Dinslaken: Der späte Kunde kauft gern Chips, Toast und Gurken

Für Menschen, die spät von der Arbeit kommen : Einkauf kurz vor Ladenschluss

Der Real-Supermarkt an der Thyssenstraße hat täglich bis 22 Uhr geöffnet. Viele Kunden mögen es, am Abend einkaufen zu gehen.

Das Piepen, das Kassiererin Jessica Caniels mit jedem Produkt, das sie an Kasse 9 einscannt auslöst, ist deutlich schneller als der Rhythmus des radiotauglichen Liedes, das gerade im Real-Markt dudelt. Es ist wenige Minuten nach 21 Uhr: Während die Sonne längst untergegangen ist und die meisten Supermärkte mittlerweile geschlossen haben, brennt in dem Geschäft an der Thyssenstraße noch hell-weißes Licht. Aktuell sind zwei Kassen besetzt; an jeder steht jeweils etwa eine Handvoll Leute an.

Was kurz vor Ladenschluss, bei den Kunden im Einkaufskorb landet? „Eher Kleinigkeiten. Das, was man vergessen hat und was zu Hause dann doch fehlt“, sagt Izabela Albrecht, die an diesem Abend als späte Teamleitung für den Frischebereich bei Real zuständig ist, und gerade etwas mit ihren Kollegen im vorderen Bereich des Marktes abklärt. In der nächsten Stunde wird sie wohl mehrere Kilometer auf der knapp 5300 Quadratmeter großen Verkaufsfläche zurücklegen, wenn sie nicht mehr so schöne Waren aus diversen Auslagen entfernt und so Platz macht für die frischen Produkte, die am nächsten Morgen eintrudeln werden.

Bettina Brenner (l.) und ihre Tochter Alina suchen im Frischebereich des Supermarktes unter anderem nach Gurken. Foto: FUNKE Foto Services/Oleksandr Voskresenskyi

Bevor sie damit loslegen kann, wird Albrecht aber erst einmal gestoppt. Von Kunden, die in der Multimedia-Abteilung stehen und Fragen zu einem Fernseher haben, der gerade im Angebot ist. Albrecht ruft den Mitarbeiter der entsprechenden Abteilung herbei, dann verabschiedet sie sich schnellen Schrittes. In ein paar Minuten werden wir sie im hinteren Teil des Marktes wiedertreffen.

Danny Törkel arbeitet lange und kauft danach gerne noch ein. Heute landeten Toastbrot, Chips und Bier in seinem Einkaufswagen. Foto: FUNKE Foto Services/Oleksandr Voskresenskyi

An der Kasse steht nun um 21.17 Uhr aber erstmal Danny Törkel an. Die Kassiererin zieht Toastbrot, Chips und Bier über den Scanner. Es piept mehrere Male, danach kann Törkel zahlen. Bis eben noch habe er gearbeitet und nutze nun die lange Ladenöffnungszeit hier aus, erzählt er. „Dass hier so lange geöffnet ist, kommt mir sehr entgegen.“ Törkels Einkauf landet im Wagen, er verabschiedet sich und wünscht Kassiererin und Reporterin einen guten Feierabend

Ralf Krüger transportiert die leeren Getränkekisten mit Hilfe eines Staplers von der Leergutrücknahmestelle ins Getränkelager. Foto: FUNKE Foto Services/Oleksandr Voskresenskyi

Wenige Meter weiter flackert Werbung einer Reinigungsmaschine über einen Bildschirm. Dann wird es lauter. Weil Ralf Kröger mit einem Stapler voller leerer Getränkekisten vorbeiläuft und diese im Getränkeabteil des Ladens ablädt. Wie Izabela Albrecht wird auch er bis 22 Uhr noch viele hundert Meter zurücklegen, um die Getränkekisten, die den Tag über vorne abgegeben wurden, an den richtigen Platz zu bringen.

Es ist 21.32 Uhr, da suchen Bettina Brenner und ihre Tochter Alina die Obst- und Gemüseabteilung im Markt auf. Die Auslage ist bei vielen Sorten noch ausreichend bestückt, einzig die Tafeltrauben sind aus. Die aber sollen bei Brenners eh nicht im Wagen landen. Stattdessen fällt ihre Wahl auf Erdbeeren, Kirschen und Gurken. „Wir kaufen gerne so spät ein, weil es dann einfach nicht mehr so voll ist“, erzählt Bettina Brenner. Zudem schätze sie das üppige Sortiment des Marktes. Den großen Wocheneinkauf erledige sie dann doch eher zu einer anderen Uhrzeit.

Trotz später Stunde sind Obst- und Gemüsetheke bei Real noch gut bestückt. Lediglich die Tafeltrauben sind an diesem Abend schon aus. Foto: FUNKE Foto Services/Oleksandr Voskresenskyi
Cherrytomaten gibt es kurz vor Ladenschluss noch zur Genüge! Foto: FUNKE Foto Services/Oleksandr Voskresenskyi

Die Fischtheke wenige Meter weiter haben Mitarbeiter des Marktes schon ausgeräumt, um 21.42 ist sie gereinigt. Teamleiterin Izabela Albrecht läuft vorbei, wir begleiten sie zur „Hausbäckerei“. Ein paar Backwaren sind übrig geblieben, die müssen ausgeräumt werden – weil der Produzent sie morgen früh zurücknehmen wird. Dann steht Albrechts letzte Runde für heute an, sie begleitet uns in Richtung Ausgang. Es ist 21.55 Uhr, als die Werbe-Bildschirme aufhören zu flackern und das Marktradio nicht mehr dudelt. Ein Trio betritt den Supermarkt trotzdem noch. „Ach“, sagt Albrecht gelassen. „Diejenigen, die mal eben schnell nur noch kurz etwas vor Ladenschluss kaufen müssen, die gibt es hier jeden Tag.“

(akw)