Dinslaken: Demnig verlegt Stolpersteine für Holocaust-Opfer

Dinslaken : Elf weitere Steine für die Holocaust-Opfer

Als Mahnung an während des Nationalsozialsmus getötete Juden: An vier Standorten in der Dinslakener Innenstadt verlegte der Künstler Gunter Demnig am Donnerstag weitere Stolpersteine.

(acf) Künstler Gunter Demnig fegt den Sand zur Seite, lässt Wasser über die Steine laufen, wischt sie zuletzt noch trocken – so leuchten die in den Boden eingelassenen Gedenktafeln golden. „Wir können davon ausgehen, dass das ältere Ehepaar sofort in den Gaskammern ermordet wurde“, sagt Anne Prior über Hugo und Sofie Lifmann – und ruft so das Schicksal des jüdischen Ehepaars, das einst in dem gemeinsamen Haus an der Neustraße 62 lebte, in das Gedächtnis der Zuhörer. Hugo und Sofie Lifmann wurden vor 80 Jahren hier in der Pogromnacht überfallen, vier Jahre später wurden sie nach Auschwitz deportiert und ermordet. Die in den Boden gelassenen Gedenktafeln sollen daran erinnern.

Insgesamt elf Stolpersteine verlegte Gunter Demnig am Donnerstag an vier Standorten in der Dinslakener Innenstadt. Drei weitere sind nun vor dem ehemaligen Israelitischen Waisenhaus, Neustraße 43, in Gedenken an die früheren Bewohner Anni Mainzer, Günther Rosenthal und Leo Friedländer zu finden. Letzterer lebte nach dem Gasunglück seiner Eltern 1929 in dem Waisenhaus, er wurde 1938 nach Bentschen/Zbaszyn deportiert. Die Schwester, die später nach dem kleinen Bruder suchte, fand ihn nicht. Ihre Familie ist an diesem Tag mit neun Mitgliedern von Israel nach Dinslaken gekommen, um dabei zu sein, wenn für den kleinen Leo ein Stein verlegt wird.

Alon Daniel, sein Großneffe, verteilt an jeder Gedenkstelle Teelichter, auch Israels Flagge wird niedergelegt. „Ich möchte, dass jeder sich erinnert. Es ist wichtig, das nicht zu vergessen“, sagt er später. Im Januar dieses Jahres hatte Daniel Kontakt mit Anne Prior vom Verein „Stolpersteine für Dinslaken“ aufgenommen. Seine Mutter Zahava Daniel bedankte sich auf Deutsch bei den Anwesenden, bei Anne Prior und bei Künstler Gunter Demnig. Die Gäste aus Israel verdeutlichten, wie sehr die Geschichte von Leo dessen Schwester, die nicht anwesend sein konnte, und die nachfolgenden Generationen bewegte. „Das ist Teil der Familiengeschichte“, sagt Anne Prior.

Lehrerin Birgit Hientzsch ist mit Schülern ihres Geschichtskurses von der Gesamtschule Hünxe gekommen. Dort finde demnächst ein Projekt zum Thema „Jüdisches Leben unter dem Hakenkreuz“ statt, sagt sie. „Sehr bewegend“, sagt ein Schüler, seine Familie habe auch unter dem NS-Regime gelitten. Es sei wichtig, dass man das nicht vergisst in der heutigen Zeit, sagt Margot Stieler von der Lebenshilfe Dinslaken. Sie erinnert auch nochmal an die Menschen, die geistig und psychisch erkrankt waren und in Dinslaken Opfer des Nationalsozialismus geworden sind.

(acf)
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