Dinslaken: Fast jedes fünfte Kind lebt in Armut

Praktische Arbeit im Fokus : Fast jedes fünfte Kind lebt in Armut

Fachtag sucht Wege, wie man betroffenen Familien helfen kann.

(RP) Fast jedes fünfte Kind in Dinslaken lebt laut Sozialdezernentin Christa Jahnke-Horstmann in Armut. In Kooperation mit den Wohlfahrtsverbänden wurde zum sechsten Mal der Fachtag „Teilhabe ermöglichen – Kommunale Netzwerke gegen Kinderarmut“ durchgeführt. Unter der Leitung der städtischen Koordinatorin für Schutz und Frühe Förderung, Swantje Ulrich, kamen rund 50 Fachkräfte aus Kindertageseinrichtungen, Offenen Ganztagsschulen und der Stadtverwaltung sowie weitere Interessierte im Evangelischen Gemeindehaus in Hiesfeld zusammen, um sich dem Thema Kinderarmut zu widmen.

„Die Auswirkungen des Aufwachsens in schwierigen und von Mangel bestimmten Lebenslagen sind für Kinder gravierend und die Risikofaktoren vielfältig. Daher sind wir seit Jahren aktiv, um die Folgen von Armut für die Betroffenen zu verringern“, erklärte Christa Jahnke-Horstmann. Und sie betonte, dass die Zusammenarbeit der Akteure dabei unerlässlich sei. Wie wichtig die Netzwerkarbeit ist, hob auch die stellvertretende Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes, Nicole Mehring, hervor: „Wir müssen uns als eine Einheit sehen, um gemeinsam einen Weg zu finden Familien, die von Armut betroffen sind, bestmöglich zu unterstützen.“

Eine mögliche Antwort auf die Frage, wie die Stadt, das Land und der Bund Familien in prekären Lebenssituationen unterstützen können, konnte Alexander Mavroudis, Leiter der Koordinationsstelle Kinderarmut beim LVR-Landesjugendamt, geben. Die Aufgabe, mögliche Folgen von Armut zu verringern, liege dabei klar in den Kommunen. Dinslaken schaffe durch den intensiven Auf- und Ausbau der kommunalen Präventions- und Bildungskette bereits erfolgreiche Rahmenbedingungen, um Kinder, Jugendliche und ihre Eltern entlang der Lebensbiografie zu unterstützen. Um den Ursachen der Armut entgegenwirken zu können, seien allerdings das Land NRW und der Bund gefordert. „Auf Landesebene können beispielsweise Strukturentwicklungsprogramme in den Bereichen Stadtentwicklung, Arbeitsmarktförderung sowie Sozialpolitik oder auch die Verbesserung der kommunalen Finanzlage Strategien gegen Armut darstellen“, erklärte Mavroudis. Armutsbekämpfung sei eine Aufgabe aller politischen Ressorts. Alle Entscheidungsträger müssten sich als Verantwortungsgemeinschaft vernetzen und handeln. Eines wurde klar: Bekämpfung von Armutsfolgen kann nur gemeinsam gelingen. Auch 2020 wird es einen Fachtag zum Thema geben, bei dem die praktische Arbeit der Fachkräfte in den Fokus gerückt wird.

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