Dinslaken: Duo Diagonal stellt Alte Apotheke auf den Kopf

Kabarett und Slapstick in Dinslaken: Hula-Hoop und Sitzaerobic mit Max Greger

Das Duo Diagonal verfeinerte die Slapstick-Nummern ihres neuen Programms „Branka & Roger“ live vor Publikum in einer Vorpremiere in der Alten Apotheke.

Er strahlt selbst noch, wenn er mit seinem eigenen Toupet jongliert, sie hat den Charme und die Durchschlagskraft einer alten Ostblock-Kolchosen-Schreibmaschine. Sie passen also zusammen wie die Länder der EU. Und genau das hat sie zusammengeführt: Roger und Branka, er aus Deutschland, sie aus „Slawinien“, möchten das Euro-Paar 2020 werden. Ob es den beiden Showtalenten gelingt, erfährt das Publikum in der neuen Show des Duos Diagonal. Premiere ist am 26. Oktober beim KölnComedyFestival. Doch die Dinslakener hatten schon am Sonntag die Nase vorn. „Branka & Roger“ erprobten ihre komischen Fähigkeiten in einer Vorpremiere in der Alten Apotheke.

Schräg ist es, was das Duo Diagonal da auf einer Dinslakener Kleinkunstbühne präsentierte, die die beiden in ihrer Eigenschaft als Klein-Bühne vor echte Herausforderungen stellte. Das Duo Diagonal kombiniert Comedy mit klassischem Varieté. Und da kann es in der Alten Apotheke beim Jonglieren mit Keulen, Tanzen mit wehenden Tüchern und Singen (!) während einer Hula-Hoop-Nummer ganz schön beengt werden.

Aber dies war längst nicht alles, was Branka und Roger zu bieten hatten. Fudelt Roger bei seiner ersten Mentalisten-Einlage noch gut durchschaubar, ist sein klassischer Kartentrick so varietéreif wie die Nummer, als Branka seinen Kopf in die Kaffeemühle steckt und dreht. Dass Brankas „Orakel“ ausgerechnet Michael im Publikum für die Hypnose-Nummer kürt, glaubt man Branka wieder nur zu gerne, sie macht dem Zuschauer den ganzen Abend über Avancen – und er spielt, ebenso wie Sabine in der ersten Reihe, herrlich mit.

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„Branka & Roger“ zieht eine mehr oder wenige fiktive slawische Kultur durch den Kakao („Egal, was Leben bringt: trink“), vielmehr aber noch die deutsche. Und die ist die, der bereits Loriot ein humoristisches Denkmal setzte. Bevor Roger den ganzen Saal im Sitzen Aerobic machen lässt, zaubert er eine Schallplatte aus den 70er Jahren hervor: Tanzen lernen mit Max Greger, quasi das „Jodeldiplom“ für Bewegungsaffine. Umwerfend komisch ist es, wie Branka und Roger nach der Anleitung Disco tanzen, O-Ton der Platte: Wenn sie sich öfters zu dieser Musik bewegen, werden sie merken, wie viel Spaß es macht“.

Branka bringt aus ihrer „slawinischen Heimat“ anderes mit: uralten Käse, den Gummi-Braunbären und einen Tanz, mit dem die Frauen ihre Auserwählten fesseln, wie ein Spule wieder befreien und sich gut verschnürt über die Schulter hängen: Man nimmt Branka die zupackende Art voll und ganz ab. „Es ist leichter, als es aussieht“, behauptet Branka über diesen Mix aus Varieté und Slapstick. Von allen Bären, die Branka dem amüsierten Publikum aufbindet, dürfte dieser der größte gewesen sein.

(bes)
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