurde, so hat sich wohl inzwischen – das hat ja das Auftreten der Hertie-Eigentümer gezeigt – die Erkenntnis durchgesetzt, welch große Chance es wäre, wenn es zu einer abgestimmten Entwicklung kommt.

Wie steht's um die übrigen Innenstadtvorhaben?

Heidinger Wir müssen über die Entwicklung des Hans-Böckler-Platzes und des Hertie-Grundstücks hinaus noch mehr in der Innenstadt bewegen. Wir wollen zum Beispiel die Plätze am Neutor umgestalten. Hierbei sind wir auf Fördermittel angewiesen, weil die Stadt dies finanziell nicht allein stemmen kann. Da wäre es gut gewesen, wenn wir einen verabschiedeten Haushalt hätten vorlegen können, in dem der städtische Eigenanteil nachgewiesen wäre. Dass der Haushalt nun später kommt, macht einiges schwieriger. Wir werden aber alles daran setzen, die Dinge so gängig zu machen, dass der Stadt keine Fördermittel verloren gehen.

Eine weitere "Großbaustelle" ist die Entwicklung des Lohberger Zechengeländes. Sie hatten angekündigt, dass in diesem Monat die Entscheidung in Sachen "Outlet-Center" fällt. Wie sieht's aus?

Heidinger Ich habe ja bereits darauf hingewiesen, dass sich insbesondere mit Blick auf die Fördergelder, die uns dann an anderer Stelle verloren gingen, eine solche Ansiedlung schwierig gestaltet. Für Anfang diesen Monats war noch ein Gespräch mit einem möglichen Investor terminiert. Das ist kurzfristig abgesagt worden, so dass man wohl davon ausgehen muss, dass der Standort zur Ansiedlung eines Outlet-Centers unter den genannten Bedingungen für Investoren dann doch nicht so attraktiv ist.

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Jetzt werden sicher die Gegener des Vorhabens sagen, dass sie das doch gleich gesagt hätten. Aber ist es nicht tatsächlich so, dass für das Zechengelände eine wirklich gute und nachhaltigere Alternativplanung vorliegt?

Heidinger Wir haben deswegen auch immer gesagt, dass wir zweigleisig fahren werden und sind auch so vorgegangen. Wenn es die Chance gegeben hätte, ein Outlet-Center anzusiedeln und damit die entsprechenden Arbeitsplätze in die Stadt zu holen, hätten wir sie ergriffen. Gleichzeitig haben wir aber auch die vom Büro "stegepartner" mit den Lohbergern gemeinsam entwickelte Planung weiterverfolgt. Ich selbst habe dazu viele Gespräche auch mit dem zuständigen Ministerium geführt – der Minister (Anmerkung der Redaktion: Landesminister für Bauen und Verkehr Lutz Lienenkämper) hat uns ja auch in Lohberg besucht. Nach diesem Besuch und den Gesprächen bin ich zuversichtlich, dass wir, was die Förderung dieser Planung angeht, in der Prioritätenliste weit oben landen, so dass wir die Möglichkeit bekommen, das Zechengelände attraktiv zu gestalten. Und wir tun auch schon vieles, um darauf aufmerksam zu machen, über was für ein attraktives Areal wir in Lohberg verfügen. Wir werden beispielsweise wieder bei der "Extraschicht" dabei sein, wo wir diesmal sogar Drehscheibe sind und noch mehr Besucher auf den alten Zechenstandort locken.

Bekanntlich arbeiten Sie seit Ihrem Amtsantritt intensiv an einem weiteren Projekt. Stichwort "ProZent". Was erhoffen Sie sich davon?

Heidinger Es geht dabei darum, den Investitionsstau in dieser Stadt, der geschätzt bei rund 50 Millionen Euro liegt, aufzulösen. Die Gründung einer Projektgesellschaft Zentrale Gebäudesanierung (ProZent), die wir mit Hilfe der Wohnbau verwirklichen wollen, soll uns dazu in die Lage versetzen. Diese Projektgesellschaft würde es uns zum einen möglich machen, die Abwicklung der Investitionsvorhaben personell zu stemmen und sie brächte, das zeigt das Beispiel aus Moers, erhebliche Finanzierungsvorteile bei der Abarbeitung des immensen Investitionsbedarfs. Um diese Möglichkeiten zu nutzen, bedarf es aber einer intensiven und akribischen Vorbereitung. Daran arbeiten wir.

Sie haben das Beispiel Moers genannt. Dort war die Gründung einer Projektgesellschaft einfacher, da die dortige Wohnungsbaugesellschaft eine hundertprozentige Tochter der Stadt ist. An der Wohnbau hat Dinslaken nicht einmal einen Mehrheitsanteil. Haben Sie schon mit den anderen Anteilseignern gesprochen?

Heidinger Dafür ist das Konzept noch nicht konkret genug ausgearbeitet. Aber natürlich ist über die Wohnbau bereits kommuniziert worden, dass das Vorhaben nicht dazu führen wird, dass die anderen Anteilseigner einen finanziellen Nachteil erleiden.

Können Sie sich vorstellen, dass die anderen kommunalen Anteilseigner möglicherweise sogar auf diesen Zug aufspringen?

Heidinger. Es ist nicht auszuschließen, dass das Konzept sogar weitere finanzielle Vorteile für alle bringt. Das kann ich aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Wenn das Konzept detailliert ausgearbeitet vorliegt, werde ich entsprechende Gespräche führen.

(RP)