Dinslaken: Christen feiern auch wochentags die Heilige Messe

Dinslaken : Eine Morgenmesse in Sankt Vincentius

Von montags bis freitags finden in der katholischen Kirche am Altmarkt um 9 Uhr Gottesdienste statt. Dafür wird im alten Teil ein kleiner Altar aufgebaut.

Dieser Dienstagmorgen ist anders als sonst: Bereits um kurz vor 9 Uhr zeigt das Thermometer 25 Grad im Schatten an, am Nachmittag sollen es 38 Grad werden – der heißeste Sommertag in der Region in diesem Jahr. Einige Gebäude in der Altstadt spenden an diesem frühen Morgen bereits den ersehnten Schatten, darunter auch die katholische Sankt-Vincentius-Kirche am Altmarkt.

In den Einstellringen am Fuße des Mauerwerks stehen um diese Zeit einige Fahrräder (schließlich ist Markt), auch die Glocken läuten, nur die Tür zum hinteren alten Teil der katholischen Kirche ist geöffnet. Gut 20 Gläubige, überwiegend der älteren Generation, haben sich zum Kirchgang entschlossen – nicht nur wegen der Kühle im Gotteshaus. Um 9 Uhr beginnt, wie immer dienstags, mittwochs, donnerstags und freitags, die Morgenmesse in der Vincentius-Kirche, dienstags als Abschluss auch mit Rosenkranzgebet.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services
Bei der Wandlung werden Wein und Wasser im Kelch zum Blut Christi. Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Pfarrer Barthel Kalscheur hat an diesem Morgen Dienst und gestaltet die Heilige Messe. In der Sakristei hat er sich zuvor kurz mit Rosi Heun, die den Küster Norbert Tepe urlaubsbedingt vertritt, Organist Paul Beszynski und Klaus-Dietrich Amende, seit fast 20 Jahren Messdiener, über den Verlauf abgesprochen. Zu Orgelspiel und Gesang folgt der Einzug durchs Kirchenschiff zum schlicht geschmückten mobilen Altar vor Bänken und Taufbecken, der immer zu den Frühmessen im alten Gebäudeteil aufgebaut wird.

Die Hostien werden zu Beginn der Messe in die Schale gelegt und später geweiht. Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services
Der Kelch wird später zum Altar gebracht. Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

„Wir wollen Danke sagen und des Bundes gedenken, den Gott mit uns geschlossen hat“, betet der Pfarrer und die Kirchenbesucher singen: „Lasst und loben, freudig loben.“ Nach der Lesung von Schwester Johanne, Seelsorgerin im Evangelischen Krankenhaus, und dem Lukas-Evangelium predigt Pastor Kalscheur zum Thema Glauben und Vertrauen.

Jesus sei vom Berg gekommen, wo er Gottes Nähe und Meditation suchte, „und er kommt den verängstigten Jüngern bei hohem Seegang auf ihrem Boot entgegen. Die Elemente tragen ihn, der Sturm kann ihm nichts anhaben.“ Petrus sehe die Stürme des Lebens und beginne zu sinken. Jesus frage seinen Glauben an: „Warum hast du gezweifelt?“ Kalscheur deutet das Evangelium weiter: „Wir mögen besten Willens sein, aber Dinge nagen an uns, lassen uns zweifeln. Doch unser Gott hat die Ruhe weg, er ergreift auch unsere Hand und wird uns in die Sicherheit ziehen, die nur er uns geben kann.“

Zur Gabenbereitung werden die in einer Schale gesammelten Hostien geweiht und der Pfarrer bittet die Besucher durch die Bänke hindurch mit Hinweis auf die „Turbulenzen unseres Alltags“ um den Friedensgruß.

Zu Orgelklängen wird die Kommunion ausgeteilt und Barthel Kalscheur erinnert an Worte des Theologen Karl Rahner: „Fallen in den Tod ist Fallen in die Abgründe der ewigen Liebe.“ Mit einem traditionellen Marienlied („O Maria sei gegrüßt“) endet die Morgenmesse an diesem Dienstag.

Nicht für alle Besucher – etwa die Hälfte betet anschließend noch den Rosenkranz mit: als tägliches Gebet für die Priesterberufe. Dann geht es wieder hinaus aus dem kühlen Kirchengebäude in die Hitze.

(P.N.)
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